Beiträge zum Stichwort: Egotronic

[Album+Video] We Are Enfant Terrible - Explicit Pictures

we-are-enfant-terribleDer Oktavbass lässt sich vergleichen mit der Afterhour. Jeder, der was auf sich hält, muss hin. Und es schadet ganz sicher nicht, wenn man schon einiges an Derangiertheit mitbringt. Doch wurden in den letzten Jahren schon einige Afterhours sowie unzählige Stunden Oktavbass zurückgelegt. Das heißt, man muss sich irgendwie auch mal was Neues einfallen lassen, während man mal wieder das Alte macht. We Are Enfant Terrible haben sich dafür entschieden, der Abfahrt eine gewisse Melancholie zu verabreichen. Das macht sie teilweise zu einer Art Indie-Atzen in Moll. Mit, klar, mehr Schulbildung, aber trotzdem noch irgendwie asozial. Vielleicht ziehen sie aber auch Party-Bekenner wie Plemo oder Egotronic mit dem unkaputtbaren Trend zur Joy-Division-Aufarbeitung zusammen. Oder Deichkind mit Depressionen? Oder mal besser Schluss mit dieser Verweis-Borderline hier?

“Explicit Pictures” ist bereits bei Last Gang/Warner erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

http://www.vimeo.com/21941269

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Oh, dieser Sound – Stars spielen Superpunk

superpunkVom kleinen Spleen zum massiven Monolith in nur anderthalb Jahrzehnten. So lässt sich das Geschehnis Superpunk verkürzt zusammentwittern. Geblieben scheint vor allem eins: Die ewigen Hamburger mit den vielen Exilanten sind eine Band aus Bock geblieben. Das macht sie neben den markanten Texten und dem utopischen Retro-Sound vermutlich auch so integer, so monolithisch. Und wer hoch steht, den sieht man weit. Daher pilgerten easy andere Styler heran, als es an ein Tribute-Album ging. Eine Panorama-Platte kam raus, die Genres fallen wie Domino-Steine. Wer von den Gefragten hat’s drauf, bei wem reicht einmal checken und vergessen? Typisch Tribute-Album, die Wahrheit liegt auf dem Platz, du Phrasenschwein. Empfehlenswert von meiner Seite: Egotronic (”Die Bismarck”), Anajo (”Ja, ich bereue alles”), Thees Uhlmann (”Ein kleines bisschen Seele”), Neigungsgruppe Gewalt (”Das Feuerwerk ist vorbei”). Eher ungeil, aber trotzdem irgendwie reizend: Ex-Blümchen Jasmin Wagner am titelgebenden Stück “Oh, dieser Sound”.

“Oh, dieser Sound – Stars spielen Superpunk” erscheint am 6. Mai bei Tapete/Indigo.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Egotronic - Ausflug mit Freunden

egotronicAusschüttungs-Rushhour. Verdient ist es, die Fanbase hat man sich wie niemand anders die letzten Jahre über Subkultur-Strukturen und Szene-Fame draufgeschafft – und kann deshalb jetzt glaubwürdig auf “Ausflug mit Freunden” Audiolith auf ganzer Songlänge abkulten. In dieser überzeugenden Intensität haben das sonst nur Aggro-Berlin auf der Uhr stehen. Inhaltlich gibt es natürlich keine Überschneidungen zum Chauvi-Revanchisten-Hop, Egotronic (neben Torsun noch Endi und KT&F) kultivieren weiter ganz selbstverständlich anti-deutsch-nahe Texte und Absagen an den herrschenden Dummdeutsch-Konsens. Biestig und high ist “Ausflug mit Freunden” geworden. Kein schlechtes Trademark, wenn man sieht, wie bieder, affirmativ und höchstens bierbetrunken so viele der hiesigen Acts immer bloß sind. Zudem findet sich die Kulisse noch hochgejazzt mit Gästen (Saalschutz, Frittenbude, Plemo u. a.), Punk-Versatzstücken in Ton und Gestaltung (Angeschissen, Razzia, Hammerhead), einer Bonus-CD. Das hier ist nicht weniger als Sound, Label und Band zur Zeit.

“Ausflug mit Freunden” ist bereits bei Audiolith/Broken Silence erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Audiolith - Doin’ Our Thing

23056319Ein Label, ein Leben, ein Sound, eine Welt. Stimmt natürlich nur bedingt - denn Audiolith hat viele Gesichter und klingt ungeahnt verschieden mitunter. Clickclickdecker, Egotronic, The Dance Inc., Frittenbude, Rampue, Bratze etc. - alles: “brought you by Audiolith from HH”. Zur Jubiläumsplatte plus DVD steht ein Talk mit Lars Lewerenz an.

Wie lange gibt es Audiolith eigentlich?
Etwas über sechs Jahre. In diesen sechs Jahren bin ich gefühlte 20 gealtert, habe diverse Alben, Singles, MP3s veröffentlicht, bin auf die Schnauze gefallen und wieder aufgestanden. 2009 ist Katalognummer 50 am Start, eine CD-Compilation mit 18 exklusiven Tracks plus Bonus-DVD mit siebenundzwanzig Musikvideos, sozusagen der heiße Scheiß der Künstler, die ich so liebe.

Audiolith ist seit 2008 auch ein Verlag, eine Bookingagentur, die mein Kollege Artur Schock in Berlin leitet, und das soziale Netzwerk, in dem ich mich tagtäglich bewege. Nur gute Leute, keine Arschlöcher, und 100 % qualitativ hochwertiger Output, hinter dem ich stehe.

Was war die Idee, als du damit begonnen hast - und wie bewertest du, was in der Zeit daraus geworden ist?
Ich hab mir ein Buch auf dem Flohmarkt gekauft und mir angelesen, wie man so was Geiles wie Audiolith aufzieht. Ein paar Jahre später hat Audiolith diverse aktive Künstler im Roster, und das Konto ist dick gefüllt. So einfach ist das natürlich nicht. Ich habe meine Erfahrung aus Bands, in denen ich gespielt habe, und aus der Arbeit für Dim Mak Records mitgebracht - und gute Menschen, die mir ihr Repertoire anvertraut haben und ihre Visionen mit mir teilen, um mich gehabt. Viel hat sicher auch mit meiner Sozialisation zu tun. Punkrock, Dicker! Und na klar ist es vor allem harte Arbeit für wenig Geld, aber ich bin mein eigener Boss, und die Künstler und ich können machen, was uns passt. Das wachsende Feedback der Menschen, die unsere Veröffentlichungen und Merchandise kaufen, die Konzerte besuchen und sich mit dem, was wir tun, identifizieren, hat es eigentlich zu dem gemacht, was es heute ist.

Hand aufs Herz, kann man mit einem Indie-Label 2009 noch Geld verdienen?
Audiolith funktioniert nur als ganzheitliches Chaos aus Label, Verlag, Booking und Veranstaltungen etc. und den mafiösen Strukturen dahinter.

Falls nicht, wie klappt es dann mit der Ökonomie - für dich und deine Bands?
Einige gehen noch Fliesenlegen, in Clubs Garderoben bauen, und einige schreiben sogar Bücher. Jeder im Audiolith-Kosmos beschäftigt sich auch noch mit anderen Dingen.

Was ist deine persönlich liebste Platte unter den Audioliths so far?
Am liebsten sind mir die Momente, wenn jemand ein neues Album abliefert und ich mich dann in die Sachen reinhöre. Dann wachsen die Songs, und ich fang teilweise an zu weinen, bekomme Gänsehaut und denke oft: “Die Musik ist einfach viel zu gut für mein kleines Labelchen.” Zu verschiedenen Zeiten habe ich da meine Lieblingssongs, aber generell finde ich alles geil, sonst würde es auch nie auf Audiolith rauskommen.

Du hast ja selbst eine Band (gehabt). Die Oi-Skin-Gruppe Smegma. Warum veröffentlichst du selbst so auffallend wenig Musik in der Art?
Weil ich keinen Bock auf Leute hab, die in ihrer musikalischen Wahrnehmung beschränkt sind. Und leider muss ich sagen, dass ich nicht nur im Punkbereich, sondern auch bei vielen anderen Musikrichtungen einfach nicht mit den Leuten klarkomme, die sich irgendeine Szene auf die Fahne schreiben und nicht offen für andere Sachen sind. Aber das beste Erlebnis hatte ich dazu in Wolfsburg. Ein Skinhead steht vor mir, und ich frag ihn, was er für Musik hört. “Ska und Egotronic” - recht so! Verschiedene Musik. Das will ich sehen. Verschiedene Menschen.

Stimmt es, dass es ein Smegma-Re-Release geben wird?
Die Sammlung “Gehalt, Hab und Gut” kommt demnächst auf True Rebel Records aus Hamburg raus.

Was ist deine Utopie davon, wie es mit Audiolith weitergehen sollte?
Mein Traum ist, das Ding so zum Laufen zu bekommen, dass wir ein paar Leute einstellen können. Das Audiolith-Ding an die jüngere Generation weiterzugeben.

Und wie, denkst du, geht es in echt aus?
Es wird sich in 50 Jahren ein schwarzes Loch auftun und alles verschlingen. Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm 2009. Alles wird untergehen, und es wird still werden.

“Doin’ Our Thing” ist bereits bei Audiolith/ Broken Silence erschienen.

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