Beiträge zum Stichwort: Electro

[Album+Video] Supershirt - Kunstwerk

23065617Für die drei Wahl-Berliner mit ostdeutschem Hintergrund muss man einfach mal deutlich werden: Mit »Kunstwerk«, ihrem Album nach dem kleinen Hype um ihren Szene-Hit »8000 Mark« von vor paar Jahren, mit »Kunstwerk« ist ihnen vielleicht die Audiolith-Platte des Jahres gelungen. Und das nicht, weil die anderen es versemmelt hätten oder weil die neue Egotronic erst im nächsten Monat zu hören sein wird. Nein, Supershirt haben einen äußerst pointierten Stil gefunden, den hedonistisch besoffenen und politisch motivierten Electro-Approach ihres Labels zu einer neuen Meisterschaft zu führen. Die Musik liefert eine stets tanzbare Kulisse, der Gesang indes variiert ständig und umfasst eine ziemliche Bandbreite zwischen Sprechgesang und Indie-Träller-Pop-Songs (im Refrain von »Bretter« meint man, Virginia Jetzt! seien als fröhliche Zombies wiedergekehrt). Durch diese Abwesenheit von Berührungsangst wirkt alles zugänglich, verspielt und klatscht einem so die teilweise auch ätzenden Botschaften vom Leben auf Kunst und Hartz4 nicht so freudlos um die Ohren. Das hier ist: Frittenbude auf Ecstasy; so könnten Mediengruppe Telekommander bestenfalls klingen, wenn sie die Fähigkeit besäßen, über sich selbst zu lachen.

“Kunstwerk” ist bereits bei Audiolith/Broken Silence erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

http://www.vimeo.com/29843558

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[Album] Modeselektor - Monkeytown

modeselektorModeselektor haben sich im Laufe der Jahre zu einem der Exportschlager aus Europas Technohauptstadt entwickelt und stecken mittlerweile auch die großen Festivalbühnen von Lollapalooza bis SXSW in Brand. Im Zuge ihrer USA-Tour wurden sie von den lokalen Medien kürzlich als “Berlin’s Techno Provocateurs” gefeiert. Dabei provozieren Gernot und Szary gar nicht wirklich, sondern denken im Grunde nur in gewohnter Manier das britische Hardcore-Kontinuum mit den Mitteln von HipHop, Electro und allem, was man sonst so gerade interessant findet, weiter. Mit strammen teutonischen Beats hat die Musik von Modeselektor naturgemäß wenig zu tun. “Monkeytown” ist ein Allstar-Album geworden, das diesem Namen auch gerecht wird, denn für die Gästeliste würde wohl jeder halbwegs klar denkende Produzent töten. Der im Dunstkreis von Modeselektor schon öfter gesichtete Thom Yorke wurde für zwei Songs herangekarrt, es gibt einen catchy R’n'B-Track mit Miss Platnum, der die aktuellen Genrediven vor Neid erblassen lassen dürfte, und das Antipop Consortium und der ewig unterschätzte Otto von Schirach steuern noch die nötige Portion Wahnsinn bei. So konsequent wurde in der elektronischen Tanzmusik schon lange nicht mehr dick aufgetragen.

“Monkeytown” ist bereits bei Monkeytown/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Album+Video] We Are Enfant Terrible - Explicit Pictures

we-are-enfant-terribleDer Oktavbass lässt sich vergleichen mit der Afterhour. Jeder, der was auf sich hält, muss hin. Und es schadet ganz sicher nicht, wenn man schon einiges an Derangiertheit mitbringt. Doch wurden in den letzten Jahren schon einige Afterhours sowie unzählige Stunden Oktavbass zurückgelegt. Das heißt, man muss sich irgendwie auch mal was Neues einfallen lassen, während man mal wieder das Alte macht. We Are Enfant Terrible haben sich dafür entschieden, der Abfahrt eine gewisse Melancholie zu verabreichen. Das macht sie teilweise zu einer Art Indie-Atzen in Moll. Mit, klar, mehr Schulbildung, aber trotzdem noch irgendwie asozial. Vielleicht ziehen sie aber auch Party-Bekenner wie Plemo oder Egotronic mit dem unkaputtbaren Trend zur Joy-Division-Aufarbeitung zusammen. Oder Deichkind mit Depressionen? Oder mal besser Schluss mit dieser Verweis-Borderline hier?

“Explicit Pictures” ist bereits bei Last Gang/Warner erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

http://www.vimeo.com/21941269

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Men - Talk About Body

Wer mittlerweile tougher aussieht als alle meine Mackerfreunde zusammen, ist JD Samson. Ihres Zeichens der ultra-boyishe Character der leider seit “This Island” von 2004 inaktiven Le Tigre. Mit Men hat JD ja aber wieder ein Trio am Hals. Und füllt die Lücke zwischen der letztlich immer sehr songorientierten Arbeit von Acts wie Le Tigre oder auch den späten Gossip und den tanzbaren Post-Disco-Electro-Moves in den dusteren Clubs der Metropolen. “Talk About Body” hält dabei sicher nicht die ganze Strecke zusammen, sondern bietet immer auch mal dieses und jenes an, nur um sich irgendwann wieder auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, den Beat, zu fokussieren. Blondie meets !!!. Die androgyne Tanzfläche schlägt zurück.

“Talk About Body” ist bereits bei I Am Sound/Sony erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.


Credit Card Babies (Stereogamous Remix)

MEN | Myspace Music Videos

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Schwefelgelb - Das Ende vom Kreis

tr188_schwefelgelb_dasendevomkreis„Das Ende von Kreis“ verkünden Schwefelgelb. Doch was ein Aufruf zu mehr Ecken, zu neuen Kanten sein könnte, ist auf dem jüngsten Streich von Eddy und Sid eher die zusammen geschnürte Popessenz des einstigen Krawalls. Was beim ersten Lesen nach Enttäuschung klingt, ist in der Realität eine Verbeugung vor einem brutal guten Popalbum mit Electrofundament und einem dicken Audiolithstempel als Wertekanon auf der Stirn. „Alle Sterne“ ist dabei keineswegs zufällig die erste Single, verbindet der Track doch die Hybris der schwefelgelben Anfangszeit mit knackigen Lyrics und einer leichten Melancholie, die sich im nachfolgenden Track „Wie jeden Tag“ so feist breit macht, dass es einem auch ohne Faible für kunstgewerblerische 80er-Referenzen die Tränchen ins juvenile und/oder begeisterte Gesicht treibt. „Die Blätter flüstern: Wir drehen uns alle im Kreis.“ Ist es doch nicht das Ende und die Quadratur muss noch ein bisschen warten? Zumindest noch eine Zigarette, ein Album. Bitte eines von Schwefelgelb.

“Das Ende vom Kreis” erscheint am 29. Oktober bei Tapete Records.

http://www.vimeo.com/15603528

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Hudson Mohawke - Butter

23057196Boss Birchard a.k.a. Hudson Mohawke a.k.a. DJ Itchy hat großes Interesse an allen Arten von Dancemusik, aber keines an geraden Beats. Oder an gebrochenen. Zumindest geht sein Interesse nicht so weit, dass er sich in die eine oder andere Richtung besonders lange festlegen wollte. Der humorvolle und respektlose Musikentwurf, den er auf seinem Warp-Debüt “Butter” hinlegt, ist trotzdem weit entfernt von verkopftem IDM, auch wenn er historisch gesehen mit seinen Zerlegungen und Neuanordnungen auf dem richtigen Label gelandet ist. “Butter” ist eine akustische Kamerafahrt durch das Hirn eines 23-Jährigen, der ideologiefrei Radiopop, R’n'B, HipHop, Dubstep und Techno collagiert, mischt, verknotet und wieder zerreißt. Die gute Nachricht für Eltern und Pädagogen: In diesem Kopf geht es sehr fröhlich zu. Computergames inklusive. Gepiepse, Bässe, Refrains und Melodien werden angespielt und abgebrochen. Die technischen Fertigkeiten hat sich Hudson Mohawke beim IDM, den Flow beim HipHop und das treibende Euphoriemoment zum richtigen Zeitpunkt beim Techno abgeschaut. Heraus kommt trotzdem etwas Neuartiges, denn niemals zuvor hat ein Künstler Schubladen mit so viel Spaß zerschmettert. “Butter” ist ein ravendes Electrofunk-Monster jenseits von Sinnzusammenhängen und Verbissenheit und garantiert ein Album für die nächsten Jahre.

“Butter” ist bereits bei Warp/Rough Trade erschienen.

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Fan Death - Constellations (Brassica Remix)

fan-death

Noch kein Album veröffentlicht, aber trotzdem schon als der neue, heiße Scheiß gehandelt. Vor allem, weil die Live-Shows von Fan Death laut vertrauenswürdigen Zeugenaussagen druckvolles Zeugs sein sollen. Name ist gemerkt, auch dank des Remixes von Brassica.

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Fagget Fairys - Feed The Horse

fagget-fairys“We got the tits to make you gay”, schreit es von der MySpace-Seite der Fagget Fairys. Was für eine Ansage! Dass sich Minderheiten derjenigen Schimpfwörter annehmen, die sie tagtäglich auf der Straße an den Latz geknallt bekommen, und diese positiv umdeuten, ist nicht sonderlich neu. Der Name des Duos stellt eine Variation auf wohl zwei der gängigsten Beleidigungen für Homosexuelle dar. Die Däninnen Carla Cammilla Hjort und Elena Carli Cosovic sind privat ein Paar und haben mit “Feed The Horse” bereits einen der Electrohits des Jahres abgeliefert. Die beiden sehen sich in erster Linie als DJs und erst in zweiter als Produzentinnen. Nebenbei betreiben sie auch noch das KünstlerInnen-Netzwerk ArtRebels. Mit ihrem Mash-up aus Booty Bass, Dancehall, HipHop und Electro treiben sie sich derzeit nicht alleine auf dem Dancefloor herum: Yo Majesty, Santigold oder die umwerfende Ebony Bones sind nur einige weitere Beispiele aktueller positiver Arschwackelei. Das Album hat ein oder zwei Hänger, macht insgesamt aber riesigen Spaß. Und zur Balkanbeats-orientierten Hymne “Oci”, in der Elena auf Bosnisch toastet, da tobt der Affe wirklich im Kreis.

“Feed The Horse” erscheint am 28. August bei Music For Dreams/Edel.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Ebony Bones - Bone Of My Bones

51nvclgt51l_sl500_aa240_Innerhalb kürzester Zeit hat sich die 24-jährige Ebony Thomas im nicht gerade hypearmen Königreich als das perfekte Gesamtpaket etabliert, auf das Fans wie Kritiker offenbar nur gewartet haben. Die einstige Schauspielerin verbindet eine außergewöhnliche Stimme, magische Bühnenpräsenz und eine knallbunte Mischung aus HipHop, Electro und Soul mit einer energetischen Punk-Attitüde. Ohne Reibungsverluste hat die stets außergewöhnlich ge- und verkleidete Charismatikerin die Frische ihrer Live-Auftritte auf Album-Format gebündelt. Ein bisschen M.I.A., hier und da ein Punk-Zitat und dem anscheinend notwendigen Sinn für einprägsame Statements. „I am Cleopatra reincarnated, in search of KFC.“ Dabei hätte sie soviel amtliche Verpackung gar nicht nötig, schließlich haben Songs wie „The Muzik“ auch ohne die Hybris genügend Kraft, diesen Sommer zu erobern. Ebony Bones gräbt tief in den Gewässern der Musik-Geschichte und verbindet sie mit dem State of the Art. Haltbarkeitsdatum ungewiss, aber für den Moment ein Triumph der Freiheit. Spaßig, nicht knochentrocken. Trendforscher of the world unite and take over.

“Bone Of My Bones” erscheint am 26. Juni bei PIAS.

YouTube Preview Image

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Krazy Baldhead - Sweet Night

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“Electro-Soul” ist die grobe Klammer des Debüt-Albums von Krazy Baldhead. “The B Suite” steht seit dem 27. April in den Regalen und beweist, dass von den Ed Bangers doch noch mehr kommen kann, als nur Hybris und Hype. Groove zum Beispiel.

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