Beiträge zum Stichwort: Elektronik

[Video] Plaid - 35 Summers

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[Album+Stream] Amon Tobin - ISAM

41npsjibusl_sl500_aa300_Drei Jahre seit seiner letzten Veröffentlichung, der EP „Taxidermia“, ließ sich der brasilianische Störfrequenzler Amon Tobin Zeit, bis sich wieder genügend Falltüren, Umwege, Verkantungen und Brüche für ein neues Album angesammelt hatten. Wobei „Album“ ja schon den Anschein einer Reihenfolge von Tracks erweckt, den Tobin wieder einmal nicht erfüllen mag. Cineastische Untermalungen, von Videospielen inspirierte Sequenzen, Streifzüge durch die grundlegende und nicht-elektronische Musikgeschichte seines Heimatlandes; alles verquickt, nichts der Wohlgefälligkeit geopfert. Nicht ganz so brutal wie „Foley Room“, aber auch nicht so eingängig – wenn man davon im tobinschen Universum überhaupt sprechen kann – wie „Supermodified“ und „Bricolage“ ist sein neues Werk, eine elektronische Abrissbirne, die es nicht zum Bruch mit den Brüchen kommen lässt. Sperrig zum Einstieg, aber wie immer wunderschön, wenn man erst einmal mit auf den Zug aufgesprungen ist. Für Fans von: verwinkelten Landschaften, LSD und rückwärts abgespielten Filmen.

“ISAM” erscheint am 23. Mai bei Ninja Tune.

‘ISAM’ - Full album with track-by-track commentary from Amon Tobin by Amon Tobin


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[EP+Stream] My Panda Shall Fly - Sorry I Took So Long

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„Sorry I Took So Long“ entschuldigt sich der in Sri Lanka geborene My Panda Shall Fly im Titel seiner vor wenigen Wochen erschienenen Debüt-EP, die mit ihrer knackigen Frische aufgeweckte Bässe mit fast discoidem Dubstep verbindet. Duftes Zeug vom Dam Mantle-Labelkollegen bei Growing Records, das auch schon den Weg in die Plattenkiste von Gold Panda gefunden hat. Amtlich sonniges Tanzmaterial mit Videospiel-Bleebs als Zwischenspiele zum Verlieben. Bitte nicht vom trippigen Video zu „Xerox“ irritieren lassen, der will nur spielen! Unter anderem am 26. Juni im Hamburger Golden Pudel Club!

My Panda Shall Fly - Sorry I Took So Long EP (Growing Records) by My Panda Shall Fly ♥

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[Album+Stream] Robag Wruhme - Thora Vukk

wruhmeJenas Chef-Onomatopoetiker Robag Wruhme setzt nach der Trennung der Wighnomy Brothers neue Wegmarken. Nach der Split-Single mit Isolee und einer Mix-Compilation mit dem Titel „Wuppdeckmischmamplow“ folgt nun auch ein neues Album. Bei dem von DJ Koze ins Leben gerufenen Imprint Pampa hat Wruhme eine neue Labelheimat gefunden. Pampa muss man sich als Spielwiese für sympathische Enddreißiger vorstellen, die nach neuen Wegen suchen, interessante Sachen zu machen. Sagt zumindest Ada, deren neues Album ebenfalls auf Pampa erscheint. Nach den ersten Hördurchgängen von „Thora Vukk“ scheint man ihr beipflichten zu wollen. Die einzelnen Stücke werden zusammengehalten beziehungsweise vielmehr unterbrochen von sogenannten Brücken (eins bis fünf) und tragen Namen wie „Bommsen Böff“ oder „Prognosen Bomm“. Die Stimmung ist eher melancholisch, Wruhme arbeitet mit Streicherpassagen, Samples, Piano und Gesang, ohne die Stücke dabei zu überfrachten oder gar sperrig zu sein. A lot goes on but nothing happens. Alles steht gleichberechtigt nebeneinander. Stellenweise sehr schön, könnte manchmal aber etwas mehr Fahrt aufnehmen.

Das komplette Album kann man sich hier anhören.

“Thora Vukk” ist bereits bei Pampa erschienen.

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Nicolas Jaar - Stay In Love

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Architecture In Helsinki - Moment Bends

architektures-in-helsinkiProfessionalität bleibt nicht aus: Moment Bends ist das vierte Album der australischen Band, ganze zwei Jahre will man daran gearbeitet haben. Da geht ein gewisser rumpeliger Charme, den man dem Frühwerk noch zugestehen musste, immerhin formschön dahin. Wer seinen Indie-Electropop gerne als fröhliches Dilettieren an Tasten und Knöpfen mag, fragt sich, was daran nun anders sein soll als an, sagen wir mal, einem geilen Roxette-Album. Aber schon mal ein geiles Roxette-Album gehört? Eben. Moment Bends ist glatt und euphorisch, ideenreich, aber subtil, damit der Einfallsreichtum nicht gleich so auffällt – ein PS-starkes Popalbum, das sich auf Dauer als Grower erweist. Die Songs, bei denen Bandchef Cameron Bird das Mikrofon an Kellie Sutherland abtritt, also die erste Single That Beep oder W.O.W., gehen ohne Anlauf in die Vollen: wie Saint Etienne im Autoscooter. Ein bisschen World Music hier, knackkalte Elektronik dort – Architecture In Helsinki machen Musik für moderne Menschen.

“Moment Bends” erscheint am 8. April bei V2/Coop/Universal.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

http://www.vimeo.com/20623647

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Nicolas Jaar - Space Is Only Noise

nicolas-jaar“Don’t Believe The Hype”, hieß es auf einer der 2010er-Maxis des zwanzigjährigen New Yorkers Nicolas Jaar. Natürlich in Anspielung auf Public Enemy, aber auch als ironischer Kommentar auf den anhaltenden Rummel um die eigene Person. Als junges Genie, das die elektronische Tanzmusik mal wieder komplett auf den Kopf gestellt habe, ist er schon gefeiert worden. Jaar ist derzeit nicht der einzige umtriebige Entschleuniger, doch vermutlich gehört er zu den radikalsten. Man erinnere sich nur an den seltsam fantastischen Überhit “Time For Us”, der am Ende abschmiert wie HALs “Hänschen klein” in “2001″, nicht ohne den Klang des Abschaltens noch mit integriert zu haben. Der Moment des Beinahe-Stillstehens als Höhepunkt, denn Zeitgefühl sei eben manipulierbar und alles spiele sich im Idealfall räumlich ab, sagt er in Interviews. Auf seinem Debütalbum finden sich kaum noch Stücke, die auch auf dem Dancefloor funktionieren würden. “Space I Only Noise” ist eine gedrosselte Soundtrackorgie aus Erik Satie, afrikanischer Musik, Slomo-House im Geiste Theo Parrishs sowie HipHop-Instrumentals, und selbst Ray Charles tönt zwischenzeitlich kurz mal auf. Doch dafür, dass diese Musik so häufig stillzustehen scheint, hat sie jede Menge Drive.

“Space Is Only Noise” erscheint am 28. Januar bei Circus Company/Word And Sound.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Nicolas Jaar Discography by Clown and Sunset

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Agoria - Impermanence

310t5aknlcl_sl500_aa300_Der Fluch der guten Tat: Sebastian Devauds alias Agoria erster Albumtrack „Kiss My Soul“ ist von so unausweichlicher Schönheit, dass der Rest der Platte auf später verschoben werden muss. Nur mit Klavierklängen begleitet, schwingt sich die 20-jährige US-Sängerin Kid A zu björkschen Höhen auf und evoziert Tränen, Gänsehaut und Schnappatmung gleichzeitig. Dagegen verblasst selbst der offensichtliche Höhepunkt im wörtlichen Sinne, der von Carl Craig gesungene/gesprochene Track „Speechless“, eine unverblümte pornografische Phantasie mit Satin-Appeal. Dann doch lieber wieder zurück zu Kid A und „Heart Beating“, ein von dieser wunderschönen Soulstimme getragener Engel in Songform. Natürlich blubbert’s im Agoria-Universum auch wieder tüchtig mit Ambient, Downbeat und porentief reinem House, ergänzt durch Streicher, Klavier und Stradivari. Alles ganz nett, alles aber auch verzichtbar bzw. schon durch die bisherigen Alben Agorias abgedeckt. Wenn da nicht diese Stimme von Kid A wäre. Rezensent in love, alles richtig gemacht.

“Impermanence” erscheint am 4. Februar via InFine/Alive.

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Unser Star für 2011: James Blake

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Sein Debütalbum erscheint zwar erst am 4. Februar, aber die spannungsvolle Reihe seiner jüngsten EP-Veröffentlichungen lassen nur einen Schluss zu: James Blake wird das große Ding dieses Jahres. Hand drauf.

Hier ein paar Tracks zum Reinhören:

Don’t You Think I Do
Tell Her Safe
I Only Know
CMYK

Und noch einmal das bereits vor einigen Tagen gepostete Video zu “Limit To Your Love”. Mit einem Bass, der Tote zum Weinen bringt.

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Superpitcher & Matthew Dear: Techno kämpft für dich

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Matthew Dear und Superpitcher geben Techno seit jeher ein glamouröses Gesicht. Sebastian Ingenhoff begab sich anlässlich der neuen Werke zu den beiden in die Black City und auf den Kilimanjaro.

Nicht erst seit dem Siegeszug von Paul Kalkbrenners „Berlin Calling“-Soundtrack existieren Schnittstellen zwischen Popsong und Technotrack – man denke nur an die Inszenierungen von Acts wie Booka Shade oder Trentemøller –, doch zuletzt häuften sie sich wieder. Im Regelfall haben die kalkulierten Hits aber nur eine geringe Halbwertszeit in der Plattentasche und auf den Tanzflächen. Kalkbrenners „Sky And Sand“ ernsthaft als Musikwunsch hervorgebracht dürfte beim DJ nur mehr für genervtes Augenrollen sorgen, das es mit zehn schwulen Friseuren aufnehmen kann, um einen alten Max-Goldt-Kalauer aus dem Gedächtnis zu zitieren.
Die zwei Künstler, um die es hier gehen soll, arbeiten sich nicht nur seit Jahren schon am Verhältnis Song zu Track ab, sie haben auch die für Techno lange bestimmende Grenze der Unsichtbarkeit aufs Aktivste hinter sich gelassen. Sowohl der New Yorker Dear als auch der Kölner Superpitcher bringen sich als Person expressiv ein, ihre Musik wurde über die Jahre an ihr Erscheinungsbild und ihre Performanz gekoppelt.

Aksel Schaufler, wie Superpitcher richtig heißt, hat sich Zeit gelassen mit seinem zweiten Album. Seit dem Debüt „Here Comes Love“ sind gut sechs Jahre vergangen, ohne dass er sich in der Zwischenzeit dem Müßiggang hingegeben hätte. Superpitcher gehörte aber auch nie zu den Künstlern, die Maxis am Fließband produzierten, sobald es mal gut lief. Der verhuschte, akzentbeladene Gesang ist auf „Kilimanjaro“ wieder dominant, und wie schon auf dem Vorgänger „Here Comes Love“ sind es vor allem die melancholischen, verträumten Momente, die zu bezaubern wissen. Stücke wie „Joanna“ oder „Give Me My Heart Back“ sind geradezu episch, was weniger an der lyrischen Qualität der Texte liegt als vielmehr am dramaturgischen Aufbau der Songs, die wie ein gutes Set auf einen emotionalen Höhepunkt zusteuern, wohlgemerkt binnen einer Spieldauer von sieben, acht Minuten.

Seit Beginn der Kompakt-Karriere mit der legendären „Heroin“-Single vor bald zehn Jahren hat der gebürtige Ulmer seine Handschrift immer weiter verfeinert, ein Superpitcher-Stück oder -Remix erkennt man in der Regel nach ein paar Sekunden: der verschleppte Beat, die sanften Pianoloops, dieser Hang zum Pathos im Zusammenspiel mit großen Melodien. Aksel spricht von „Uplifting Drama“, denn im Idealfall lässt sich eben auch durch Schwermut Euphorie erzeugen. Im Techno wird er mit dieser Herangehensweise wohl auf ewig ein angenehmer Sonderling bleiben – passend dazu auch sein kultivierter verhuschter Narzissmus.
Matthew Dear versteht sich dagegen als Chamäleon. Er veröffentlicht unter zahlreichen Pseudonymen zum Teil völlig unterschiedliche Spielarten elektronischer Tanzmusik – wobei mit der Zunahme der Songorientierung auch der Grad der Personifizierung zu steigen scheint. Seine Platten haben den Sound von Ghostly International und Spectral, zwei der wichtigsten Technolabels der USA, in der letzten Dekade entscheidend mitgeprägt. Mit sechzehn zog er zum Studieren ins nahe Detroit gelegene Ann Arbour und ließ sich von der Motorcity infizieren: „Detroit war speziell zu jener Zeit eine mythenumrankte Stadt, und natürlich fanden wir all die Sachen rund um das Underground-Resistance-Label toll. Aber ich glaube, was mich am meisten inspiriert hat, war damals ein Auftritt von Moodymann in so einer Kunstgalerie. Er spielte völlig weirde, abstrakte Disco-Sachen um die hundert bpm, also extrem langsam. Da habe ich erst richtig verstanden, wie viele unterschiedliche Herangehensweisen an Techno es geben kann.“

Die erste unter dem Namen Matthew Dear veröffentlichte 12-Inch-Maxi trug bereits den vielsagenden Namen „Hands Up For Detroit“ und war eine Hommage an den so wirkungsmächtigen Technosound der Stadt. Doch die Produktionen des mittlerweile nach New York übergesiedelten Musikers wurden mit der Zeit immer songorientierter. Höhepunkt war 2007 das gefeierte Album „Asa Breed“, welches ihm das berühmte Cover des Songs „Don & Sherri“ durch Hot Chip einbrachte.

Das neue Album „Black City“ fällt, wie der Graphic-Novel-artige Titel bereits vermuten lässt, wieder eine Spur düsterer und verspielter aus. Mit „Little People“ hat Matthew dabei einen der absonderlichsten Clubhits des Jahres abgeliefert, denn eigentlich besteht das Stück aus drei Songs, die jedoch zu einem konsistenten Ganzen verwoben werden. Eine Herangehensweise, die man eher aus einem Genre wie dem Progrock kennt. Auf den Vergleich angesprochen, lacht Matthew: „Ich wollte den Track trotzdem als Maxi rausbringen und habe auf Teufel komm raus versucht, ein Edit davon anzufertigen. Aber es fiel mir unglaublich schwer. Na ja, jetzt müssen eben die Remixer ran.“ Auf der anderen Atlantikseite wurde auch schon um Remixe angefragt, und einer wird, so muss es in diesen Tagen vermutlich sein, von Superpitcher stammen.

Superpitchers “Kilimanjaro” erscheint am 3. September bei Kompakt/Rough Trade; “Black City” von Matthew Dear ist bereits bei Ghostly International/Al!ve erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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