Beiträge zum Stichwort: Elektronik

Superpitcher & Matthew Dear: Techno kämpft für dich

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Matthew Dear und Superpitcher geben Techno seit jeher ein glamouröses Gesicht. Sebastian Ingenhoff begab sich anlässlich der neuen Werke zu den beiden in die Black City und auf den Kilimanjaro.

Nicht erst seit dem Siegeszug von Paul Kalkbrenners „Berlin Calling“-Soundtrack existieren Schnittstellen zwischen Popsong und Technotrack – man denke nur an die Inszenierungen von Acts wie Booka Shade oder Trentemøller –, doch zuletzt häuften sie sich wieder. Im Regelfall haben die kalkulierten Hits aber nur eine geringe Halbwertszeit in der Plattentasche und auf den Tanzflächen. Kalkbrenners „Sky And Sand“ ernsthaft als Musikwunsch hervorgebracht dürfte beim DJ nur mehr für genervtes Augenrollen sorgen, das es mit zehn schwulen Friseuren aufnehmen kann, um einen alten Max-Goldt-Kalauer aus dem Gedächtnis zu zitieren.
Die zwei Künstler, um die es hier gehen soll, arbeiten sich nicht nur seit Jahren schon am Verhältnis Song zu Track ab, sie haben auch die für Techno lange bestimmende Grenze der Unsichtbarkeit aufs Aktivste hinter sich gelassen. Sowohl der New Yorker Dear als auch der Kölner Superpitcher bringen sich als Person expressiv ein, ihre Musik wurde über die Jahre an ihr Erscheinungsbild und ihre Performanz gekoppelt.

Aksel Schaufler, wie Superpitcher richtig heißt, hat sich Zeit gelassen mit seinem zweiten Album. Seit dem Debüt „Here Comes Love“ sind gut sechs Jahre vergangen, ohne dass er sich in der Zwischenzeit dem Müßiggang hingegeben hätte. Superpitcher gehörte aber auch nie zu den Künstlern, die Maxis am Fließband produzierten, sobald es mal gut lief. Der verhuschte, akzentbeladene Gesang ist auf „Kilimanjaro“ wieder dominant, und wie schon auf dem Vorgänger „Here Comes Love“ sind es vor allem die melancholischen, verträumten Momente, die zu bezaubern wissen. Stücke wie „Joanna“ oder „Give Me My Heart Back“ sind geradezu episch, was weniger an der lyrischen Qualität der Texte liegt als vielmehr am dramaturgischen Aufbau der Songs, die wie ein gutes Set auf einen emotionalen Höhepunkt zusteuern, wohlgemerkt binnen einer Spieldauer von sieben, acht Minuten.

Seit Beginn der Kompakt-Karriere mit der legendären „Heroin“-Single vor bald zehn Jahren hat der gebürtige Ulmer seine Handschrift immer weiter verfeinert, ein Superpitcher-Stück oder -Remix erkennt man in der Regel nach ein paar Sekunden: der verschleppte Beat, die sanften Pianoloops, dieser Hang zum Pathos im Zusammenspiel mit großen Melodien. Aksel spricht von „Uplifting Drama“, denn im Idealfall lässt sich eben auch durch Schwermut Euphorie erzeugen. Im Techno wird er mit dieser Herangehensweise wohl auf ewig ein angenehmer Sonderling bleiben – passend dazu auch sein kultivierter verhuschter Narzissmus.
Matthew Dear versteht sich dagegen als Chamäleon. Er veröffentlicht unter zahlreichen Pseudonymen zum Teil völlig unterschiedliche Spielarten elektronischer Tanzmusik – wobei mit der Zunahme der Songorientierung auch der Grad der Personifizierung zu steigen scheint. Seine Platten haben den Sound von Ghostly International und Spectral, zwei der wichtigsten Technolabels der USA, in der letzten Dekade entscheidend mitgeprägt. Mit sechzehn zog er zum Studieren ins nahe Detroit gelegene Ann Arbour und ließ sich von der Motorcity infizieren: „Detroit war speziell zu jener Zeit eine mythenumrankte Stadt, und natürlich fanden wir all die Sachen rund um das Underground-Resistance-Label toll. Aber ich glaube, was mich am meisten inspiriert hat, war damals ein Auftritt von Moodymann in so einer Kunstgalerie. Er spielte völlig weirde, abstrakte Disco-Sachen um die hundert bpm, also extrem langsam. Da habe ich erst richtig verstanden, wie viele unterschiedliche Herangehensweisen an Techno es geben kann.“

Die erste unter dem Namen Matthew Dear veröffentlichte 12-Inch-Maxi trug bereits den vielsagenden Namen „Hands Up For Detroit“ und war eine Hommage an den so wirkungsmächtigen Technosound der Stadt. Doch die Produktionen des mittlerweile nach New York übergesiedelten Musikers wurden mit der Zeit immer songorientierter. Höhepunkt war 2007 das gefeierte Album „Asa Breed“, welches ihm das berühmte Cover des Songs „Don & Sherri“ durch Hot Chip einbrachte.

Das neue Album „Black City“ fällt, wie der Graphic-Novel-artige Titel bereits vermuten lässt, wieder eine Spur düsterer und verspielter aus. Mit „Little People“ hat Matthew dabei einen der absonderlichsten Clubhits des Jahres abgeliefert, denn eigentlich besteht das Stück aus drei Songs, die jedoch zu einem konsistenten Ganzen verwoben werden. Eine Herangehensweise, die man eher aus einem Genre wie dem Progrock kennt. Auf den Vergleich angesprochen, lacht Matthew: „Ich wollte den Track trotzdem als Maxi rausbringen und habe auf Teufel komm raus versucht, ein Edit davon anzufertigen. Aber es fiel mir unglaublich schwer. Na ja, jetzt müssen eben die Remixer ran.“ Auf der anderen Atlantikseite wurde auch schon um Remixe angefragt, und einer wird, so muss es in diesen Tagen vermutlich sein, von Superpitcher stammen.

Superpitchers “Kilimanjaro” erscheint am 3. September bei Kompakt/Rough Trade; “Black City” von Matthew Dear ist bereits bei Ghostly International/Al!ve erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Michael Mayer - Immer 3

michael-mayerDer Kompakt-Mitbetreiber hat sich Zeit gelassen mit dem dritten Teil seiner Mix-Reihe, der dafür aber umso spektakulärer ausfällt. Der Begriff „Dramaturgie“ mag im Zusammenhang mit DJ-Sets inflationär verwendet werden, aber die von Mayer benutzten Stücke gehorchen tatsächlich allesamt einer solchen und steuern auf einen Höhepunkt zu, der seinesgleichen sucht. Der Mix fällt Vocal-lastiger aus als die Vorgänger: Mit Gui Borattos Bearbeitung eines Massive-Attack-Tracks und der Superpitcher-Version des Charlotte-Gainsbourg-Stücks „The Operation“ gibt es gleich zwei exklusive Techno-Remixe von erprobten Popsongs. Wenn sich „The Bright Forrest“ des südafrikanischen Deep-House-Produzenten Culoe de Song in Gainsbourgs Gesang hineinschält und hymnisch anschwellende Flächen die Endorphine tanzen lassen, bekommt man gänsehautnah gezeigt, welch emotionales Potenzial elektronische Tanzmusik im Idealfall haben kann. Es gibt eben kaum Besseres als eine glücklich durchtanzte Nacht. Mit der von Justus Köhncke gesungenen Ballade „New Day“, einem Cover des Basic-Channel-Klassikers aus den Neunzigern, abzuschließen macht hier mehr als Sinn.

“Immer 3″ ist bereits bei Kompakt/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Efdemin - Chicago

efdeminDas Berliner Nachtleben rund ums Berghain hat mittlerweile eine derartige Strahlkraft als Referenzsystem entwickelt, dass die Zahl derjenigen, die sich im Lichte des Überclubs sonnen, kaum noch zu erfassen ist. Jeder hat sich inspirieren lassen, feierte mit, kennt jemanden der irgendwas gemacht hat und so weiter. Phillip Sollmann aka Efdemin muss nicht die Backen aufpumpen, er ist dort Taktgeber, im Auge des Orkans. Die ewige Frage, ob das auf Tonträger reproduzierbar sein, beantwortet Efdemin mit einem schlauen Ja. Was „Chicago“ gut tut: Es ist ein selbstironisches Album geworden, das sowohl die knochentrockene Club-Stringenz unterbringt, als auch die Facetten Dial und Wien. Auf Dial veröffentlicht Sollmann, in Wien hat er Computermusik studiert. Und tiefer, dunkler und ausgefeilter als auf seinen bisherigen Releases baut er Falltüren ein, legt Schlingen aus und spannt Schnüre, über die man erst beim dritten Durchlauf stolpert. Ein Entdeckeralbum. Ganz schön clever, das.

“Chicago” ist bereits bei Dial/Rough Trade erschienen.

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Matthew Herbert - One One

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Jetzt singt er auch noch! Zum ersten Mal lässt der britische Elektroniktüftler sein lakonisches Organ über die Tracks seines neuen Albums huschen. Die Songtitel – alles Städtenamen – verraten es bereits: Matthew Herbert geht wieder einmal auf experimentelle Reise. Das komplett in Eigenregie eingespielte und produzierte Album ist kein typischer, aber ein konsequenter Ausdruck des Schaffens von Mr. Herbert. Stücke, die verwehen, unauffällig kunstvolle Songs, denen jeglicher Housegeist abgeht und die präzise im Indie räubern. Störgeräusche inklusive. „One One“ ist der erste Teil einer Trilogie, deren zweiter und dritter Output im Laufe dieses Jahres folgen. Teil 2 benutzt Samples, die im Robert Johnson-Club aufgenommen wurden. Küsse, Klingeltöne, Toilettengespräche des Publikums. Teil 3 wird sich unter dem Titel „One Pig“ dem Leben eines Schweines auf einer Farm in Kent annehmen. Sein Dasein, seine Schlachtung, sein Verzehr. Man kann Herbert wahrlich nicht vorwerfen, dass er das Prinzip der Konzeptalben nicht mit neuen Facetten bereichert.

“One One” erscheint heute bei Accidental Records.

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Pantha Du Prince - Black Noise

pantha-du-prince-black-noiseNein, das hier ist kein Techno-Konzeptalbum, sondern ein Konzeptalbum, das sich des Stilmittels Techno bedient. Hendrik Weber schöpft Klänge aus dem „da draußen“, um sie einfließen zu lassen in elektronische Geschichten. Seine Tracks tragen Bombengürtel, die nicht explodieren, aber stets hör- und fühlbar sind. Bis es dann dank der von Noah Lennox alias Panda Bear von Animal Collectiove gesungenen Hymne bei „Stick To My Side“ hymnisch wird, überschwänglich, umarmend. Noch mehr als beim Vorgängeralbum „This Bliss“ lösen sich die scheinbaren Gegensätze von Techno und Pop auf und kulminieren in einer gänzlichen Schönheit. Wohltemperiert und von Brüchen getragen. Ein Album für alle, der Stand der Dinge.

“Black Noise” erscheint am 5. Februar bei Rough Trade / Beggars Group / Indigo.

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Efdemin live in Munich 4.12.2009

Knaller-Liveset von Efdemin (Dial Records) live @ Phantasma im Münchner Harry Klein Club vom 4.12.09 - Enjoy!

Efdemin (Dial Records) Live @ Phantasma, Harry Klein Club, München - 04-12-2009 by R_co

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Jazzsteppa - Bullet proof

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Hach, bei der Rooftop-Party möchte man auch gleich mitmachen. Wunderschän elektro-drone-psychedelic Track von Jazzsteppa.

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Fuckpony - Let The Love Flow

23057176Jay Haze ist mit seinem Projekt Fuckpony mittlerweile bei Ellen Alliens Label BPitch Control gelandet und scheint sich von seinem Partner Sanim, der auf dem letzten Album “Children Of Love” noch mit an den Reglern saß, getrennt zu haben. Zumindest taucht der Name in den Credits zu “Let The Love Flow” nicht mehr auf. Die Stücke schielen mehr auf die Afterhour als auf die Peaktime, kranken aber manchmal daran, sich nicht so ganz zwischen Verspultheit und Groove entscheiden zu wollen. Haze verzichtet weitestgehend auf Samples. Das Tempo wird immer wieder gedrosselt, manchmal so lange, bis der Drive komplett weg ist. Die Produktion wirkt trotz der Gastvocals und vielen Instrumente etwas planlos, die zahlreich vorhandenen Reminiszenzen an Chicago klingen im Vergleich zu den Originalen recht lahm. Highlight bleibt das haarsträubend dämlich betitelte Pianohousestück “Orgasm On The Dancefloor Saturday Night”. Insgesamt fehlen die Spannungsbögen, das Album plätschert zu sehr vor sich hin. Als Soundtrack zur verstrahlten Afterhour mag das gut funktionieren, einen bleibenderen Eindruck hinterlässt diese Platte nicht.

“Let The Love Flow” ist bereits bei BPitch Control/Rough Trade erschienen.

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Luciano - Tribute To The Sun

23057191Mit seinem chilenischen Kumpel Ricardo Villalobos mischt Luciano seit einer guten Dekade schon die elektronische Tanzmusik auf und hat mit Cadenza eines der wichtigsten Houselabels unserer Zeit etabliert. Lange Zeit in der Schweiz beheimatet, scheint er seinen Wohnsitz immer mehr nach Berlin verlagert zu haben. “Tribute To The Sun” ist ein unaufgeregtes und harmonisches Elektronikalbum geworden. Lucianos Musik ist minimalistisch, wobei minimalistisch nicht zu verwechseln ist mit dem drögen Preset-basierten Geklacker, das in den letzten Jahren oftmals unter dem Label Minimal Techno verkauft wurde. Dafür ist sein Ansatz im positiven Sinne zu eklektisch. Polyrhythmische lateinamerikanische Klänge treffen auf senegalesischen Gesang, Dubtechno auf klassisches Songwritertum, karibische Percussions auf Field Recordings. Techno wird hier, ohne krude Begriffe wie “Weltmusik” bemühen zu wollen, tatsächlich als globale universelle Sprache verstanden. Es gibt keine offensichtlichen Hits, aber das Album ist in sich homogen und hat eine größere Reichweite als nur den Club verdient.

“Tribute To The Sun” ist bereits bei Cadenza erschienen.

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Big Up Podcast 11 - Vaccine

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Einstündiger Rundumschlag von Helios über Kito bis Radiohead. Feiner Stoff der DJane für das Bug Up Magazine.

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