Beiträge zum Stichwort: folk

[Album] Atlas Sound - Parallax

atlas-soundWie es bei Nebenprojekten so ist, könnten einige Songs von Bradford Cox’ Solokünstler-Alias Atlas Sound auch unter dem Banner seiner Stammband Deerhunter laufen. Insgesamt sind die Stimmungen allerdings doch recht unterschiedlich: Wo im Deerhunter-Kosmos trotz aller psychedelischer Abschweifungen die Indierock-Koordinaten aus Gitarre, Bass und Schlagzeug recht unverrückbar sind, hat Atlas Sound einen offeneren, freundlicheren Anything-goes-Ansatz. “Mona Lisa” klingt nach Siebzigerjahre-Folksongwriting, der Opener “The Shakes” ist ein rhythmisch pendelndes Krautpopstück, “Te Amo” ein Ambient-artiges, elektronisches Liebeslied. “Parallax” klingt auf angenehme Art und Weise beiläufig, schwierige Konzepte haben hier nichts verloren. Das macht das Album vielleicht weniger wichtig, aber auf jeden Fall alltagstauglicher als etwa Deerhunters letztes Album “Halcyon Digest”.

“Parallax” erscheint am 4. November bei 4AD/Beggars/Indigo.

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[Album+Video] Laura Marling - A Creature I Don’t Know

laura-marlingDass Laura Marling eine Spur gebrochener Herzen hinter sich lässt, verblüfft nicht. (Die tieftraurige, vorletzte Platte von Noah And The Whale “First Days Of Spring” hat sie zu verantworten.) “A Creature I Don’t Know” ist romantisch, aber stur, so temperamentvoll wie abgeklärt. Richtig schlau wird man daraus nicht. Dass sie bei einem kurzen Innehalten mit schiefen Mundwinkeln “I’m Full Of Guilt” einräumt, ist immerhin ein Anfang. Songs wie “The Beast” und “My Friends” sind erst zaghafte, schüchterne Beiläufigkeiten um schließlich stolz und aufrecht die Lautstärke aufzudrehen. Was so ein bisschen Dynamik anrichtet. Laura Marling spielt einen wenig herzlichen, kargen, aber zutiefst erschütternden Folk, der dem Begriff seine Würde zurückgibt – ohne in puristischen Traditionalismus zu verfallen.

“A Creature I Don’t Know” ist bereits bei Cooperative/Universal erschienen.

YouTube Preview Image

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[Album+MP3] Vetiver - The Errant Charm

51ltcmvesvl_sl500_aa300_Empfohlenes Material für lange Überlandfahrten: Ausreichend Wasser. Aktuelles Kartenmaterial. „The Errant Charm” von Vetiver. Das fünfte Album von Songwriter Andy Cabic unter dem Bandnamen ist keines an dem man sich abzuarbeiten hätte - was nicht heißt, dass es nicht mit der Zeit wüchse. Es sind auch keine Hits drauf - obwohl sich Ohrwürmer wie „Wonder Why” finden. „The Errant Charm” ist ein wunderbar in sich selbst ruhendes Indiefolkalbum: eine ruhige Stimme, die sagt, dass alles gut wird, selbst wenn sie nur mit sich selbst spricht. Dass Cabic sonst mit Devendra Banhart und Joanna Newsom abhängt (mit deren Platten man durchaus seine liebe Not haben kann), verwundert da beinahe ein bisschen. Ein Tüftler und Bilderstürmer ist Cabic nicht. Aber ein beeindruckender Songschreiber mit einer nicht unsympathischen Rampenlichtallergie.

“The Errant Charm” ist bereits bei Cooperative/Universal erschienen.

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[Album] Thurston Moore - Demolished Thoughts

thurston-mooreEine E-Gitarre ist nicht einfach eine laute Gitarre. Rock’n'Roll und Punk haben überzeugend dagegen argumentiert, aber vermutlich erst der soundfetischistische Avantgarderock von Sonic Youth hat das Instrument vollständig vom Nylon-bespannten Sechssaiter emanzipiert: Was Stromgitarren können, können nur Stromgitarren. Da scheint es nahezu eine radikale Idee von Sonic Youths Thurston Moore ein folkiges Akustikalbum einzuspielen. Den Kompagnon an der Seite hätte er sich dafür allerdings nicht besser aussuchen können: Der Folkie und Teilzeit-Noisenik Beck produzierte und führt Moore zielsicher aus dem Krach zu freundlichen Gitarrenpickings und Celloläufen. „Demolished Thoughts” ist ein leises, intimes Album, das den Bilderstürmer als hervorragenden Songwriter zeichnet. Nicht überraschend. Aber bei dem Lärm bekam man das nicht immer mit.

“Demolished Thoughts” ist bereits bei Matador/Beggars/Indigo erschienen.

Anhören kann man sich das komplette Album hier.

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[Album] Björn Kleinhenz - Djago Brak

bjoern-kleinhenzBjörn Kleinhenz ist Schwede, das darf bei dem Namen ja gern noch mal erinnert werden. Nicht dass sich der eine oder andere wundert, warum man jenen Typen trotz fünf Alben bisher noch nicht beim „Bundesvision Song Contest“ von Stefan Raab gesehen hat. Darum eben. Ansonsten könnte man sich Kleinhenz schon passend für alles Mögliche vorstellen. Schließlich können er und seine Leute ja alles so gut. Was einem aber auf „Djago Brak“ auch mal zu viel werden kann: Was wollt ihr bloß von mir mit eurem scheiß perfekten Indie-Kunsthandwerk? Glaubt ihr, der Hörer erreicht Auslösung, nur weil das Fingerpicking an der Gitarre so ästhetisch immer wieder eingesetzt und hörbar gemacht wird? Und dann die zweite Stimme oder wenn Björn selbst in die Kopfstimme wechselt. Eure Perfektion ödet mich an. Gerade weil die Songs einen eigentlich erreichen könnten. Aber so letztlich auf der Hälfte zwischen Engineer und Fleiß irgendwo unterwegs verstorben sind. Der genialische, (angeblich) melancholische schwedische Songwriter, dessen Freundin auch immer mal Percussion macht und Backings singt. Tut mir leid. Es fehlt das Drama. Und das lässt sich nicht mit antrainierter Folk-Wehmut ersetzen.

“Djago Brak” ist bereits bei DevildDuck/Indigo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Album+Video] Fleet Foxes - Helplessness Blues

fleet-foxesDass der feinziselierte Folk der Fleet Foxes auch von Menschen geschätzt wird, die ein Simon-and-Garfunkel-Album mit dem Arsch nicht anschauen würden, ist Unrecht, das ein höheres Gericht sühnen soll - hier unten beschäftigt nur die Frage: Wie klingt denn nun „Helplessness Blues”, das zweite Album der Band? Erst einmal: Nicht deutlich anders als zu Zeiten des gleichnamigen Debüts. Ein warmer Raumklang macht, dass man sich wie ein stiller Gast auf dem Studioteppich fühlt, während um einen Gitarrensaiten schnarren und bärtige Männer wunderliche Harmonien in ein Mikro singen. Fleet Foxes sind so unmodern, dass es weh tut, mit Liedern so schön, dass es schmerzt. Man kann dem Ganzen eine gewisse Berechenbarkeit unterstellen, „Helplessness Blues” klingt homogen, oder auch: verlässlich. Was man von seinen Mitmenschen erwartet, darf sich eine amerikanische Folkband ruhig zu eigen machen.

“Helplessness Blues” ist bereits bei Cooperative/Universal erschienen.

http://www.vimeo.com/21577557

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[Tour+Video] Emily Jane White - Cliff

http://www.vimeo.com/16548498Die End-Zwanzigerin aus San Francisco ist eine Ausnahmeerscheinung im an illustren Künstlern nicht armen US-Folk. Honigweich und düsterbitter ist ihre Stimme, sie singt über Klippen, die dazu da sind, von ihnen zu springen. Sie flüstert über Totenmessen und lässt dazu das Countryorchester quietschend und bedrückt aufspielen. „Ode To Sentience“ heißt ihr aktuelles Album, eine blühende Sommerblume in Moll. Emily Jane White färbt alles schwarz. Und zwar so schön, dass man ihren Songs beim Sterben mit offenem, blutenden Mund zuschauen möchte. „There Is A Crack In My Facade, You Ain’t Seen What I Saw…“

Emily Jane White kommt in Juni nach Deutschland auf Tour. Zu sehen ist sie:

3.6. Stuttgart-Laboratorium
4.6. München - Südstadt
5.6. Dortmund - Subrosa
8.6. Hamburg - Kampnagel
9.6. Halle - Objekt 5
10.6. Leipzig - Noch besser leben

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[Album] Elbow - Build A Rocket Boys!

elbowWir Nostalgiker lieben ja altmodische Karrieren wie die von Elbow: langsam, mit dem künstlerischen Wortschatz der Band wachsend. „Build A Rocket Boys” ist vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung und dabei eine sehr in sich ruhende Veranstaltung: kleine melodische Wunder entfalten sich in den Songs auf geradezu lächerlich beiläufige Art und Weise. Elbow sind in Klang und Struktur verliebt wie die späten Talk Talk, aber mit einem unverzagt vor sich hinpochenden Folk-Herzen. So geht Britpop auch. Selten bricht die Band mal aus, der domestizierte Rock der Single „Neat Little Rows” wirkt inmitten des Zimmerlautstärkepops wie ein Fremdkörper. Das ist eher verzeihlich als willkommen. Dennoch ist „Let’s Build A Rocket, Boys” ein schönes Beispiel für ein Album, das nicht als verzettelte Sammlung von einen MP3s auf dem Rechner landen darf, sondern im Ganzen gehört werden muss. Hits: 0. Klassiker: 1.

“Build A Rocket Boys!” ist bereits bei Universal erschienen.

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Moddi - Floriography

moddiDass man bei Moddi im Blindtest auf „irgendwas aus Skandinavien” tippen würde, muss ja erst einmal nichts Ehrabschneidendes für den jungen Musiker sein. Wer sich wie er gerne im Norwegerpulli ablichten lässt, kommt sicher gut damit klar, als Norweger erkannt zu werden. Der etwas naiv daherstolpernde Akustikfolk von der Insel Senja besitzt eine träumerische Melancholie, die selten in handfeste Traurigkeit umschlägt. Vielmehr wird gestaunt. „Floriography” vermittelt auf geradezu rührende Weise die Einsicht, dass Schönheit manchmal nicht zu fassen ist, ganz egal, wie weit man die Augen aufreißt. Ganz ohne Kitschverdacht läuft das nicht ab, weil das Ganze aber auf einem alten Akkordeon und einer kaputten Gitarre geknarzt wird, weht dem süßen Duft genügend salzige Seeluft entgegen.

“Floriography” ist bereits bei Propeller/Soulfood erschienen.

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Wye Oak - Civilian

wye-oakAuch wenn die Vorgängeralben bereits Schönheit andeuteten, die ganze Kraft ihrer Live-Performances haben Wye Oak mit „Civilian“ endlich auch in Gänze auf Albumlänge ausbreiten können. Zehn Songs, die aus der Welt fallen. Andy Stack am Schlagzeug und Keyboard und Jenn Wasner an der Gitarre und mit zerfasertem Gesang – Das genügt, um eine ganze Welt aus den Kontinenten Built To Spill, Sonic Youth, Folk und Dreampop zu erschaffen. In klassischer Mit-Neunziger-Lakonie rotten sich die Ideen zu Songs zusammen und vermeiden dabei elegant den typischen Fehler der Neo-Shoegazer allerorten, denen Geschwindigkeit als Allheilmittel dient. Nicht so bei dem Duo aus Baltimore, das selbst bei schnelleren Stücken wie „Holy Holy“ jegliche Anbiederung an den feisten Überschwang vermeidet und lieber auf die sicherlich tausendfach gehörten Akkorde von „Daydream Nation“ zurückgreift, bevor es in eine zünftige Indie-Kirmes ausartet. Die würdevolle Stimme Jenn Wasners tut ihr Übriges. Tolles Album, sowohl für Erinnerer als auch Spätgeborene.

“Civilian” erscheint am 7. März bei City Slang.

Wye Oak - Civilian by cityslang

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