Beiträge zum Stichwort: Frittenbude

[Album] Frittenbude – Delfinarium

Montags auf dem Pausenhof. Eine kleine Gruppe tuschelt: »Hey, habt ihr gesehen, der Leon, wie fertig der wieder ist?« – »Ja, ich hab gehört, der war am Wochenende auf dem Konzert von Frittenbude.« – »Frittenbude? Das ist doch so ein Audiolith-Ding, gell? Das finde ich echt nicht mehr gut. Sind doch die mit den Drogen und so.« Leon, der hat es gut. In einer willenlosen, corporate Musikszene hat er doch noch eine Nische aufgerissen, für deren Sound man von der Clique des Klassensprechers abgelehnt wird. Die Power des schlechten Rufs. Wenngleich sich Frittenbude mit dem dritten Album »Delfinarium« mehr und mehr als Kumpel und Erzähler denn als entfesselter Säureregen im Club etablieren werden. Die Stücke sind vielseitiger denn je, im Display zwar noch Rave-Befehle (»Heute nur einmal«, »Erlös dich von dem Schrott«), aber auch Bekiffteres wie das mit den Farben, Aufgedonnertes (der Anti-Deutsch-Song mit Torsun von Egotronic), Durchgeknalltes (»Alles wegen dem Eiskonfekt«) und buddhistisch-besoffene Lebenshilfe (»Die Amsel«). Zudem sind die Grenzen zwischen all diesen Angeboten mehr als einmal auch völlig fließend. Johannes’ Rap-Parts haben neben der liebevollen und pointenreichen Produktion den größten Sprung gemacht. »Delfinarium« besitzt bei allem Spaß an der Sache nichts Beiläufiges mehr, sondern ist die ultimative Ansage der Band. Daran wird sie sich selbst, aber auch die ganze aufgekratzte Electro-Dance-Szenerie messen lassen müssen. In der Saison 2012 ist das hier aber erst mal ganz klar die Meisterschaft.

“Delfinarium” ist bereits bei Audiolith/Broken Silence erschienen.

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[Video] Frittenbude – Wings

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[Album+Video] Supershirt – Kunstwerk

23065617Für die drei Wahl-Berliner mit ostdeutschem Hintergrund muss man einfach mal deutlich werden: Mit »Kunstwerk«, ihrem Album nach dem kleinen Hype um ihren Szene-Hit »8000 Mark« von vor paar Jahren, mit »Kunstwerk« ist ihnen vielleicht die Audiolith-Platte des Jahres gelungen. Und das nicht, weil die anderen es versemmelt hätten oder weil die neue Egotronic erst im nächsten Monat zu hören sein wird. Nein, Supershirt haben einen äußerst pointierten Stil gefunden, den hedonistisch besoffenen und politisch motivierten Electro-Approach ihres Labels zu einer neuen Meisterschaft zu führen. Die Musik liefert eine stets tanzbare Kulisse, der Gesang indes variiert ständig und umfasst eine ziemliche Bandbreite zwischen Sprechgesang und Indie-Träller-Pop-Songs (im Refrain von »Bretter« meint man, Virginia Jetzt! seien als fröhliche Zombies wiedergekehrt). Durch diese Abwesenheit von Berührungsangst wirkt alles zugänglich, verspielt und klatscht einem so die teilweise auch ätzenden Botschaften vom Leben auf Kunst und Hartz4 nicht so freudlos um die Ohren. Das hier ist: Frittenbude auf Ecstasy; so könnten Mediengruppe Telekommander bestenfalls klingen, wenn sie die Fähigkeit besäßen, über sich selbst zu lachen.

“Kunstwerk” ist bereits bei Audiolith/Broken Silence erschienen.

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Frittenbude – Katzengold

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Das Trio aus Geisenhausen in den selben Darkroom wie Deichkind und Mediengruppe Telekommander zu platzieren, greift zu kurz. Nach dem letzten Release „Nachtigall“ haben die bajuwarischen Electro-Hybridler namens Frittenbude noch einmal im Texttopf gebadet oder den Back-Katalog der Goldenen Zitronen (1990-2010) inhalliert. Wie auch immer, feister auf den Punkt im Fäuste ballenden Diskursgulag der Poplinken kommt derzeit niemand. „Und täglich grüßt das Murmeltier“, „Ob es reicht sie zu finden“ und „Jetzt ist der Moment“ gehen ohne Netz und doppelten Boden direkt in die Fresse. Arsch hoch kriegen, Draußen ist scheiße und Deutschland bleibt nach wie vor keine Option. Grundsympathische Parameter, denen auch der sanfte Eindruck keinen Abbruch tut, dass die Raps manchmal klingen wie bei Sido entliehen. Macht ja nix, denn kurz darauf brettert ja schon wieder die Sirene durchs Dorf. Die sensationellen Live-Entertainer geben mit „Katzengold“ auch all jenen jenseits der early 20s genügend Content, um den euphorischen weg mit zu gehen. Ach ja, eine zweite CD mit Remixes von Kettcar, Egotronic, Plemo, Click Click Decker und Konsorten mit Namen „Plörre“ gibt’s obendrauf.

“Katzengold” erscheint am 28. Mai via Audiolith / Broken Silence.

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Audiolith – Doin’ Our Thing

23056319Ein Label, ein Leben, ein Sound, eine Welt. Stimmt natürlich nur bedingt – denn Audiolith hat viele Gesichter und klingt ungeahnt verschieden mitunter. Clickclickdecker, Egotronic, The Dance Inc., Frittenbude, Rampue, Bratze etc. – alles: “brought you by Audiolith from HH”. Zur Jubiläumsplatte plus DVD steht ein Talk mit Lars Lewerenz an.

Wie lange gibt es Audiolith eigentlich?
Etwas über sechs Jahre. In diesen sechs Jahren bin ich gefühlte 20 gealtert, habe diverse Alben, Singles, MP3s veröffentlicht, bin auf die Schnauze gefallen und wieder aufgestanden. 2009 ist Katalognummer 50 am Start, eine CD-Compilation mit 18 exklusiven Tracks plus Bonus-DVD mit siebenundzwanzig Musikvideos, sozusagen der heiße Scheiß der Künstler, die ich so liebe.

Audiolith ist seit 2008 auch ein Verlag, eine Bookingagentur, die mein Kollege Artur Schock in Berlin leitet, und das soziale Netzwerk, in dem ich mich tagtäglich bewege. Nur gute Leute, keine Arschlöcher, und 100 % qualitativ hochwertiger Output, hinter dem ich stehe.

Was war die Idee, als du damit begonnen hast – und wie bewertest du, was in der Zeit daraus geworden ist?
Ich hab mir ein Buch auf dem Flohmarkt gekauft und mir angelesen, wie man so was Geiles wie Audiolith aufzieht. Ein paar Jahre später hat Audiolith diverse aktive Künstler im Roster, und das Konto ist dick gefüllt. So einfach ist das natürlich nicht. Ich habe meine Erfahrung aus Bands, in denen ich gespielt habe, und aus der Arbeit für Dim Mak Records mitgebracht – und gute Menschen, die mir ihr Repertoire anvertraut haben und ihre Visionen mit mir teilen, um mich gehabt. Viel hat sicher auch mit meiner Sozialisation zu tun. Punkrock, Dicker! Und na klar ist es vor allem harte Arbeit für wenig Geld, aber ich bin mein eigener Boss, und die Künstler und ich können machen, was uns passt. Das wachsende Feedback der Menschen, die unsere Veröffentlichungen und Merchandise kaufen, die Konzerte besuchen und sich mit dem, was wir tun, identifizieren, hat es eigentlich zu dem gemacht, was es heute ist.

Hand aufs Herz, kann man mit einem Indie-Label 2009 noch Geld verdienen?
Audiolith funktioniert nur als ganzheitliches Chaos aus Label, Verlag, Booking und Veranstaltungen etc. und den mafiösen Strukturen dahinter.

Falls nicht, wie klappt es dann mit der Ökonomie – für dich und deine Bands?
Einige gehen noch Fliesenlegen, in Clubs Garderoben bauen, und einige schreiben sogar Bücher. Jeder im Audiolith-Kosmos beschäftigt sich auch noch mit anderen Dingen.

Was ist deine persönlich liebste Platte unter den Audioliths so far?
Am liebsten sind mir die Momente, wenn jemand ein neues Album abliefert und ich mich dann in die Sachen reinhöre. Dann wachsen die Songs, und ich fang teilweise an zu weinen, bekomme Gänsehaut und denke oft: “Die Musik ist einfach viel zu gut für mein kleines Labelchen.” Zu verschiedenen Zeiten habe ich da meine Lieblingssongs, aber generell finde ich alles geil, sonst würde es auch nie auf Audiolith rauskommen.

Du hast ja selbst eine Band (gehabt). Die Oi-Skin-Gruppe Smegma. Warum veröffentlichst du selbst so auffallend wenig Musik in der Art?
Weil ich keinen Bock auf Leute hab, die in ihrer musikalischen Wahrnehmung beschränkt sind. Und leider muss ich sagen, dass ich nicht nur im Punkbereich, sondern auch bei vielen anderen Musikrichtungen einfach nicht mit den Leuten klarkomme, die sich irgendeine Szene auf die Fahne schreiben und nicht offen für andere Sachen sind. Aber das beste Erlebnis hatte ich dazu in Wolfsburg. Ein Skinhead steht vor mir, und ich frag ihn, was er für Musik hört. “Ska und Egotronic” – recht so! Verschiedene Musik. Das will ich sehen. Verschiedene Menschen.

Stimmt es, dass es ein Smegma-Re-Release geben wird?
Die Sammlung “Gehalt, Hab und Gut” kommt demnächst auf True Rebel Records aus Hamburg raus.

Was ist deine Utopie davon, wie es mit Audiolith weitergehen sollte?
Mein Traum ist, das Ding so zum Laufen zu bekommen, dass wir ein paar Leute einstellen können. Das Audiolith-Ding an die jüngere Generation weiterzugeben.

Und wie, denkst du, geht es in echt aus?
Es wird sich in 50 Jahren ein schwarzes Loch auftun und alles verschlingen. Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm 2009. Alles wird untergehen, und es wird still werden.

“Doin’ Our Thing” ist bereits bei Audiolith/ Broken Silence erschienen.

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