Beiträge zum Stichwort: Gomma

The Glimmers - Whomp That Sucker!

the-glimmersSeltsam gestrig wirkt das belgische Duo bei seinen Bemühungen, die Euphorie der Peak Time im Studio zu reproduzieren. Dabei ermöglicht kein Spannungsbogen den Einstieg ins Album oder lässt einem Luft für Zwischentöne. Nur volles Feuer aus allen Rohren, allein die Nebelmaschine als CD-Beilage fehlt, sonst sind alle Clubtricks inklusive „Let’s get ready to rumble“ versammelt. So künstlich gut gelaunt wie Michael Buffers rechtlich geschützte Boxkampfansage – hoffentlich dürfen Mo und David da nicht noch fett nachzahlen, der Buffer muss da hart am Mann sein – ist auch dieser hastige, einstündige Parforceritt, der als nächtliche Sequenz vielleicht funktionieren mag, aus der heimischen Anlage verströmt er nur den Geruch der Halbgarheit. Hier will Disco gebrüllt werden, doch es kommt nur ein Krächzen. Und der Groove, den The Glimmers an guten Tagen im Leib tragen, versackt leider immer wieder in viel zu langen Sequenzen in denen folgendes in aller lustigen Aufgeblasenheit passiert: nichts. Dieser Kampf dauert leider 12 Runden. Ein technischer K.O. wäre irgendwie schöner.

“Whomp That Sucker!” erscheint am 22. Oktober bei Gomma/Groove Attack.

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Die Sterne - 24/7

31vgvvqfpl_sl500_aa240_Jochen Distelmeyer demonstrierte einst in einem Interview, dass man über den Hit „Verstärker” seiner Band Blumfeld genauso gut „S’Express” singen könnte – einen Housekracher des gleichnamigen britischen Dance-Acts. Es ist nicht alles bloß Diskurs, manchmal war auch Disko in der Hamburger Schule. Diejenigen, die Groove und Tanzbarkeit aber immer als elementaren Teil ihrer Bandidentität gesehen haben, sind allerdings Die Sterne. Die EP „Der Riss” aus dem vergangenen Jahr deutete bereits die Richtung an, in die „24/7″ gehen würde: Auf dem Elektroniklabel Gomma erschienen, pumpten Houseklaviere im Rhythmus und fehlten Gitarren unentschuldigt. Auf „Himmel” und „Wie ein Schwein” vom neuen Album grüßt noch einmal der Indierock, vielleicht aber auch nur zum Abschied. Die Sterne haben ein elektronisches Album gemacht. „Wohin zur Hölle mit den Depressionen? Ich geh in die Disco, ich will da wohnen”, singt Frank Spilker im ersten Song. Aha, ein Konzeptalbum. „Niemand sieht traurig gut aus”, hieß es zuletzt in der US-Serie „In Treatment”. Außer Die Sterne. Die haben mal wieder eine
Platte voller Hits gemacht.

“24/7″ erscheint heute bei Materie/Rough Trade.

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Die Sterne - Der Riss E.P.

coverfrontJetzt also Neo Disco. Warum nicht? Schließlich hatten Die Sterne im Gegensatz zu den vielen Schrammlern, die unflätigerweise mit ihnen in einem Atemzug genannt wurden, schon immer den Groove im Leib. Ein bisschen Angst darf man natürlich trotzdem haben, wenn sich Frank Spilker mit Mathias Modica aka Munk trifft, um Musik zu machen. Der hat als Gomma-Labelgründer zwar Namen wie Who Made Who, Telonius und Headman im Portfolio, aber was Herr Spilker selber als Aufeinanderprallen „norddeutsch protestantischer Indie-Ikone auf in Marseille lebenden Münchner Indie-Disco-DJ“ beschreibt, kann ja auch tüchtig schief gehen. Tut’s aber nicht. Den Tracks kommt kein Millimeter textlicher Konsistenz abhanden und wohnt dennoch ein veritabler Diskotheken-Ansatz inne. Gute Diskothek mit fairen Preisen, versteht sich. Der Riss“ wird zudem als instrumentale Dub-Version auch außerhalb der Landesgrenzen erscheinen. Alles dufte also? Nicht ganz: Richard von der Schulenburg wollte diesen Schritt nicht mitgehen und hat die Band verlassen.

“Der Riss” erscheint am 9. Oktober bei Gomma.

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The Phenomenal Handclap Band - Same

23056398Eher eine nostalgische Retrogroup für Auskenner als das nächste heiße Ding auf dem Plattenspieler. Brooklyn und Handclaps sind zwei Reizwörter, die nicht nur bei Musikauskennern den Sabbereffekt auslösen. Das haben sich wohl auch Daniel Collás und Sean Marquand gedacht und kredible Musikerfreunde aus ihrem hippen Stadtteil zur Siebziger-inspirierten Supergroup The Phenomenal Handclap Band zusammengetrommelt und mit Gomma auch noch eine deutsche Heimat für ihr gleichnamiges Album gefunden. Da passen sie auch hin: Die Münchner hatten 2003 die erfrischende Discowelle gestartet, nachdem keiner mehr 80er-Beats auf den Tanzflächen hören wollte. Und jetzt, wo fast jeder Großstadt-DJ bloß noch reine Disco-Sets zu kennen scheint, fangen sie eben schon mal mit der 70er-Welle an. Die Handclap-Band spielt sehr gut zusammengezimmerte Hippiesoulgitarren, halluzinogenen Orgelpop und verzerrten Psychorock, dennoch klingt das Ganze zu kalkuliert und gibt wenig Antwort auf die Frage, was uns dieser Sound heute noch sagen kann. Selbst die Texte sind Eins-zu-eins-Übersetzungen aus einer Brainstorming-Session von damals, und so darf sich Lady Tigra von L’Trimm, die als Sängerin für den nötigen wie abgeranzten Glamour sorgt, auf “I Been Born Again” ins Räucherstäbchenkoma jammern. Eher eine nostalgische Retrogroup für Auskenner als das nächste heiße Ding auf dem Plattenspieler.

“The Phenomenal Handclap Band” ist bereits bei Gomma erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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