Beiträge zum Stichwort: Gonzales

[Album] Chilly Gonzales - The Unspeakable Chilly Gonzales

chillySein neuestes Werk hat der Kanadier Gonzales in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Christophe Beck arrangiert, der ansonsten Soundtracks für Filme wie “Garfield – Der Film” oder “Der rosarote Panther” (die Version von 2006) komponiert. Die brüderliche Zusammenarbeit bedeutet zugleich eine Mission: Es geht um das erste orchestrale Rap-Album aller Zeiten. Also ganz ohne Beats, Scratches und Samples, dafür mit Chor, Streichorchester und Arrangements im Geiste von Prokofjew oder Morricone. Dazu rappt Gonzales überkandidelt, bezeichnet sich mal wieder als “musical genius” und verzichtet natürlich auch nicht auf den Hinweis, dass die Selbstbeweihräucherung keineswegs als Witz gemeint sei. Die dicken Hosen und opulenten Sounds fügen sich ziemlich gut zusammen, und Gonzales beweist mal wieder, dass er in Sachen Größenwahnsinn immer noch eine Schüppe drauflegen kann. Da die Zeichenzahl noch nicht ausgeschöpft ist, wollen wir diese Rezension mit dem vielleicht besten Reim des Albums beschließen: “I count beans with a calculator / I am busy now / Can I call you later?”

“The Unspeakable Chilly Gonzales” ist bereits bei Gentle Threat/Edel erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Gonzales - Ivory Tower

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Eine „existentialistische Sportkomödie über Schach und Erfolg“ soll der Film werden, den Gonzales gemeinsam mit Celine Sciamma („Waterlillies“) geschrieben hat und der solch illustre Darsteller wie Peaches, Tiga und – natürlich – Chilly Gonzales auf die Leinwand bringt. Was das mit seinem neuen Album zu tun hat? Erstmal nichts außer dem selben Titel „Ivory Tower“. Der Rest wird sich wie so oft in seiner Karriere ergeben bzw. überschneiden, ohne dass man schon im Vorfeld die Leitplanken einzieht. Eine sympathische Herangehensweise, die auch das neue, von Boys Noize produzierte Album zu einem Mosaiksteinchen im Gesamtwerk von Gonzales macht. Isoliert betrachtet wieder einmal eine keineswegs überbordend aufregende Ansammlung von Tracks bzw. Songs bzw. Miniaturen bzw. Unsinn, die aber in Kombination mit seinem sonstigen Output einen bunt schillernden Regenbogen zeichnet. Dieses Mal eben mit der Farbe Europop oder so etwas Ähnlichem. Kann man mögen, darf man auch gerne vernachlässigbar finden. Während man darüber sinniert, ist Gonzales eh schon wieder ganz woanders.

“Ivory Tower” erscheint am 20. August bei Gentle Threat/Edel.

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Mocky - Saskamodie

51l2ybrhedl_ss500_Dominic Salole gibt auf seinem neuen Album nichts auf kreative Reibung durch äußere Einflüsse. Davon trägt er genug in sich. Und so zeichnet der Kanado-Berliner auf „Saskamodie“ verantwortlich für Songwriting, Produktion, Drums, Bass, Piano, Gitarre, Percussion, Glocken, Blockflöte, Gesang, Pfeife, Orgel und Streicherarrangements. Ein Egotrip, der Mocky ebenfalls wegführt von den leicht verdaulichen HipHop- und Elektro-Ausflügen. Jetzt werden Jazz und Soul in den Schwitzkasten genommen und dank Anwesenden wie Jamie Lidell, Gonzales, Feist und Taylor Savvy ein „erwachsenes“ Werk präsentiert. Weg von der überkandidelten Humor-Überdosis, hin zu einer intensiven Zeitlosigkeit, die in ihrer perfekten Produktion von dem Wissen profitiert, dass sich Mocky als Arrangeur für seine aktuellen Gäste angeeignet hat. Große Melodien, die in jedem Jahrzehnt ihren Ursprung haben könnten und dennoch nicht dem Missverständnis „Retro“ aufsitzen. So elegant aus der Gegenwart geschlängelt hat sich schon lange niemand mehr.

“Saskamodie” erscheint am 20. März bei Crammed Discs.

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Gonzales - Soft Power

Der Weg zwischen Pop- und Hochkultur, es gibt ihn. Allerdings ist er gepflastert mit extrem viel Ödnis. CDs mit beigefügten Kunstdrucken, Mucker-Attitüden, Verspulung in Sprache und Musik bis zur völlig Unkenntlichmachung von Klarheit. Selten kommt es auf diesem Weg zu so selbstironischen Aussprüchen wie einst bei Funny van Dannen auf “Grooveman”, dort hieß es seinerzeit: “Das nächste Stück hört sich jazzig an, ist aber Punk.”

Denn wer an den Trog Hochkultur will, muss anscheinend allen Humor über Bord werfen. Warum auch immer das so sein mag - es wird danach gehandelt. Zu den wenigen, die sich über dieses Bedeutungshaftigkeit-Verdikt hinwegsetzen gehört Gonzales. Wegen seiner archaischen Urvieh-haftigkeit, den holperbeatigen Stylersounds und seinem Witz musste man Anfang des Jahrzehnts auf ihn aufmerksam werden. Und während seine Ex-Homebase Kitty-Yo zuletzt weit in den Hintergrund trat, bewegte sich Gonzales lässig und sicher in elegantere Gefilde, in denen guter Wein statt Erbrochenes regiert. Also überspitzt gesagt, schließlich ist Gonzales ja auch selbst überspitzt.

Seine Live-Auftritte sind nach wie vor legendäres Entertainment und wenn er dann noch am Flügel sitzt und das Rampensau-tum mit klassischer Piano-Versiertheit konterkariert, ist man nur noch beeindruckt. Einzig, und das muss auch gesagt werden, die Alben fallen hinter dieses Erlebnis spürbar zurück. Es fehlt die genialische physische Facette, die Interaktion mit der Band und es bleibt neben guten Momenten auch sehr viel Gedudel. Die feine musikalische Ironie, die darin steckt, auch mal komplett ironiefrei balladeske verschwurbelte Klavierstücken mit 70er-Look aufzuführen, muss man wirklich mögen. Das wird auf “Softrock” noch mal deutlicher als je zuvor. Live wird man mitgerissen, auf Platte sollte man selbst was dafür tun. Fair warning.

Gonzales - “Soft Power” ist am 4. April via Mercury/Universal erschienen

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