Beiträge zum Stichwort: House

[Album] Andy Vaz - Straight Vacationing

23065619“I just got to put a little Detroit in me”, murmelt eine junge Dame gleich zu Beginn und macht klar, wohin die Reise gehen wird – an den Sehnsuchtsort aller House-Aficionados. Sich ein bisschen Detroit rein zu tun ist bekanntlich immer gut für die Seele, denn die vom Aussterben bedrohte Stadt am Michigansee steht gewissermaßen synonym für große Emotionen in der elektronischen Tanzmusik. Der Kölner Produzent und Labelbetreiber Andy Vaz gehört zu den wenigen Musikern hierzulande, die es schaffen, ihrer Liebe zur Motorcity mittels einer eigenen Sprache Ausdruck zu verleihen, ohne die Black Music “silly” klingen zu lassen, um mal den guten Moodymann zu zitieren. Auf “Straight Vacationing” rotiert mehr denn je die Glitzerkugel. Ein Dancefloorfiller wie “Just Another Round” lässt mit seiner markanten Bassline so ziemlich jeden aktuellen Discoedit alt aussehen, ohne sich an die allgemeine Retromanie anzubiedern. Im Gegenteil, die Samples werden wohldosiert eingesetzt, die TR 303 zwitschert fröhlich, aber nie effekthascherisch vor sich hin, die handgespielt klingenden Bässe bilden immer eine Hookline. Und ein Stück wie “A Dope Jam«” in dem erst nach anderthalb Minuten die Bassdrum richtig reinkickt und für Euphorieschübe sorgt, ist der Beweis, dass House im Idealfall einfach zeitlose Musik sein kann.

“Straight Vacationing” ist bereits bei Yore/Word And Sound erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Stream] Pandamix Vol. 06 - Clearly It Is Summer

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Pandamix Vol. 06 - Clearly It Is Summer 320k by MassNerder

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[Album] Pierre LX - Out 1

pierre-lxPierre-Alexandre Simoes’ Platte weiß sich sowohl im Referenzrahmen zeitgenössischer britischer Bassmusik als auch im entschlackten House-Universum von John Roberts, Kassem Mosse oder Isolée zu behaupten. Seit ein paar Jahren lebt der fünfundzwanzigjährige Franzose nun schon in London und saugt Clubmusik auf. Nachdem er als reiner Laptop-Performer angefangen hat, schwört der unter dem Pseudonym Pierre LX veröffentlichende Produzent mittlerweile auf analoges Equipment und hat in Rekordzeit ein ganzes Album fertiggestellt, das die Maschinen knistern und knattern lässt, ohne allzu nostalgisch zu klingen. Immer wieder wird der Beat komplett rausgenommen, entstehen Leerstellen. Effekthascherische Handclaps und Acidsounds tauchen ebenso unvermittelt auf, wie sie wieder verschwinden, werden durch warme verträumte Flächen konterkariert. Generell dominiert eine ruhigere, fast schon melancholische Grundstimmung; die Tracks scheinen eher für jene Morgenstunden gemacht zu sein, wenn die Sonne in den Club lugt und die Beine allmählich müde werden. Vermutlich ohnehin die beste Zeit beim Ausgehen. Peak time is commercial.

“Out 1″ ist bereits bei Initial Cuts erschienen.

Quadrivium by Pierre LX

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Isolée - Well Spent Youth

23062832Pampa will 2011 richtig durchstarten. Labelmacher DJ Koze hat gleich vier Alben angekündigt, die da stammen sollen von Robag Wruhme, Die Vögel sowie dem Säger von St. Georg himself. Den Anfang macht jedoch Rajko Müller, der sich im letzten Jahr nach kleiner Pause durch Maxis auf Mule und Dial zurückgemeldet hatte. “Well Spent Youth” ist mal wieder ein verschachteltes Universum für sich. Samples und Geräusche tauchen ebenso unvermittelt auf, wie sie wieder verschwinden, dennoch hat jeder Track irgendetwas, das man Hookline nennen könnte, folgt einer ausgefeilten Dramaturgie, auch wenn nicht alles gleich auf den Dancefloor zu schielen scheint. Doch man würde nie auf die Idee kommen, Isolées Musik mit Begriffen wie IDM in Verbindung bringen zu wollen, dafür überwiegt im Groove zu sehr die Verkopftheit. Es handelt sich um Housemusik, die mit sparsamen Mitteln arbeitet, alles ist wohldosiert, nichts dick aufgetragen. Isolée widersetzt sich damit dem Retro-Zeitgeist und legt ein Album vor, das ohne große Effekthascherei auskommt, aber einen herrlich crispen Hit wie “Taktell” im Angebot hat, der demnächst nicht nur von DJ Koze rauf- und runtergespielt wird.

“Well Spent Youth” ist bereits bei Pampa/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Nicolas Jaar - Space Is Only Noise

nicolas-jaar“Don’t Believe The Hype”, hieß es auf einer der 2010er-Maxis des zwanzigjährigen New Yorkers Nicolas Jaar. Natürlich in Anspielung auf Public Enemy, aber auch als ironischer Kommentar auf den anhaltenden Rummel um die eigene Person. Als junges Genie, das die elektronische Tanzmusik mal wieder komplett auf den Kopf gestellt habe, ist er schon gefeiert worden. Jaar ist derzeit nicht der einzige umtriebige Entschleuniger, doch vermutlich gehört er zu den radikalsten. Man erinnere sich nur an den seltsam fantastischen Überhit “Time For Us”, der am Ende abschmiert wie HALs “Hänschen klein” in “2001″, nicht ohne den Klang des Abschaltens noch mit integriert zu haben. Der Moment des Beinahe-Stillstehens als Höhepunkt, denn Zeitgefühl sei eben manipulierbar und alles spiele sich im Idealfall räumlich ab, sagt er in Interviews. Auf seinem Debütalbum finden sich kaum noch Stücke, die auch auf dem Dancefloor funktionieren würden. “Space I Only Noise” ist eine gedrosselte Soundtrackorgie aus Erik Satie, afrikanischer Musik, Slomo-House im Geiste Theo Parrishs sowie HipHop-Instrumentals, und selbst Ray Charles tönt zwischenzeitlich kurz mal auf. Doch dafür, dass diese Musik so häufig stillzustehen scheint, hat sie jede Menge Drive.

“Space Is Only Noise” erscheint am 28. Januar bei Circus Company/Word And Sound.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Nicolas Jaar Discography by Clown and Sunset

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Agoria - Impermanence

310t5aknlcl_sl500_aa300_Der Fluch der guten Tat: Sebastian Devauds alias Agoria erster Albumtrack „Kiss My Soul“ ist von so unausweichlicher Schönheit, dass der Rest der Platte auf später verschoben werden muss. Nur mit Klavierklängen begleitet, schwingt sich die 20-jährige US-Sängerin Kid A zu björkschen Höhen auf und evoziert Tränen, Gänsehaut und Schnappatmung gleichzeitig. Dagegen verblasst selbst der offensichtliche Höhepunkt im wörtlichen Sinne, der von Carl Craig gesungene/gesprochene Track „Speechless“, eine unverblümte pornografische Phantasie mit Satin-Appeal. Dann doch lieber wieder zurück zu Kid A und „Heart Beating“, ein von dieser wunderschönen Soulstimme getragener Engel in Songform. Natürlich blubbert’s im Agoria-Universum auch wieder tüchtig mit Ambient, Downbeat und porentief reinem House, ergänzt durch Streicher, Klavier und Stradivari. Alles ganz nett, alles aber auch verzichtbar bzw. schon durch die bisherigen Alben Agorias abgedeckt. Wenn da nicht diese Stimme von Kid A wäre. Rezensent in love, alles richtig gemacht.

“Impermanence” erscheint am 4. Februar via InFine/Alive.

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Kasper Bjorke - Standing On Top Of Utopia

23058353Mit Tomboy von WhoMadeWho unterhielt der Kopenhagener DJ und Produzent Kasper Bjørke bis vor Kurzem noch das etwas käsige Houseprojekt Filur. Als Remixer kennt man ihn durch seine Arbeiten für die Ting Tings, Trentemøller und eben WhoMadeWho. Sein zweites Soloalbum “Standing On Top Of Utopia” erscheint auf dem relativ neuen Label Hfn Music, das uns im letzten Jahr bereits die famose, vom Kopenhagener Hafen inspirierte Trentemøller-Mixcompilation bescherte. “Standing On Top Of Utopia” bewegt sich zwischen Pop, No Wave, Balearic und House, wobei das Tempo meistens gedrosselt wird. Die Gastvocals stammen von befreundeten Künstlern wie Jacob Bellens von der Indieband I Got You On Tape. Daraus ergeben sich entspannte Downtempo-Synthiesongs, manchmal mit einer gewissen Nähe zu zeitgenössischen Poppern wie Phoenix oder Zoot Woman. Wirklich herausragend sind aber tatsächlich jene Instrumentalstücke wie das verspulte druckvolle “Fido & Friendly Ghost”, die zeigen, dass seine eigentlichen Wurzeln im House liegen.

“Standing On Top Of Utopia” erscheint am 12. Februar bei Hfn Music / Rough Trade.

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V.A. - If This Is House I Want My Money Back

23057584Wer dachte, dass sich das Thema Permanent Vacation spätestens nach dem Hype um Cosmic Disco erledigt haben würde, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Man hat sich längst diversifiziert. Auf der ironisch betitelten Compilation “If This Is House I Want My Money Back” huldigen aktuelle Produzenten den Ursprüngen von House. Die Tracks rekurrieren auf jene legendäre Zeit Anfang der Achtziger, als in der schwarzen schwulen Subkultur von Chicago und New York die moderne Tanzmusik erfunden wurde. Larry Levan, Ron Hardy und Frankie Knuckles mixten die Rhythmuspassagen ihrer Disco-, Funk- und Postpunkplatten stundenlang ineinander und ritten Körper in Ekstase. Die Musik war weit davon entfernt, “kalt, seelenlos und beliebig” zu sein, ein Vorwurf, dem sich aktuelle Dance-Produktionen immer wieder ausgesetzt sehen. Diese Compilation versammelt einige der schönsten organischen Housetracks von aktuellen Genrehelden wie Walter Jones, den man von DFA kenne könnte, oder Mugwump, der zuletzt auf Kompakt aktiv war. Vieles bewegt sich tatsächlich nur im Schritttempobereich, um die 110, 120 bpm. Mehr braucht es auch nicht, einen Körper auf Hochtouren zu bringen, so sehr pulsiert diese Maschinenmusik.

“If This Is House…” ist bereits bei Permanent Vacation erschienen.

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Fuckpony - Let The Love Flow

23057176Jay Haze ist mit seinem Projekt Fuckpony mittlerweile bei Ellen Alliens Label BPitch Control gelandet und scheint sich von seinem Partner Sanim, der auf dem letzten Album “Children Of Love” noch mit an den Reglern saß, getrennt zu haben. Zumindest taucht der Name in den Credits zu “Let The Love Flow” nicht mehr auf. Die Stücke schielen mehr auf die Afterhour als auf die Peaktime, kranken aber manchmal daran, sich nicht so ganz zwischen Verspultheit und Groove entscheiden zu wollen. Haze verzichtet weitestgehend auf Samples. Das Tempo wird immer wieder gedrosselt, manchmal so lange, bis der Drive komplett weg ist. Die Produktion wirkt trotz der Gastvocals und vielen Instrumente etwas planlos, die zahlreich vorhandenen Reminiszenzen an Chicago klingen im Vergleich zu den Originalen recht lahm. Highlight bleibt das haarsträubend dämlich betitelte Pianohousestück “Orgasm On The Dancefloor Saturday Night”. Insgesamt fehlen die Spannungsbögen, das Album plätschert zu sehr vor sich hin. Als Soundtrack zur verstrahlten Afterhour mag das gut funktionieren, einen bleibenderen Eindruck hinterlässt diese Platte nicht.

“Let The Love Flow” ist bereits bei BPitch Control/Rough Trade erschienen.

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Luciano - Tribute To The Sun

23057191Mit seinem chilenischen Kumpel Ricardo Villalobos mischt Luciano seit einer guten Dekade schon die elektronische Tanzmusik auf und hat mit Cadenza eines der wichtigsten Houselabels unserer Zeit etabliert. Lange Zeit in der Schweiz beheimatet, scheint er seinen Wohnsitz immer mehr nach Berlin verlagert zu haben. “Tribute To The Sun” ist ein unaufgeregtes und harmonisches Elektronikalbum geworden. Lucianos Musik ist minimalistisch, wobei minimalistisch nicht zu verwechseln ist mit dem drögen Preset-basierten Geklacker, das in den letzten Jahren oftmals unter dem Label Minimal Techno verkauft wurde. Dafür ist sein Ansatz im positiven Sinne zu eklektisch. Polyrhythmische lateinamerikanische Klänge treffen auf senegalesischen Gesang, Dubtechno auf klassisches Songwritertum, karibische Percussions auf Field Recordings. Techno wird hier, ohne krude Begriffe wie “Weltmusik” bemühen zu wollen, tatsächlich als globale universelle Sprache verstanden. Es gibt keine offensichtlichen Hits, aber das Album ist in sich homogen und hat eine größere Reichweite als nur den Club verdient.

“Tribute To The Sun” ist bereits bei Cadenza erschienen.

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