Beiträge zum Stichwort: Indie

[Album+Video] Why? – Mumps, etc.

Das letzte richtige Why?-Album, das übrigens ebenfalls eine Erkrankung im Titel trug (»Alopecia«), schien für Yoni Wolf und seine Band Why? 2008 die endgültige Transformation vom schwer greifbaren HipHop-Act hin zur zugänglichen Sprechgesang-Indie-Band darzustellen. So zumindest wurde die Band häufig stilisiert, nachdem sie auf diesem Geniestreich ihre eckigen Stream-of-consciousness-Raps noch selbstbewusster als zuvor an verspielte Xylofon-Passagen, warm klingende Fender-Gitarren und überzuckerte Beach-Boys-Melodien montiert hatte. Mit der gleichen sektiererischen Wahrnehmung, die HipHop und alles andere 2012 immer noch ernsthaft trennen möchte, könnte man das neue Album »Mumps, Etc.« nun als Kehrtwende deuten. Aber schwer zu glauben, dass die Band selbst in solchen Kategorien über sich nachdenkt. Müßig also, das alles. Sicher ist: Der manisch nach vorne drängende Nähmaschinen-Nasal-Rap von Yoni Wolf sieht sich wieder einer spartanischeren Instrumentierung ausgesetzt. Am Ende des Albums driftet der Vortrag in musikalischer Schlichtheit sogar mehrere Tracks lang ab in eine Art marginal unterlegtes Sprechtheater. Ein eher zurückhaltendes Why?-Album mit eigenem Reiz, dem aber nur derjenige emotional nahekommen dürfte, der es immer und immer wieder laufen lässt. Dennoch um Klassen besser als die Outtake-Sammlung »Eskimo Snow«, mit der sich die Band zuletzt keinen Gefallen tat.

“Mumps, etc.” ist bereits bei CitySlang/Universal erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

YouTube Preview Image
  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] The XX – Coexist

Die Idee, dem Rock die Lautstärke zu nehmen, um seine ureigene Kraft sezierend langsam auf die Bühne zu bringen, ist nicht neu. Seit den 1980ern gab es unzählige Bands, die, jeweils prototypisch ausformuliert, für ein ähnliches Musikverständnis einstanden wie The xx. Die US-Amerikaner Low etwa. Oder Mazzy Star. Oder Codeine. Doch so gut und relativ erfolgreich diese Bands in ihrer Nische gewesen sein mögen – sie fristeten wenigstens noch ein Nischendasein. The xx sind seit ihrem Debütalbum »xx« weit über diesen Punkt hinaus. Der immense kommerzielle Erfolg brachte die Band in große Arenen. Nur möchte man ihre Musik dummerweise am liebsten alleine, maximal zu zweit hören. Ein Fallstrick, der »Coexist« fast als Inbegriff des »schwierigen zweiten Albums« erscheinen lässt. Ein anderer: An einem kleinen Feuer, und mag es noch so schön brennen, sieht man sich potenziell schneller satt. Erst recht, wenn die Erwartungshaltung so hoch ist wie hier. Aber hätten The xx, die Band mit dem maximalen Minimalismus-Trademark, überhaupt eine andere Wahl, als so zu klingen wie bisher? Vielleicht, aber wahrscheinlich nicht. Fakt ist, wir erfahren es nicht – noch nicht: Auf »Coexist« schlüpft die Band erneut in die Rolle als schüchterner Dompteur der Bestie Gitarrenrock. Elf Songs lang flüstert sie betörend. Die Beats von Jamie Smith mögen hier und da (etwa bei »Swept Away«, wo sogar mal eine digitale Snaredrum zu hören ist) etwas ausschweifender produziert klingen, werden mitunter dezent Massive-Attack-like geloopt. Das Interessante an den Stücken bleibt aber das Prinzip, das große Crescendo ständig bloß anzudeuten, es aber nie zu vollführen. Unterm Strich stehen erneut die kontrollierte Demut und ein flammendes Nichts. Vielleicht auch die Verheißung des nächsten großen Karrieresprungs. Aber sicher ist das nicht.

“Coexist” ist bereits bei Young Turks/XL erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Mumford & Sons – Babel

Markus Dravs ist der Mann, den man fragt, wenn sich Hausmusik nach Stadionrock anhören soll. Der Produzent half Arcade Fire auf „Neon Bible” und „The Suburbs” bei ihrem Sound, auch das zweite Album der Londoner Folkies Mumford & Sons ist nach dem Debüt „Sigh No More” wieder von ihm zur Klangwalze fitgespritzt worden. Die Band um Marcus Mumford, die sich vor allem mit den überschwänglichen Aufführungen ihrer relativ simplen Lieder einen Namen gemacht hat, bleibt mit „Babel” in ihrer gut eingesessenen Nische, Banjos und Geigen kriegen den Marsch geblasen, während der Namensgeber sich die Seele aus dem Leib singt. Traditionalismus ist zwar bloß eine Maske, die sich der Singer-Songwriter-Folk mit ein bisschen holzigem Instrumentarium aufsetzt, steht ihm aber leider gut.

“Babel” ist bereits bei Cooperative/Universal erschienen.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Stars – The North

Der Gegensatz von übertriebener Theatralik und brutaler Bodenständigkeit ist ein Trick, den die Kanadier beherrschen wie niemand zweites, sie können mit übervollem Herzen Prätentiöses zwitschern und in der nächsten Zeile fluchen wie ein Bierkutscher. „The North” hüpft zwischen Indie- und Elektropop und den Stimmen von Torquil Campbell und Amy Millan, die den pathetischen Überschwang der Musik mit zum Teil trockenem Humor konterkarieren. Besonders gelungen ist Amy Millans ominöser Synthietrack „Progress” oder das an New Order erinnernde „Hold On When You Get Love And Let Go When You Give It” mit seinem irrlichternden Bass und der schönen Zeile „Take the weakest thing in you and beat the bastards with it”. Schwächlinge der Welt, tut euch zusammen und übernehmt!

“The North” erscheint am 19. Oktober bei Unter Schafen/Alive.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Best Coast – The Only Place

Der Gegensatz von amerikanischer Ost- und Westküste ist nicht bloß ein vergessenes HipHop-Klischee. Gleich im ersten Song „The Only Place” fragt Bethany Cosentino „Why would you live anywhere else?” Damit ist Los Angeles, Kalifornien gemeint – jene Stadt, gegen die Death Cab For Cutie einst mit dem Song „Why You’d Want To Live Here” ätzten. Mit „We’ve got the oceans, got the babes, got the sun, we’ve got the waves” hat Miss Cosentino, die erneut mit Multi-Instrumentalisten Bobb Bruno als Best Coast zusammenarbeitet, die Argumente allerdings auf ihrer Seite. Für menschenscheue Gummistiefelträger ist das natürlich nichts. „The Only Place” ist ein geradezu unerhört eingängiges Gitarrenpopalbum mit Surf- und Garagenrockanleihen, dem man die fehlende Variation gerne nachsieht. Irgendwie schreibt Beth Cosentino den gleichen Song immer und immer wieder. Aber wenn er doch was taugt? Wenn der Sommer einen Soundtrack braucht, hier ist ein Vorschlag.

“The Only Place” ist bereits bei Wichita/Rough Trade erschienen.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Downloads, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] The Walkmen – Heaven

Hingerotzte, auf ausrangierten Kassettenrekordern aufgenommene Lo-Fi-Platten haben ihren Reiz, na klar. Der elegante, geradezu gediegene Gegenentwurf der Walkmen schockt aber nicht minder. „Heaven” ist – wie bereits seine Vorgänger – High-Fidelity-Kunst. Jedes Instrument sticht klar und laut aus dem Mix, fast hat man das Gefühl, mit im Raum zu stehen: stocksteif den Atem anhaltend um die Aufnahme nicht zu versauen. Dabei ist die New Yorker Band natürlich nicht nur was für audiophile Vinylfreaks. Das gleichsam an Post-Punk und Sechzigerjahre-Balladen geschulte Songwriting kann sehnsüchteln und fordern – und gehört zum stärksten Material, das Hamilton Leithauser mit seinen Mitstreitern überhaupt je aufgenommen hat. Wer The National ein bisschen über hat: Das ist die zweite große US-Rockband dieser Tage.

“Heaven” ist bereits bei Cooperative/Universal erschienen.

YouTube Preview Image
  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Track] California Wives – Marianne

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Musik, Tracks Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Locas In Love – Nein!

»Ich habe es satt, dass mir irgendwelche Sänger von ihren harten Zeiten erzählen. Ich bin es so leid, dass jeder irgendwas zu verkaufen hat – und noch mehr, dass ich ständig etwas verkaufen muss. Das bin gar nicht ich. Das ist nicht, was ich will. Da ist kein Geheimnis, das ist nicht die Wahrheit. Es ist immer das Gleiche.« Mit diesen und einigen weiteren eindringlichen Worten eröffnet die Stimme von Charly Graul (der Mann von Manfred Krug) eine neue Platte von Locas In Love aus Köln. Warum haben die eigentlich schon wieder eine? Denn wie wir Popkultur-Totengräber sagen: »Lemming« (der Vorgänger) ist doch noch gar nicht kalt! Aber der nachdenkliche Junge, die bildende Künstlerin und Jan Niklas Jansen haben sehr wohl schon wieder was zu verkaufen – auf Vinyl und via Download. Ein nachgeschobenes Album, das spürbar ein Korrektiv bilden soll zu jenem »Lemming«. Dort hatte man intensiv die Warenförmigkeit von Emotionen, von Rock, von sich selbst thematisiert – und zu einer wunderschönen bitteren Indie-Perle geformt. Doch im Zweifel für den Zweifel – und in der eigenen Diktion nur folgerichtig, traut man diesem großen Hauptwerk nicht mehr so ganz. Entbunden vom Anspruch auf Vollständigkeit, schiebt das Trio ohne Veröffentlichungsnotwendigkeit, ohne Vorankündigung »Nein!« hinterher. Die Absage an die verdammte Produkthaftigkeit von allem und jedem – in Form eines solchen. Der innere Widerspruch bleibt eiskalt erhalten. Warum auch nicht? Es geht hier ja dezidiert um die Wahrheit, nicht um die Lüge. Und so wird jener Widerspruch mal ganz lässig, mal bedrückend ernst, aber stets wortreich besungen, beklagt, bestaunt. Dass sich jede Pose, jede Aussage selbst misstraut, macht diese Songs nicht gerade zu der Feelgood-Mucke aus der x-beliebigen Indie-Slotmachine, sondern zu nichts weniger als der Fortsetzung eines der empfindsamsten Bildungsromane deutschsprachigen Pops. Und dieser Roman heißt: Locas In Love.

“Nein!” ist bereits bei Staatsakt/Indigo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Video] Boy & Bear – Milk & Sticks

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Video] Cloud Nothings – Stay Useless

Get More: www.mtvu.com

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare