Beiträge zum Stichwort: Indie

The Crookes – Chasing After Ghosts

the-crookesMusikalisch den Smiths nachzueifern läuft bei Originalitätswettstreiten unter ferner liefen. Dem etwas muskulöseren Sound der Morrissey-Solokarriere anzuhängen findet dagegen immerhin ein paar Zeilen oberhalb statt. The Crookes aus Sheffield besitzen das Vertrauen in die eigene Stimme, dass sie selbst in dieser Echokammer nicht dumm aussehen. “Chasing After Ghosts”, ihr Debütalbum, ist auf angenehme Art redselig, klingt vom Zungenschlag manchmal auch nach Maxïmo Park und von den Songs sogar nach den beinahe in Vergessenheit geratenen Trashcan Sinatras. The Crookes spielen einen traditionsbewussten Indiegitarrenpop, der, wie gesagt, nicht überall Blumentöpfe gewinnt, aber auch nicht auf Loserbonus hoffen muss. “Chasing After Ghosts” hat ausreichend Championqualitäten, die lediglich nicht für jeden gleich offensichtlich sind. Wenn man sie mal ausreden lässt, hat man The Crookes am Ende des Satzes allerdings ins Herz geschlossen – einen hemdsärmeligen Sinn für Wirklichkeiten vorausgesetzt. Und natürlich ein Herz.

“Chasing After Ghosts” ist bereits bei Fierce Panda/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.


Backstreet Lovers – Official Video

The Crookes | Myspace Music Videos

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The Kills – Satellite

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Cold War Kids – Mine Is Yours

cold-war-kidsDie Cold War Kids aus Kalifornien sind gelinde gesagt eine sehr wandlungsfähige Band. 2006 als Net-Hype in die Wahrnehmung der konzentrierten Nerd-Cliquen katapultiert, sind jene Novelty-Vorschüsse natürlich längst aufgebraucht. Da muss man sich was einfallen lassen, will man weiterhin als Indie-Act seine Kreise ziehen. Die Cold War Kids wollen mit “Mine Is Yours” nun auf jeden Fall mal richtig wissen, was möglich ist. Oder, kann ja auch sein, entdeckten zufällig ihre Lust an der ganz großen Leinwand und das The-Killers-Gen in sich selbst. Vorbei sind so die Tage und Songs, in denen man patchworkig auftrat und auch mal Enden ins Leere laufen ließ. Songs wie “Royal Blue” entdecken lustvoll das Fanfarenhafte, und bei Stücken wie “Finally Begin” oder “Out Of The Wilderness” ist man als Hörer fast ein bisschen pikiert ob des so schamlosen Pop-Kitschs. Genau, für Kitsch muss man wirklich eine Schwäche haben, sonst wendet man sich letztlich mit Grausen von der Neuerfindung der vier verschmitzten Typen ab. Hat man eine solche aber, findet man hier ein Stück weit Offenbarung.

“Mine Is Yours” erscheint am 28. Februar bei Coop/Universal.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Angelika Express – Die dunkle Seite der Macht

angelika-expressAngelika Express sind Robert Drakogiannakis und Band. Die Besetzung wechselt bei Letzterer, die Vision bleibt erhalten. Auf dem zweiten Album nach dem runderneuerten Comeback “Goldener Trash” häuft sich jene Vision erneut fast zu ihrer eigenen Vollendung auf. Der Power-Pop von Angelika Express war dabei schon immer – im besten Sinne – Stress. Hoch getaktete Beats, diverse Ereignisse in jedem Song, ständig gute Textzeilen, die man mitkriegen muss. “Die dunkle Seite der Macht” besitzt sogar derart viel Interessantheit, dass es mitunter erschöpft und man sich nach einem Filler oder einer leicht verschnarchten Ballade sehnt. Kommt aber nicht! Nichts verpassen! Highlight auf jeden Fall der Song über den steilen Zahn aus der Union und wie das lyrische Ich ihm verfällt. Mit der brillanten Hookline “die Schlinge zieht sich zu / CDUUUUUU!”. Ebenso erwähnenswert das Stück mit Aydo (Ken, Ex-Blackmail) am Gesang. Und so vieles mehr. Bis auf das fehlende Verschnaufen kann man dem Album nichts vorwerfen. Vielmehr muss man es preisen für seinen irre dichten Glanz.

“Die dunkle Seite der Macht” ist bereits bei Peng Musik/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Wye Oak – Civilian

wye-oakAuch wenn die Vorgängeralben bereits Schönheit andeuteten, die ganze Kraft ihrer Live-Performances haben Wye Oak mit „Civilian“ endlich auch in Gänze auf Albumlänge ausbreiten können. Zehn Songs, die aus der Welt fallen. Andy Stack am Schlagzeug und Keyboard und Jenn Wasner an der Gitarre und mit zerfasertem Gesang – Das genügt, um eine ganze Welt aus den Kontinenten Built To Spill, Sonic Youth, Folk und Dreampop zu erschaffen. In klassischer Mit-Neunziger-Lakonie rotten sich die Ideen zu Songs zusammen und vermeiden dabei elegant den typischen Fehler der Neo-Shoegazer allerorten, denen Geschwindigkeit als Allheilmittel dient. Nicht so bei dem Duo aus Baltimore, das selbst bei schnelleren Stücken wie „Holy Holy“ jegliche Anbiederung an den feisten Überschwang vermeidet und lieber auf die sicherlich tausendfach gehörten Akkorde von „Daydream Nation“ zurückgreift, bevor es in eine zünftige Indie-Kirmes ausartet. Die würdevolle Stimme Jenn Wasners tut ihr Übriges. Tolles Album, sowohl für Erinnerer als auch Spätgeborene.

“Civilian” erscheint am 7. März bei City Slang.

Wye Oak – Civilian by cityslang

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The Go! Team – Rolling Blackouts

the-go-teamLos geht’s, ab geht’s: The Go! Team legen eine weitere Verteidungsschrift für die Schönheit der Penetranz vor. Mit „T.O.R.N.A.D.O.“ beginnt der Vollgastrip als Kickstart – The Go! Team sind ein Musik gewordener Rennstreifen, schön, kein Stück subtil und einigermaßen funktionsfrei. Der durchgedrehte Adrenalinpop ist ohne Grund auf 180, wie immer gibt es keine Dramaturgie, die den Zustand permanenter Aufgeregtheit rechtfertigen oder erklären würde. Darum ist The Go! Team eine Singles-Band. Allerdings was für eine: „Buy Nothing Day“, die Kollaboration mit Best Coasts Bethany Cosentino, zeigt, was für eine Band auch in The Go! Team steckt, stellt man dem Kollektiv eine Frontfrau mit Rampensauqualität voran. Der Song, der vertrudelten Neunziger-Mädchenindie von Juliana Hatfield und Liz Phair hinter eine massive Wall Of Sound aus Beatles-Bass und Jangle-Gitarren setzt, mag der bislang beste Song beider Künstler sein. Hier rührt etwas unter der Oberfläche. Dabei geben sie sich solche Mühe, dass man dort nicht hinsehen kann.

“Rolling Blackouts” erscheint am 28. Januar bei Memphis Industries/Rough Trade.

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The Extra Lens – Undercard

the-extra-lensJohn Darnielles Songwriting ist über die Jahre nicht besser geworden: Auch frühere Mountain-Goats-Songs wie „The Best Ever Death Metal Band Out Of Denton” sind nahezu perfekt. Nur die Umsetzung hat sich stark geändert. Der ehemalige Lo-Fi-Schnellschlunzer nimmt sich inzwischen Zeit für eine gescheite Produktion; man kann ihn seit einiger Zeit sozusagen seinen Eltern vorstellen. Für das Projekt The Extra Lens hat er sich mit dem Singer/Songwriter Franklin Bruno zusammengetan, der bereits auf dem ersten „geschliffenen” Mountain-Goats-Album „Tallahassee” mitwirkte. Das Ergebnis ist allerdings unverkennbar Darnielle: mit naivem Charme vorgetragene, aber höchst verheerende Texte über frei schwingenden Indierock- und Folkpoparrangements – die diesmal noch ein Stück reicher und unberechenbarer sind.

Den Albumtrack “Only Existing Footage” (Download) zum Einsteigen ins Extra-Lens-Universum:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

“Undercard” ist bereits bei Merge erschienen.

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Jens Friebe – Abändern

abaendern_cover„Denn ich bin wie der alte Mann in ‚Der kleine Lord’, nur eben ohne kleinen Lord.” Der Preis für die schönste Umschreibung des Begriffs „Einsamkeit” geht diesen Monat an Jens Friebe. Da fielen einem allerdings noch so ein paar Auszeichnungen ein. Leider auch die für die blödeste Coverversion: Nein, hinter dem Vengaboys-Stampfer „Up & Down” versteckt sich gewiss kein guter Song, auch wenn man ihn auf dem Klavier spielt. Der ist nur auf der Platte, weil man „up and down” eben auch wie „abändern” singen kann. Wie meta, wie langweilig. Sonst sind keine Ausfälle zu beklagen: „Charles de Gaulle” dürfte Friebes bislang größter Popmoment sein, der Rest ist schnodderig-lakonische Problemeinkreisung mit Piano und wie immer wunderschön. Wenn man denn Friebes alltagsinfizierten Romantikbegriff teilt.

“Abändern” ist bereits bei ZickZack/What’s So Funny About.. erschienen.

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Allo Darlin’ – Allo Darlin’

230609981Was hat uns von Belle & Sebastian einst noch mal so abhängig gemacht? Am ehesten die wunderschön inszenierte Harmlosigkeit. Liebliche Songs, denen Unvorhergesehenes fremd war. Die nur einlullen wollten, sodass selbst die gar nicht wenigen schnelleren Stücke wie die Superzeitlupe eines Hugh-Grant-Films wirkten. Mit Allo Darlin’ gibt es nun reichlich unverhoffte Erben jenes Kuschel-Gestus’. Schon die nicht auf dem Debütalbum enthaltene Vorab-Single („Henry Rollins Don’t Dance“) öffnete die Assoziations-Tür zu Belle & Sebastian weit. „My Heart Is A Drummer“ oder „Dreaming“ untermauern nun das Kapital des mehrstimmigen, multiinstrumentalen Schmacht-Pop – die britischen Medien haben natürlich eh schon angebissen.

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Und dass es bei und auf „Allo Darlin’“ textlich oft banal zugeht? Etwa kontextlos Verse aus Johnny Cashs „Walk The Line“ oder das offenbar unvermeidliche „Qué Será, Será“ angesungen werden? Nur kleine Schönheitsfehler. Wer herausgefordert werden will, hört sowieso etwas anderes. Hier spielt die Shuffle-Jukebox geschmackvolle Indie-Seifenoper-Soundtracks.

“Allo Darlin’” erscheint am 3. September bei Fortuna Pop/Cargo.

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Lissie – When I’m Alone

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