Beiträge zum Stichwort: Indie

Placebo – Battle For The Sun

23055433Das Cover ist ja wohl legendär hässlich, die aktuelle Frisur von Molko unscharf, und die erste Single rauscht mehr oder weniger vorbei. Gibt’s nicht auch Positives zu vermelden? Doch: Ein neuer Schlagzeuger ist on. Wohl dem, dem das reicht … Was ja an Bands und ihren Sprachrohren (zum Beispiel Musikmagazinen) nervt, ist der ewige Impuls, das aktuelle Album zum Maß der Dinge zu machen. Klar, das Neuste ist das Beste, wer lügt sich das bei seinem eigenen wie auch immer gearteten Output nicht selbst regelmäßig vor? Nur bei Bands, bei denen diese Aufwärtsbewegung so offensichtlich nicht stimmt, fühlt man sich – gerade, wenn der Mist schon Jahre in gefälliger Agonie verbringt – verarscht. Wie eine Platte wirklich ist, erfährt man grundsätzlich ein Album später. Dann heißt es nämlich plötzlich: “Ja, wir wollten nicht mehr so scheiße klingen wie vor zwei Jahren, das war irgendwie nix.” Mmh, macht man sich die Mühe, das in Magazinen von vor zwei Jahren nachzuprüfen, klingt es natürlich ganz anders. Okay, worauf ich hinauswill, dürfte klar sein. Auf die aktuellen “Alltime-Highs” von Eminem, Depeche Mode oder auch (neu dabei) Billy Talent zum Beispiel. Ja, oder eben Placebo. Die lassen gerade wenig gute Worte an ihrem Vorgängerwerk, und diese Selbstkritik soll davon überzeugen, dass mit “Battle For The Sun” nun aber wirklich wieder die alte Stärke Ausdruck findet. Quatsch. Bevor Sie es erst in zwei Jahren lesen, sage ich es schon mal jetzt: Ehrlich dröges Spätwerk, dessen Singles kaum noch in den eigenen Kanon Einzug halten werden und dessen Filler auch wirklich welche sind. Dabei haben sexy Molko und sein Adlatus Stefan Olsdal einen neuen jungen Schlagzeuger, mit dem ihnen (so gehört in diversen Interviews) die Bandhuberei weniger langweilig vorkommt als zuletzt. Das glaube ich ihnen auch, ihr 1Live-Gig im Kölner Gloria besaß wie immer messianische Züge, die Gitarrenwände schienen noch höher als sonst. Dennoch spiegelt sich dieser Rückgang an Bocklosigkeit nicht im Songwriting wider. Erwähnenswert sind lediglich abgemilderte Depeche-Mode-Stahltrommeln zwischen “Master & Servant” und Kuhglocke, und auch den neuen Drummer hört man raus – aber aus dieser Kosmetik viel Begeisterndes zu ziehen ist eher was für echte Nerds und Sound-Puristen. Zudem gibt es das hässlichste Cover der Bandgeschichte, und die aktuelle Matte von Molko stellt leider einen seiner unschärfsten Looks dar. Schade, schade, egal. Placebo müssen keinem mehr was beweisen. Was auch gut so ist, denn mit dieser Platte gelänge es nämlich wirklich nicht.

“Battle For The Sun” ist bereits bei Pias/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Enter Shikari – Common Dreads

23055400Mitten im Auge des Genre-Hurrikans aus Europe, Eurotrash, HC, Bombast-Pop und Indie befindet sich dieses Album – und macht trotzdem (seinen eigenen) Sinn. Ach, Enter Shikari gibt’s ja auch noch. Vor zwei Jahren waren ihre drogenreichen Wahnsinns-Performances der place to be. Europe- bzw. Eurotrash-Keyboards gemixt mit Hardcore. Genauso heiß wie die Kerze, die an allen beiden und noch einem zusätzlichen Ende brennt. Und daher im Verdacht, als Witz für eine Nacht zu enden (wenn auch als extrem guter). Enter Shikari entschieden sich aber dagegen, ein One-Way-Gimmick zu sein – und machen weiter. Und es funktioniert. Statt denselben Witz noch mal zu erzählen, haben sie daraus mittlerweile eine ganze Nummernrevue gemacht. Der Song “Juggernauts” zum Beispiel beginnt mit Tüdel-Keyboard-Mist, geht dann in die Knüppelei über, doch da ist noch nicht mal die erste Minute um – Zeit genug, auch noch Indie und The-Streets-Sprech-Slang zu verwursten, um zum Schluss dem The-Killers-Bombast-Rock nach dem Mund zu reden. Mitten im Auge des Genre-Hurrikans befindet sich dieses Album. Und alles passt ineinander. Der Flickenteppich strickt lustvoll seine eigene Sinnhaftigkeit. Knaller.

“Common Dreads” ist bereits bei Warner erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix

41o91fay9l_ss500_Man fällt leicht dem Trugschluss zum Opfer, dass bei Phoenix 2009 alles beim alten ist. Pustekuchen. Phoenix entwickeln sich bloß relativ langsam. „Wolfgang Amadeus Phoenix” ist immer noch geradezu unmenschlich präziser Gitarrenpop, das flache Juchzen von Thomas Mars ist dasselbe geblieben. Dazugelernt haben Phoenix allerdings in Sachen Dramaturgie und Bandbreite der Songs, der Schriftartenwechsel auf dem Backcover ist mehr Statement als grafisches Element. Groß Wesensveränderndes ist dabei nicht auszumachen. Von der Kunst auf dem richtigen Weg zu bleiben ohne stehen zu bleiben, viertes Kapitel.

“Wolfgang Amadeus Phoenix” ist bereits bei V2/Cooperative/Universal erschienen.

YouTube Preview Image

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Dirty Projectors – Bitte Orca

31paon-mlcl_ss500_Musikalität lässt sich nicht quantifizieren, nach dem Motto: je mehr Noten, umso besser. Manchmal reichen drei Akkorde. Der sensorische Overload, den die Dirty Projectors entfesseln, hat also nicht aufgrund seiner unerhörten Komplexität bereits jetzt den Fahrschein in die Jahresbestenlisten 2009 gelöst. Dort wird „Bitte Orca” landen, weil die Songs gegen jede Wahrscheinlichkeit einen solch brachialen Sog entwickeln. Alles muss, bis nichts mehr geht: Folk-Pickings, R’n'B-Samples, Avantgardestreicher, Weltmusik, Indierock, you name it. Ein Album, dessen monströse Intelligenz nicht abschreckt, sondern einlädt.

“Bitte Orca” erscheint morgen bei Domino/Indigo.

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Sonic Youth – The Eternal

51cgns2dql_ss500_Nerds just want to have fun: Für ihr fünfzehntes Studioalbum haben Sonic Youth die für sie typische Klangforschung in den Hintergrund gerückt, um vergleichsweise gerade Songs zu schreiben: Seit den als kommerziell verschrienen Platten „Goo” und „Dirty” haben Sonic Youth nicht mehr so unverstellt gerockt wie heuer. Songs wie „Sacred Trickster” oder „What We Know” sind Musterbeispiele für Dynamik und Effizienz. Dafür ist „The Eternal” wohl das Album mit den offensichtlichsten Selbstzitaten. Sei’s drum, wer es schafft, dass eine kreative Verschnaufspause so gut klingt, darf auch mal Dienst nach Vorschrift machen.

The Eternal” erscheint heute bei Matador/Beggars/Indigo.

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Grizzly Bear – Cheerleader

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Als Vorboten ihres am 26. Mai auf Warp erscheinenden Albums namens “Veckamtomist” (Wer denkt sich denn sowas aus?!”), verschenken die Herren von Grizzly Bear den somnambul dahinwabernden Song “Cheerleader”. Ein sehr feines Stück Musik.

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Great Lake Swimmers – Everything Is Moving So Fast

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“Lost Channels” heißt das am 31. März erscheinende Album der Folk-Band aus Toronto. Prima Stoff der Great Lake Swimmers!

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Mando Diao – Give Me Fire

23052972Ein neues Album von Mando Diao. Immer auch eine Zerreißprobe zwischen irrsinnigem Spektakel und totaler Egalheit. Wobei die Grenzen bei all dem längst verwischt sind: Denn so belanglos eine neue Platte sogar einigen derer erscheint, die sich aber bereits jetzt schon auf das Konzerterlebnis der Schweden dieses Frühjahr freuen, so interessiert ist auch der eine oder andere Mando-Diao-Verächter am nächsten Indie-Tanzflächenhit der durchgefeierten Arrogantis. Das ist eben Blockbuster-TV, der nächste Teil von “Fluch der Karibik” kommt bestimmt. Nur bei Mando Diao ist er halt schon da. Diesmal im Detail etwas weniger Sixties-Beat und dafür mehr Siebziger-Schweden-Soul, mehr Groove und Bläser – weniger Garage. Aber fuck, was braucht ein Blockbuster denn Details? Wichtig ist für ihn eher, dass er nicht zu mechanisch und routiniert rüberkommt. Dann ist nämlich schnell mal emotional “Pearl Harbour” und nicht mehr “Titanic” angesagt. “Give Me Fire” nimmt diese Hürde nur mittelgut. Kunststück, schließlich ist Skandinavien High-End-Checker-Rock nicht gerade dafür bekannt, auch nur einen Funken kühle Perfektion auszulassen. Und an den meisten Stellen hört man das dann auch. Perfekter Blockbuster mit ästhetischer Nuancenverschiebung. Und wenn man in einem Jahr gefragt wird, ob man in dem Film drin war oder doch nur die Ausschnitte gesehen hat, kann man sich kaum noch erinnern.

“Give Me Fire” ist bereits bei Vertigo/Universal erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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Casiotone For The Painfully Alone – Old Panda Days

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“Advance Base Battery Life” wird das neue Album von Casiotone For The Painfully Alone, dem Drama-Projekt von Owen Ashworth, heißen. Bestehend aus Cover-Versionen, bisher unveröffentlichten Songs und… “Old Panda Days”. Sehr schöner Track!

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Olli Schulz – Die ganze Welt in einem Mann

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Rock-Nummern wie „Ab jetzt tut’s mir nur noch weh“ und Quatsch-Songs wie „Bibo“. Olli Schulz hat auf seinem neuen Album „Es brennt so schön“ die ganze Palette abgeliefert. Und zudem sehenden Auges die deutsche Antwort auf „Live Forever“ geschrieben. Warum sein neues Werk trotzdem nicht „Die große Olli Schulz-Platte“ heißt, verrät er uns auch noch. Ein Teufelskerl.


„Es brennt so schön“ – Brennt es in dir oder sitzt du da und genießt das äußere Brennen?

Es brennt alles so schön. Manchmal sitzt man da und denkt sich, dass alles so hoffnungslos ist. Stellt sich dann so Fragen, ob man in diese Welt überhaupt Kinder setzen kann. Alles ist negativ, komplett. Und in solchen Momenten schreibe ich solche Lieder wie das erste mit so Zeilen wie „Die Guten die bluten, weil die Schlechten sie knechten und der Rest stirbt langsam aus.“ Aber dann folgen auch wieder Momente, in denen das Leben sehr gut zu einem ist. Und daraus ergibt sich dann ein Stück wie „Ewig leben“. Ich will nicht nur melancholische Lieder machen oder nicht nur witzige. Das ist alles in mir drin.

Im letzten INTRO-Interview hast du dich als „multiplen Typen“ bezeichnet. Welche Persönlichkeit des mehrköpfigen Olli Schulz gibt’s denn auf der neuen Platte zu erleben?

Das sollte ne geile Rockplatte werden. Nicht so dieses „Ich bin der depressive Typ und sitz in meinem Zimmer und draußen schneit es gerade.“ Die letzte Platte war ziemlich melancholisch und zurückgenommen für meine Verhältnisse. Und die neue sollte auch mal wieder so einen cheesy Pop-Song wie „Geheimdienst“ haben. Weil es mein erstes Solo-Album ist, sollte von allem was drin sein, was ich bisher gemacht habe. Und das zu einem großen Ding vereinen. Der Arbeitstitel war zunächst „Die große Olli Schulz-Platte“, aber das wäre dann wieder so Otto-mäßig gekommen.

Am Beginn des Albums rotzt du mit „Ab jetzt tut’s mir nur noch weh“ aggressiv wie nie. Woher kommt die Wut?

Die Aggressivität ist schon ein Ausdruck dessen, dass ich letztes Jahr ganz schön genervt war. Dass man von Leuten hört, dass man es jetzt es endlich schaffen müsse. Das hat mich sehr erstaunt. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass bei allen Menschen, egal ob sie aus dem so genannten Indie-Umfeld stammen oder nicht, ab einem gewissen Alter ein unglaublicher Druck entsteht. Ich war zum Beispiel letztes Jahr auf Tour und habe einen Abend mal nicht so auf Entertainer gemacht, sondern eher ruhige Stücke gespielt. Da kam jemand zu mir und meinte: „Olli, so wirst du es nie schaffen.“ Und ich: „Was schaffen?“ Ich bin Künstler, ich mache das, was ich für richtig und wichtig halte. Ich wollte nie Weltstar werden oder dieses Land vereinen. Und dann kotzt mich das an, dass es dann anscheinend doch nur darum geht, viel Geld zu verdienen, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen und ein Leben mit möglichst viel Sicherheit zu verbringen. Und das bei Leuten, bei denen ich das echt nicht erwartet hätte. Den Beitrag weiterlesen »

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