Beiträge zum Stichwort: Intro

Unten mit Fuchs (ohne Weiland)

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Da wohnt man schon “in der Nachbarschaft”, aber kriegt sich und Kollegen Weiland nicht unter einen Hut. Der Urban Jungle würgt mit schweren Lianen. Also gibt’s die monatliche Kolumne für INTRO diesen Monat ausschließlich von mir. Wer es lieber haptisch mag, kann “das Ding” (O. Kahn oder V. Schmitt) in der März-Ausgabe nachlesen.

Kettcar – Fliegende Bauten Live (Grand Hotel van Cleef)
Warum hat sich Marcus Wiebusch bisher eigentlich immer live hinter den Gitarrenwänden versteckt? Bis auf Streicher und Akustikinstrumente entkernt trägt seine Stimme doch auch auf wunderbare Weise. Fast schmerzvoll integer setzen die Songs dieses Live-Albums ein Ausrufezeichen hinter so schöne Stücke wie „Balou“, „Money Left To Burn“ oder „Graceland“. Top!

Das Gezeichnete Ich (EMI)
Ein nobler Ansatz: Deutschsprachige Popmusik ohne Angst vor den pompösen Klängen und den großen Gesten. Musikalisch ist’s ab und an wirklich fein 80s-Pop-induziert, aber textlich bleibt es bei bedeutungsschwerem Getöse. Hass wird zu Liebe, Segel werden gesetzt und so weiter. Ein feingeistigerer Naidoo, mehr Pet Shop Boys als Ich+Ich. Wem es reicht – mir nicht.

Pete & The Pirates – Little Death (Little Teddy Recordings)
Selten doofer Name, aber ein luftiges und angenehmes Debüt. Die Jungs aus Reading füllen nach diversen Singles in UK ihren ersten Longplayer hierzulande mit einem guten Dutzend flotter Indie-Rock-Songs, denen eine unschuldige Catchyness innewohnt. Auch wenn man diese Art Handclap-Pop schon tausend Mal gehört hat, macht es dennoch gute Laune. Charmant, charmant.

Lonelady – Nerve Up (Warp)
Bittersweet Symphonies: Manchester hat schon viele düstere Pop-Stars ausgespuckt: The Fall, Joy Division, Morrissey. Julie Campbell alias Lonelady ist die nächste in der Reihe, die den morbiden Charme ihrer Heimatstadt in Songs presst. Intensive Songs, dunkle Gitarren voller Schönheit und herzzereißend melancholische Texte. Ein Debütalbum, das Guy Fixsen als Produzent auf clevere Weise roh gelassen hat.

Guts – Freedom (Pura Vida)
Erfrischendes Gesample mit Schmiss. Leider etwas zu beliebig, um an das Debüt „La Bienhereux“ heran zu reichen. Partymusik, zwischen 23.30h und 00.30h anzusetzen.

Grand Avenue – Place To Fall (Globe Art Group)
Manche Pressetexte haben den Charakter einer Selbstbezichtigung: „Die dänischen Alternative Pop Rocker, die insbesondere bei den weiblichen Musikfans derzeit als eine der attraktivsten Newcomerbands überhaupt gehandelt werden.“ Jaja, diese weiblichen Musikfans! „Speziell beim weiblichen Publikum punktet der attraktive Sänger.“ Hört hört! Aber auch die Herren der Schöpfung scheinen beim skandinavischen Indie-Malen-nach-Zahlen steil zu gehen: „Beim männlichen Konzertpublikum gilt Hansen [...] für seine souveräne Art, alles haben und erreichen zu können, was er nur möchte, als wahres Mysterium.“ Weißer Mittelklasse-Pop mit phallischem Gewinsel. Mit Verlaub: der letzte Dreck.

Dead Western – Suckle At The Supple Teats Of Time (Discorporate Records)
How traurig can Folk go? Dead Western alias Troy Mighty schlägt mit Akustikgitarre, vibrierendem Cello und singender Säge ein neues Kapitel der Düsterheit auf. Intensiv wie die Hölle und bitte nicht in seelisch angeschlagenem Zustand hören. Dann gibt einem dieses Album den sanften Schubs über die Klippe.

Sharam Jey – In My Blood (King Kong Records)
Nervöse Beats mit ein bisschen Princess Superstar würzen und linkisch Daft Punk-Anleihen klauen. Ohje, jetzt kommt auch noch der funky Part. Überzeugt mich in seiner angeberischen Gewolltheit leider nicht.

Todd – Big Ripper (Riot Season)
Dringende Kaufempfehlung für Nachbarschaftsstreitigkeiten. Mit diesem infernalischem Gebrüll werden Sie auch renitente Zeitgenossen im Handumdrehen los. Riot, Ugga-Agga, Geknüppel. Ist das Metal? Mal Volkmann fragen.

Wallis Bird – New Boots (Columbia / Sony)
Auf dem Cover fliegen bunte Federn aus einem grünen Schuh. Was will uns das sagen? Vermutlich nichts. Schließlich ist auch das Songmaterial ohne jeglichen Tiefgang. Die irische Sängerin röhrt, an den Gitarren wird geschuftet. Bei „New Pop“-Festivals kommt dieses innovationsferne Gekeife im Stile einer Alannah Myles sicherlich prima an. Fetzig und nachdenklich bekommt jede Rockröhre ihr Publikum, das sie verdient.

Dominique A – La Musique (Le Pop Musik)
Der Vorzeigemusiker des „Nouvelle Chanson“ tut das, was er in fast 20 Jahren zur Perfektion geführt hat: Ausschweifende Pop-Miniaturen fabrizieren, deren Poesie auch mit leidlichem Schul-Französisch erkennbar ist.

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Zweikanal: Ins neue Jahr mit Fuchs und Weiland

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Fionn Regan – The Shadow Of An Empire (Heavenly Records / Cooperative Music / Universal)

W: „Let’s raise our glasses to Mr. Onassis!“ Das Reimwörterbuch hätte ich auch gerne.

F: Würde auch als Akustik-Ansatz funktionieren, aber mit dem tollen Mitgröhl-Modus gehen diese luftigen Nummern noch besser durch. Heavenly-Pop eben.

Galactic – Ya-Ka-May (Anti-Records)

F: Die Bässe sind fett, die Gäste edel, aber der Ansatz ganz schön verwaschen. Außer steifem Nacken bleibt da in einem halben Jahr nichts hängen. Aber es ist ja auch erst heute.

W: Zwischen Straßenzügen voller Blechbläser und Lowridern, die den Bauch auf der Zunge tragen wird hier alles durchgeprügelt, was im HipHop geht. Mittelderbe Skills.

Ninca Lee – There Is No One Else When I Lay Down And Dream (Bureau B / Tapete Records)

W: Erinnert ein bisschen an James „Dntel“ Tamborellis Projekt Figurine. Nur dass der mehr als eine Handvoll Sounds programmieren kann.

F: Ich mag das Geklacker, auch wenn das ansonsten sehr schöne Cure-Cover von „Lovesong“ durch das „wissss you“ eher gen Nico driftet. Aber der dicke Smith würd’s bestimmt mögen.

W: Gerade nochmal davor zurückgeschreckt, aus dem Ding eine astreine Dubnummer zu machen. Find ich aber nicht so schade.

Neil Young – Dreamin’ Man Live ’92 (Reprise Records)

F: Ist denn schon wieder „Live USA“? Ja, das ist schön, ja, das ist wichtig, ja man kann ein guter Mensch sein, ohne Neil Young auswendig zu lernen. Ideales Album, um sich mit geladener Knarre ins Suizid-Zeltlager in die Berge zurückzuziehen.

W: Tausche zehn Bon Ivers gegen einen Neil Young. Auch wenn er gut mit Pearl Jam kann, seine Freunde kann man sich ja manchmal nicht aussuchen, gell, Fuchs?

Le Peuple De L’Herbe – Tilt (Boneplak / Rough Trade)

F: Ach, die gibt’s auch noch. Hätte aber nicht sein müssen, denn dieses Bläser- und Rockgitarren-Gedöns hat im HipHop nix verloren. Da bin ich wertkonservativ. Und wenn man keine Lebensmittelallergie wie Tricky hatte, dann soll man auch nicht so affig ins Mikro keifen.

W: Ach Crossover, du tauchst auch immer noch uneingeladen auf jeder Party auf. So cool wie Leute, die mit Dreißig noch auf Abifeten abhängen.

Oh, Napoleon – To Have / To Lose EP (Universal)

W: Hübsch klassisch arrangierter Gitarrenpop mit Klavier. Mit etwas entrückterer Stimme könnte man einen Vergleich zu Stars ansteuern.

F: Sind aber keine Stars, sondern nur Sterne. Selten so schönen Pop aus hiesigen Regalen gehört, der derart abgewichst international klingt.

W: Demnächst in Ihrem Marienhof, jede Wette.

The Blue Angel Lounge – The Blue Angel Lounge (8MM Musik)

W: The Power of Not Moving. Schön stoisch im Raum stehende Gitarren. Ich kann mir nicht helfen, aber ich nenn das Proberaummusik.

F: Gibt’s jetzt schon Malen-nach-Zahlen-Programme für Velvet Undergound und My Bloody Valentine? Ich ahne ganz schlimmen Live-Gesang, wenn das schon auf Platte nach 15 Hall-Geräten furchtbar scheppert.

The Humans – ?

F: Wärste mal bei „Proberaummusik“ nicht so voreilig gewesen. Was für ein Geknödel.

W: The Jon Spencer Blues Knallerbsen.

F: Die Myspace-Adresse hat den Charakter einer Selbstbezichtigung „The Humans From Germany“. Schuldig im Sinne aller Anklagen.

Metronomy – Pip Paine – Bonus Version (Because Music)

W: Re-Issue des Metronomy-Debüts von 2006. Indie-Elektro-House-Hybrid mit guten Ideen, der seinen Pop-Appeal aber nur mit etwas Geduld preisgibt.

F: Ich find’s öde. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur kein „Freund hochwertigen Laptop-Electros“. Für diejenigen soll das Album nämlich laut Presseinfo ein „Must Have“ sein.

W: „You Could Easily Have Me“ ist aber ein Hit.

Jello Biafra And The Guantanamo School Of Medicine – The Audacity Of Hope (Alternative Tentacles / Cargo Records)

W: Das „Hope“-Plakat aus dem Obama-Wahlkampf wird auf dem Cover zu „Hype“ umgedeutet. Yay, Punk!

F: Hundert Prozent Biafra. Da kann jetzt jeder mitnehmen, was er mag.

Diverse Interpreten – Silver Monk Time – A Tribute To The Monks (Play Loud! Productions)

F: Ich versteh’s nicht, aber wenn Bands wie die Zitronen Monks-Klassiker nachspielen, bin ich auch gerne Kraut. Why not?

W: Bis auf Leute wie Barbara Manning und Fehlfarben extrem elektrolastige Compilation. Muss man als Beatband auch erst einmal provozieren.

Tindersticks – Falling Down A Mountain (4AD)

F: Fantastisches Album, vielleicht sogar ihr bestes. Dunkle Gedanken, regennasse Straßen, viktorianische Lesezimmer mit schweren Teppichen. Wie aus einer anderen Welt.

W: In meiner trinkt man Bier aus Flaschen. Das musikalische Äquivalent zu jemandem, der lange, druckreife Sätze spricht zu Themen, die mich nicht interessieren. Kein Wunder, dass dir das gefällt.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Zweikanal: Fuchs und Weiland tun es schon wieder

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Und schon zum dritten Mal gehen Fuchs und Weiland für Intro steil. Unangenehme Randnotiz: der andauernd kompetent reinquatschende Rauen. Nächstes Mal besprechen wir das doch besser wieder bei Penny.

The Feelies – Crazy Rhythms & the Good Earth (Domino)
F: Re-Release einer der wichtigsten Bands der 80er. Also in Indie-Zusammenhängen. Verkauft haben die Jungs aus New Jersey wahrscheinlich nur 500 „Einheiten“.
W: Ja ja, und jeder Käufer hat eine Band gegründet, das Velvet-Underground-Syndrom. Mein Plattenschrank ist voll von denen. Meine Hornbrille juckt.

V.A. – Relish EP (Relish)
W: Die Synthese aus Christian Bruhn und Safri Duo. Ist mir zu Bongo, Karl.
F: Headman ist mit seinem Disco-Sound in den letzten Jahren nur unwesentlich wummiger geworden. David Gilmour Girls könnte auch Karl Theodor zu Guttenberg bei der Afterhour auflegen. Was natürlich nicht despektierlich gemeint ist. Der Groove ist ja die Zärtlichkeit der Konservativen.

Doom – Unexpected Guests (Gold Dust)
F: Ah, der Mann, von dem Sido die Maske geklaut hat. Bellender HipHop mit Talib Kweli und Ghostface. Mag ich.
W: Der inszeniert sich gerne als Comic-Superbösewicht. Sowas mag ich ja. Die Wilde Maus auf dem Rummel manipulieren und so. Das hier ist aber eher was für die Geisterbahn. Cool.

Mittekill – Wasser oder Wodka (Modul 8 Music)
W: Sowas wird heute ja normalerweise nicht mehr gemacht. Das hat mit dem Mangel an ZDF-Weihnachtsserien zu tun. Catchy Casio auf Autopilot.
F: Da reißt auch der Remix von Hans Nieswandt nix mehr raus. Was ist „Mittekill“ überhaupt für ein bescheuerter Name? Klingt nach Berliner Jugenddrama mit Jimi Blue und Adolf Beige Ochsenknecht.
W: Auch in den Achtzigern hat man nicht über seine eigenen Witze gelacht, Fuchs.

The Leisure Society – A Product Of The Ego Drain EP (Pias)
F: Ach, wie schön. Ideal, um die Felder seiner Farmville-Ländereien abzuernten oder im „Real Life“, wie wir Slotderdijk-Jünger sagen, fröhlich pfeifend in die Rabatten zu pinkeln.
W: Um mal was Konstruktives zu sagen: Klingt wie eine Elephant-Six-Band, passt so geschmeidig zwischen The Essex Green und The Ladybug Transistor wie ein eingeölter Schlangenmensch. Hier hat gerade jemand Bacharach gesagt.

Magnum 38 – A Tribute To Grace Jones (Tigerbass)
F: Tribut für eine Künstlerin, die ich nicht verstehe mit einem Sound zwischen Justice, New Order und Discoboys, den ich nicht mag.

Taxi Taxi! – Still Standing At Your Back Door (Fierce Panda / Cargo Records)
W: Fuchs liest hier gerade vor: Zwillingsschwestern, 19 Jahre alt, Schwedinnen. Der Bandname ist irre schlecht, aber die Musik reißt’s raus. Sagte ich die Musik? Ja ja, die Musik. Ist so Folk, oder?
F: Sind bestimmt die Töchter von Edie Brickell. Die kennt ihr Hipster aber auch nicht mehr. Furchtbar langsam, furchtbar schön. Wird ja auch wieder Herbst. Soviel zum Wetter.

The Wave Pictures – Leave It Alone (Moshi Moshi / Cooperative Music / Universal)
W: Dieses Neil-Hannon-mäßige Zittern in der Stimme mag ich. Marschiert in omifreundlichem Schritttempo in den Sonnenuntergang.
F: The Wave Pictures sind ja das große Versprechen, die bittere Romantik in die britische Popmusik zurück zu bringen. Halten das aber nur bedingt ein.

Chad Smith’s Bombastic Meatbats – Meet The Meatbats (Ear Music / Edel)
F: Reicht mir schon nach fünf Sekunden. Mucker-Mucke.
W: Ich hab im Infoschreiben nach dem Wort „Supergroup“ aufgehört zu lesen. Der „Langzeitschlagzeuger von Red Hot Chili Peppers“ klingt auch eher nach Strafe als Auszeichnung. Irgendwie nach Einzelhaft und Daumenschrauben.

Atomic – Sunshine Bliss/Boy On The Run Again (Redwinetunes)
F: Oha, Weiland grummelt schon auf dem Weg zum CD-Player was von „Oasis“-Arschlöchern. Bestätigt sich aber nicht. Mehr die Gude Laune-Euphorie 1996. Supergrass, Midget, Perfume, Spacemaid. Gefällt mir ausnehmend gut, aber Opa findet ja auch den Krieg okidokili.
W: Der Reinrufer warf gerade „Hope Of Deliverance“ in den Raum. Großes Gelächter.

Moonbootica – Save The Night (Moonbootique Records)
W: Fuchs freut sich über die schwitzige Schlüpfrigkeit des Anschreibens. Ich glaub, ich dreh mal die Heizung hoch.
F: Ach, ich mag die ja. Stimmiges Club-Gefühl. Darf ich meinen Rollator bis morgen bei dir parken und wir gehen noch auf Piste?
W: Mit den Puschen lassen die dich doch nirgends rein.

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Unten mit Fuchs und Weiland (2)

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Und weil’s so schön war, gleich noch einen hinterher. Fuchs und Weiland haben sich wieder getroffen und Musik gehört. Natürlich nicht für umme, denn noch hat Die Linke nicht gesiegt. Sondern für Intro. Erscheint dann dort in der Oktober-Ausgabe. Bitte trotzdem kaufen…ach ne, ist ja gratis. Ist Hörstmann bei der Linken?! Fragen gibt’s…

Dellé – Pound Power (Downbeat / Warner)

F: Nach Boundzound und Peter Fox will jetzt also auch Dellé von Seeed an die Fleischtöpfe. Und klaut tüchtig bei Patrice.
W: Ich dachte, Auto-Tune sei tot. Anscheinend nicht. Untot also.

Early Day Miners – The Treament (Secretly Canadian / Cargo Records)

W: Orgeliger Indiefolk mit ein bisschen zuviel Bock auf Arrangement. Wäre doch nicht schlimm, wenn in der Strophe auch mal soviel Interessantes passieren würde wie in den Intros.

Little Dragons – Machine Dreams (Peacefrog)

W: Lässt an steile Frisuren in der Rollschuhdisko denken. Wenn man den Geruch von Haarspray mag, geht das voll in Ordnung. Nicht FCKW-frei.

Cluster & Eno – Cluster & Eno (Bureau B)

F: Das erste in Deutschland produzierte Ambient-Album. Historisch bestimmt extrem wichtig, aber ich hätte mit 1977 wohl eher ne Stricknadel durch Backe gerammt und Helmut Schmidt gehatet.
W: Irgendwo zwischen Robert Wyatt und lobotomierter Charlie-Brown-Musik.

Diverse Interpreten – Cuncretejunglerecords.com – Punk Volume III

F: Wieso müssen wir denn Punk besprechen? Ich dachte, bei Intro hätte da Volkmann die Exklusiv-Rechte.
W: Outsourcing, ich hab schließlich auch mal Jeansjacken getragen. Rebellischer war ich nicht. Die Bands hier aber auch nicht.

Ulme – Tropic Of Taurust

W: Tiefgelegter Noiseschlamm, der ziemlich an Dave Sardys Barkmarket erinnert. Ist aber dafür noch zu ganz. Also im Gegensatz zu kaputt.

Del The Funky Homosapien & Tame One – Parallel Uni-Verses (Gold Dust)

W: Mr. Dobalina, Mr. Bob Dobalina.
F: Ah, dicke Backen, weil keine Ahnung. Hieroglyphics hier, Articafts da. Macht Bock und erinnert ganz stark an das Deltron 3000-Album.

Fat Freddy’s Drop – Live At The Matterhorn (Kartel Records)

F: Vier Stücke auf 70 Minuten??? Ich hab doch nicht gegen Adenauer und Pink Floyd gestimmt, um mich jetzt wieder fertig machen zu lassen.
W: Spannend wie ein Mobilé.

Europe – Last Look At Eden (Ear Music)

W: Geil, das erinnert an den „Godzilla“-Soundtrack. Irgendwo steht jemand im Regen und wird von einem Dinosaurier gefressen.
F: Und erhält im Melodic Harcore-Himmel von Joey Tempest die Absolution. Klingt nicht besser oder schlechter wie vor 25 Jahren.

Diverse Interpreten – Cao My Shing Star – The Songs Of Mark Mulcahy (The Mezzotint Label)

F: Trauriger Anlass, wunderbares Album. Die Frau des Miracle Legion-Sängers Melissa ist gestorben und er braucht jetzt Geld. Also covern Thom Yorke, The National, Michael Stipe, Dinosaur Jr., Frank Black u.v.a. seine Songs.
W: Sehr schönes Tribut und weckt Interesse an dem mir bislang völlig unbekannten Mulcahy.

Cate Le Bon – Me Oh My (Irony Bored / Cooperative Music / Universal)

W: Singer/Songwriting, dem man nicht in dunklen Eckkneipen begegnen möchte. Könnte zu langwierigen Lebensbeichten führen, und den Deckel muss man nachher selber zahlen.

Hercules & Love Affair – Slidetracked (Renaissance / Rough Trade)

F: Andy Butler präsentiert seine Lieblingstracks als Mix. Klingt aufregend, ist dann aber nur Westbam bis Los Kings Del Mambo. Außerordentlich verzichtbar.
W: Für Leute, die ausgehen, überflüssig, für den Rest unerträglich.

Tone – Small Arm Of Sea (PonyRec)

W: Soundsoviel Minuten Musik ungeklärter Herkunft. Zielloser Downbeatsoul, mit dem im Ohr man sich im eigenen Viertel verläuft.
F: Elektronische Singer-Songwriterin aus Dänemark. Das übertrifft fast noch die besten Momente Björks. Gefällt mir ausnehmend gut.

Acidkids – Mitch

F: Als ob Jan Hammer nochmal Steil gehen würde. Wäre gerne bei Ed Banger, isses aber nich. Zweckmäßiges Presetgeplocker.

Baddies – Do The Job (Proper Records / Medical)

W: Das hat schon eine ziemlich genaue Vorstellung, wo es hin will. Große Bühne, Festivalwiese, viele springende Kids. Klappt, aber eher so nachmittags.
F: Ich rieche ne Hit-Band ja auf 1000 Kilometer. Und das hier ist eine. Franz Ferdinand und Klaxons können einpacken.
W: Du meinst in die Tasche stecken, nämlich die hier.

Hell & P.Diddy

M: Größenwahnsinnig. Und funktioniert dabei auch noch. Wie alles bei Hell. Und Diddy macht’s überraschenderweise noch größer.
W: Ein schön trotziges Stück Musik. Brummt, kreiselt und gefällt.

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Unten mit Fuchs und Weiland

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Zu einer immens teuren Auftragsarbeit für die September-Ausgabe des honorigen Intro-Magazins traf sich das Munitionen-Dream Team Marco Fuchs (Foto links) und Michael Weiland (Foto rechts, Abbildung ähnlich) wohlgelaunt und bissfest. Die Anlage wummert, der zu besprechende CD-Stapel wackelt bedrohlich und es kann losgehen!

The Cave Singers / Welcome Joy / Matador / Beggars Group / Indigo
W: Der eine von denen war bei Pretty Girls Make Graves. Steht zwar nicht in der Info, aber weiß ich. „Pretty girls make graves“ ist übrigens ein Scheiß-Song von den Smiths.
F: Diese Hillbillie-Rockerei hier reißt mich auch nicht vom Hocker. Die Platte wird zudem konstant schlechter, Hut ab. Der Nächste, bitte.

Ramona Falls / Intuit / Soulterrain Transmissions
W: Toll, die neue Keane. Ach ne, der Menomena-Sänger aus Portland. Portland ist ja das neue Seattle.
F: Und 2009 ist das neue 1998. Überkandidelt wie Divine Comedy, die als Kinder in den Progrock-Kessel gefallen sind. Halt nur in schlecht.
W: Da hab ich Führerschein gemacht und keinen Alkohol getrunken. Noch’n Bier?
F: Bevor ich bei diesem ostentativen Gitarrenrauschen noch weitere Informationen lesen muss wie „Brent Knopf hat jetzt eine Katze und eine Schokoladen-Abhängigkeit“, gerne.

Nodzzz / ST / What’s Your Rupture? / Cargo Records
W: Anti-Folk ist auch nicht gerade 2009. Find ich aber gut. Dosentelefon statt Mikro.
F: Schön zuhause in San Francisco Jonathan Richmann auf dem Klo gesungen und Beat-Happing und Minutemen gehört.
W: Da hab ich auch so Hippie-Assoziationen mit, darauf bin ich nach meinem Batik-Unfall nicht gut zu sprechen. Im Info steht was von Pavement, ist wie immer falsch, aber immerhin sympathisch.
F: Für sympathische Lügner bin ich zu alt. Weiter. Jetzt kommt der, auf den du dich schon die ganze Zeit freust.
W: Das ist eine Band, Fuchs.

Ruben Cossani / Alles auf einmal / 105 Music
W: Michel Van Dyke von denen hat „Du trägst keine Liebe in dir“ für Echt geschrieben.
F: Gruselige Texte: „Wo sind all die Frauen hin… wo sind sie geblieben?“ Wie Roger Cicero ohne Hut und Jasmin Wagner geknebelt im Kofferraum.

Dial M For Murder / Fiction Of Her Dreams / Tapete Records
F: „Ein dunkles, kraftvolles Manifest eines ständigen Kampfes mit dem Alltag in einer nordeuropäischen Stadt anno 2009.“ Und das auf Tapete! Aber dieses Abklatschen von verzerrten Gitarren und stumpfen Beats gefällt mir. Mit diesem Interpol-Gedächtnisgesang bin ich einverstanden.
W: Mir haben zwei Interpol-Platten gereicht.
F: Es gab drei.
W: LALALA!

Cassius / Youth, Speed, Trouble, Cigarettes EP / Cassiusrecords
F: Von French-House zu Electro-House. Fettes Teil. Erster Release auf Cassius Records.
W: Knallt wie The Go! Team. Platte ist aber auch gut.

Dizzee Rascal vs. Armand van Helden / Bonkers / Universal Music
F: Die brutale Armand-Maschine hat den Track aber auch so was von tiefer gelegt, das schmerzt auf eine angenehme Art und Weise.
W: Ich würde dazu tanzen, aber in keinen Club gehen, in dem das läuft. Soll das da gerade Beatboxen sein? Oder hängt die Platte?
F: Ne, der Club-Mix präsentiert die Asthma-Samples von Herrn Rascal.

Nightmares On Wax / Coming Home / Edel
W: Auf Edel? Mein Gott. Das war mal Warp.
F: Ist ja auch nur ne Zusammenstellung dessen, was George Evelyn so in seinem Penthouse hört: Marvin Gaye, Erykah Badu und Jimmy Cliff. „Wohlfühl-Sounds“ werden einem versprochen und das wird auch prompt verbrochen.
W: Schön ist das Leben im Vintage-Porn. Hab ich nicht genug Sex für.

Porn Sword Tobacco / Everything Is Music To The Ear / City Centre Offices
W: Verlassene Spielplätze, saurer Regen. WDR-Reportage-Musik.
F: Eine Kinderhand streckt sich in schwarz-weiß dem Nichts entgegen. Ich mag so ätherische Blubber-Sounds ja. Allerdings nur so wirklich bei „Selected Ambient Works Vol. 2“ von Aphex Twin.
W: Dieses leiernde Plinkern haben Plaid auch besser gemacht. Haben Sie? Gefällt mir immer besser. Können wir was anderes hören?

The Strange World Of Bernard Fevre / LoAF Recordings
W: Das hat was vom Doctor-Who-Theme. Ist übrigens mein Handy- Klingelton.
F: Da werden sich die UPPM’s-Leute mit ihrer „Nuggets“-Serie ja freuen, dass ein fast 35 Jahre altes Album immer noch bei den Multiplikatoren von heute ankommt. Immer wieder schön zu hören, wo Jean-Michel Jarre geklaut hat.

Camouflage / Space Crackers / Bureau B
F: Ohje, Bietigheims Best mit einem Re-Release aus 95 mit Bonus-Zeugs, das es damals zurecht nicht auf Platte schaffte. Electropop-Nerds sollten sich lieber „The Great Commandment“ nachkaufen.
W: Punkte für den Albumtitel. Mein Opa sagt, das waren die deutschen Depeche Mode.
F: Dein Opa ist ein weiser Mann.

Harmonia & Eno `76 / Tracks And Traces Re-Released / Grönland Records
F: Sehr schön, Soundflächen wie sonnengebräunte Modelrücken. Und tolle Titel: “Luneburg Heath“ und „Vamos Companeros“. Da gab’s doch neulich eine Coverversion.
W: Klingt unfett und mumpfig, oder ist das deine Anlage?
F: Ihr jungen Hüpfer habt eben keine Ahnung. Eno. 1976. Das war das einzige, worum uns die Briten neben geilen Elfmeterschützen jemals beneidet haben. Ach ne, Eno war ja gar kein Deutscher, hat aber Krautrock gemacht. Na egal, jedenfalls das stärkste Album von allen. Und das ist auch noch 1000 Jahre alt.

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