Toronto International Film Festival
14. September 2010
Nicht nur aus Berlin ist bekannt, dass Orange nicht gleich grenzenlose Autorität verleiht. Eins der beiden Fahrräder stand am nächsten Tag immer noch da.
Wenn die Septembersonne sich noch einmal aufschwingt und aus Kanadas blauem Himmel ihr Licht über Toronto wirft, ist das Erlebnis „Toronto International Film Festival“ potentiell gleich doppelt so schön. Wenn, ja, wenn da nicht die dumme Tante Technik wäre, die für einen Fehlstart nach dem anderen sorgt. Die erste Verabredung wird so gleich in den Sand gesetzt: Filme in exotischen Sprachen (hier: hebräisch) sind ohne Untertitel leider nicht einmal halb so spannend, so dass als zweite Wahl am ersten Tag nur ein weiterer Woody Allen-Film bleibt, der dann gleich ganz aus einem anderen Zeitalter zu stammen scheint.
In „You will meet a tall dark stranger“ kommt kein Internet vor, wird noch ständig Taxi gefahren und der Ehebruch fliegt auf, weil er sie zufällig aus einem Hotel herauskommen sieht. Trotz dem – bei Allen kaum verwunderlichen – Charme des Altmodischen, ist das Bemerkenswerte am Film vielleicht vor allem die zerstörerische Kraft des Plots: Ist am Anfang die Welt der Protagonisten zwar nicht gerade im Lot, so hält sie und halten die Protagonisten sie doch mit Mühe noch zusammen. Am Ende ist für fast alle fast alles zerstört und es bleibt lediglich die Gewissheit, dass es keinen Weg zurück gibt. Anthony Hopkins spielt den Geschäftsmann in der Midlife-Crisis mit einem gewissen Spaß, Naomi Watts freut sich am ehesten, überhaupt dabei zu sein und Lucy Punch zitiert die Rolle von Mira Sorvino aus „Mighty Aphrodite“ wie eine Kopie.
Immerhin ein Film, den es beim Festival ohne große Umwege zu sehen gab. Selbst für die akkreditierten Pressevertreter. „Norwegian Wood“ dagegen, die Verfilmung von Haruki Murakamis Roman, war nach zwei angesetzten Terminen und drei Mal Schlange stehen immer noch nicht zu sehen gewesen. Das Ausweichprogramm war dafür eine Qual, die ihresgleichen sucht. „Passion Play“ ist ein Film, der mich noch immer ratlos macht. Wer macht so was? Warum? Warum spielt man bei so was mit? Bill Murray gibt in diesem Film, dessen Bildsprache von der Subtilität eines Hardcore-Pornos ist (Blätter flattern im Wind, Federn fallen vom Himmel, Gläser werden dramatisch zerschlagen, ein Vogel steht hoch am blauen Himmel, als die Exekution der Hauptfigur von unbekannte Schützen auf den Henker gestoppt wird), einen Super-Gangster und spielt ihn, als sei ihm nur für die Anwesenheit, aber nicht für die Schauspielerei gezahlt worden. Mickey Rourke ist, haha, ein heruntergekommener Jazz-Trompeter, der in letzter Sekunde nicht erschossen wird und dann in einer in der Wüste kampierenden Zirkustruppe eine wunderschöne Lilli auftut, deren besonderes Merkmal große Flügel auf ihrem Rücken sind. Ja, gut, whatever. Die Dialoge sind hölzern (Mickey Rourkes Charakter über seine Frau „I loved her to death… She only got high to be with me“), die Bilder Klischees, der Schmollmund von Megan Fox für eine Sekunde wunderschön. Das. Reicht. Nicht. In den nächsten Tagen mehr.
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