Beiträge zum Stichwort: Kompakt

Michael Mayer – Immer 3

michael-mayerDer Kompakt-Mitbetreiber hat sich Zeit gelassen mit dem dritten Teil seiner Mix-Reihe, der dafür aber umso spektakulärer ausfällt. Der Begriff „Dramaturgie“ mag im Zusammenhang mit DJ-Sets inflationär verwendet werden, aber die von Mayer benutzten Stücke gehorchen tatsächlich allesamt einer solchen und steuern auf einen Höhepunkt zu, der seinesgleichen sucht. Der Mix fällt Vocal-lastiger aus als die Vorgänger: Mit Gui Borattos Bearbeitung eines Massive-Attack-Tracks und der Superpitcher-Version des Charlotte-Gainsbourg-Stücks „The Operation“ gibt es gleich zwei exklusive Techno-Remixe von erprobten Popsongs. Wenn sich „The Bright Forrest“ des südafrikanischen Deep-House-Produzenten Culoe de Song in Gainsbourgs Gesang hineinschält und hymnisch anschwellende Flächen die Endorphine tanzen lassen, bekommt man gänsehautnah gezeigt, welch emotionales Potenzial elektronische Tanzmusik im Idealfall haben kann. Es gibt eben kaum Besseres als eine glücklich durchtanzte Nacht. Mit der von Justus Köhncke gesungenen Ballade „New Day“, einem Cover des Basic-Channel-Klassikers aus den Neunzigern, abzuschließen macht hier mehr als Sinn.

“Immer 3″ ist bereits bei Kompakt/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Ewan Pearson – We Are Proud Of Our Choices

ewan-pearsonNeben den üblichen DJ- und Remixerjobs war Ewan Pearson zuletzt wieder vermehrt als Produzent aktiv. Er betreute das Debüt der jungen Band Delphic und das neue Album von Everything-But-The-Girl-Sängerin Tracey Thorn. Für Kompakt hat der in Berlin lebende Brite nun einen DJ-Mix zusammengestellt, der sich von seinem eher discoiden 2007er-Fabric-Beitrag deutlich unterscheidet. Die schwebenden Flächen lassen das Ganze ziemlich verträumt daherkommen, aber nicht weniger euphorisch. Zwischendurch hört man tatsächlich die Vögel, und damit meine ich nicht das Projekt von Mense Reents, sondern wirklich einen echten Piepmatz. Auch im Techno geht es zurzeit sehr natürlich her. Pearson hält die luftige Stimmung über eine Stunde lang aufrecht, die Tracks sind so unglaublich genau aufeinander abgestimmt, dass man fast geneigt ist, ihm das Ganze als Künstleralbum abzukaufen. Erst am Ende gibt es einen kleinen Bruch. Gleich zwei waschechte Popsongs lassen den Mix ausklingen, ein Pearson-Edit der schwedischen Band Little Dragon und als letztes Stück »Blue Steel« von Bot’Ox, eine Art Slow-Motion-Discopop mit geradezu himmlischem Nico-Gesang.

“We Are Proud Of Our Choices” ist bereits bei Kompakt/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Ada – Lovestoned

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Ian Simmonds – The Burgenland Dubs

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Seit “The Hill” mag ich Ian Simmonds ja sehr gerne. Vollkommen an mir vorbei gegangen ist der Fakt, dass Ian nicht mehr in London, sondern in Jena (!) lebt und Musik macht. Geschadet hat’s anscheinend nicht, denn “The Burgenland Dubs” ist eine süffige und sehr offene Platte geworden. Das komplette Album kann man sich hier anhören.

“The Burgenland Dubs” erscheint am 14. August bei Musik Krause/Kompakt.

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Planetary Assault Systems – Temporary Suspension

23055200Der Brite Luke Slater knüppelt mittlerweile auch im Berghain, etwas mehr Gefühl hätte ihm dabei sicherlich gut gestanden. Hinter den Planetary Assault Systems verbirgt sich der Produzent Luke Slater, der mit seinem Projekt bis vor Kurzem noch auf dem legendären britischen Peacefrog-Label beheimatet war. Sein neues Album “Temporary Suspension” erscheint auf dem eng mit dem Berliner Berghainclub verbundenen Label Ostgut Ton. Unter dem Pseudonym Planetary Assault Systems produziert Slater vorzugsweise harten Techno im höheren bpm-Bereich. Die hier vorliegenden Stücke sind in erster Linie DJ-Tools für die Dettmanns und Clocks dieser Welt, die sie aber erst einmal auf minus vier runterpitchen müssten, um sie dem gängigen Berghain-Tempo anzupassen. So, wie Clock alte Robert-Hood-Platten gerne mal auf minus sechs laufen lässt, damit sie sexy klingen. Bei Slater werden hier und da ein paar Industrial-Elemente eingeschoben, vereinzelt gibt es Acidgezwitscher. Ansonsten wird bedingungslos geknüppelt. Einzig das housige “On The Def” fällt ein bisschen aus dem Rahmen. Höhentechnisch passiert nicht viel. Auf einer normalen Stereoanlage ist diese Platte fast unhörbar. Das unterscheidet “Temporary Suspension” im Wesentlichen vom ungleich pointenreicheren, vor allem lebhafteren Künstleralbum Ben Clocks, das Anfang des Jahres beim gleichen Label erschienen ist.

“Temporary Suspension” ist bereits bei Ostgut Ton/Kompakt erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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Ada – Adaptions Mixtape #1

23054859Mit ihrem Debütalbum hatte Ada der Technoszene 2004 einen positiven Schock beschert. Verzerrte Beats, catchy Hooks und nicht zuletzt der sparsam dosierte verhuschte Gesang ließen “Blondie” zum wohl mitreißendsten Tanzentwurf des Jahres geraten. Dabei war eigentlich alles ein Unfall, denn mit Techno hatte die Hessin eigentlich nicht viel am Hut gehabt. Bis ein befreundeter Musiker seinen Korg-Sampler in ihrer Wohnung stehen ließ. Michaela experimentierte herum und hatte nach kurzer Zeit einen Haufen abartiger Tracks im Kasten, die jeden Voigt, Paape und Mayer vor Neid erblassen ließen. Sie benannte sich nach einer John-Sinclair-Figur um in Ada (nicht nach Nabokov) und zog in die Hauptstadt des Vierviertelminimalismus. “Mixtape #1″ versammelt ihre besten seither veröffentlichten Maxistücke und Remixe. Mit dabei sind die grandiose Bearbeitung von Tracey Thorns “Grand Canyon”, der DJ-Koze-Mix von “Eve” und eine unfassbar schöne Kollaboration mit Raz O’Hara namens “Lovestoned”. Der Kreis schließt sich mit einer alternativen, in Zusammenarbeit mit Cosmic DJ entstandenen Version von Adas allererster Areal-Maxi “Blindhouse”, hier eine Art Kinderlied, unterlegt mit Schnipseln aus der International-Pony-Gospelhymne “Our House”.

“Adaptions Mixtape #1″ wird am 12. Juni bei Kompakt/Rough Trade veröffentlicht.

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Wolfgang Voigt – GAS live @ Transmediale 2009 in Berlin

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Rex The Dog – The Rex The Dog Show

23050272Der Mythen-umrankte Engländer Jake Williams veröffentlicht unter seinem prominentesten Alias Rex The Dog nun doch noch das länger annoncierte Album. Eigentlich ist “The Rex The Dog Show” eher nur so eine Art Album, kompiliert es doch die zum Teil Jahre alten Maxis und Remixe auf dem modernsten aller Tonträgerformate, der CD.

Mit dabei sind u. a. die Stücke der legendären, damals auf Kompakt erschienenen “Maximise”- und “Frequency”-EPs, der letztjährige Kitsuné-Clou “Circulate” sowie die Bearbeitungen von The Knifes “Heartbeat” und The Sounds “Tony The Beat”. Ergänzt wird dieses “Best of”, für das Williams eigens ein Plattenlabel mit einem sehr seltsamen Namen gegründet hat, durch einige neue Stücke. Sogar die niedliche Angewohnheit, lieber Cartoons zu zeichnen, statt Interviews zu geben, scheint er aufgegeben zu haben. Die Tatsache, dass er sein Album mit altbekanntem Material auffüllt, kann man ihm nicht übel nehmen, denn das gab es bis dahin nun mal größtenteils nur auf Vinyl.

Selten wurden Pop und Techno in den letzten Jahren so schlüssig und konsequent zusammengedacht wie bei Rex The Dog. Alleine, dass er seine Tracks auf so unterschiedlichen Labels wie Kitsuné, Kompakt oder Get Physical unterbringen konnte, spricht Bände. Der Engländer vereint frühen Warp-Rave à la LFO mit verschiedenen Spielarten von House (Italo-, French-, manchmal sogar Acid-) und untermalt das Ganze mit hymnischen, fast Pet-Shop-Boys-artigen Melodien. Damit tritt er nicht nur Acts wie Booka Shade, die zuletzt genau das auch gerne gemacht hätten, letztlich aber irgendwie an ihrem Popverständnis gescheitert sind, in den Arsch, sondern auch allen New Ravern, die glauben, Bratzbass, Frisur und Leuchtstab alleine reichten aus, um die Tanzfläche zum Brodeln zu bringen. Wer die genannten EPs noch nicht kennt, aber daran interessiert ist, wie Daft Punk heute klängen, wenn sie noch gute Platten machen würden, für den ist “The Rex The Dog Show” fast schon zwingend. Das hier ist Großraumdisco in toll.

Mit freundlicher Genehmigung von intro.de

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Popnoname – Surrounded By Weather

23050278Die Musik von Popnoname umschrieb ein Journalist mal mit dem paradoxen Begriff “Singer/Songwriter-Techno”. Tatsächlich sind die Stücke von Jens-Uwe Beyer eher Songs als Tracks, auch wenn nur zu Teilen bekannte Strophe/Refrain-Muster eingehalten werden.

Der Kölner arbeitet kleine Brüche mit ein, die Stimme bleibt etwas schüchtern hinter den Beats stehen, die Stücke nehmen nicht selten abenteuerliche Wendungen. So ergeben sich kleine Parallelen zu Künstlern wie Turner oder Notwist. Bei Popnoname steht jedoch (fast) immer der gerade Beat. Die Kölner Technotradition hat ihre Spuren hinterlassen, was nicht verwunderlich ist, veröffentlicht er seine Platten doch vorzugsweise auf den Vorzeigelabels Firm und Italic. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Beiträge für die auf Kompakt beheimatete “Pop Ambient”-Reihe.

Mit “Surrounded By Weather” hat Beyer nun gerade mal ein Jahr nach dem Meisterwerk “White Album” den zweiten Longplayer nachgelegt. Die Platte ist noch etwas atmosphärischer und dichter, soundtrackartiger, offensichtliche Peak-Time-Kracher wie noch “No Doubt” sucht man erst mal vergeblich. Künftig möchte er sich vermehrt seinem Hobby, dem Schreiben von Film- und Theatermusiken, widmen, das für ihn neuerdings immer mehr zum Beruf zu werden scheint. Eine Entwicklung, die sicherlich konsequent ist.

Mit freundlicher Genehmigung von intro.de

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Gas – Nah und Fern

Seit fast zwei Jahrzehnten hat Wolfgang Voigt das Gesicht der sich von Köln aus verästelnden Elektronik-Szene entscheidend geprägt. Unter dem Pseudonym “Gas” erschienen zwischen 1996 und 2000 auf Mille Plateaux vier Alben, die in ihrer verwaldeten Rausch-Brumm-Ästhetik den Begriff “Minimal” maximalisierten. 2008 gibt es “Gas”, “Zauberberg”, “Königsforst” und “Pop” zusammengefasst in einer 2LP- oder 4CD-Box unter dem Namen “Nah und Fern”. Uneingeschränkter Kaufauftrag hiermit erteilt.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

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“Nah und Fern” ist am 06. Juni 2008 bei Kompakt erschienen.

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