Beiträge zum Stichwort: Krautrock

Maserati - Pyramid Of The Sun

maseratiDedicated in loving memory to Gerhardt Fuchs – jener umtriebige Drummer verstarb vor anderthalb Jahren bei einem Unfall. Neben The Juan MacLean, Turing Machine und natürlich !!! bot er seine Kunst auch auf Platten der Postrocker Maserati auf. Die ihm ihr neuestes Werk nun widmen. Und was für ein Stück Musik das ist. Der Kraut-Einfluss macht einen deutlichen Schritt in die zweite Reihe, stattdessen wird am Erbe des klassisch amerikanischen Rock gekratzt. Wah-Wah-Gitarren und Hardrock-Passagen, als wäre man in einem unendlichen Instrumentalteil von Kansas oder Toto. Pyramid Of The Sun ist somit der Counterpart auf Bands wie Russian Circles, die ja vermehrt nach Europa schielen. Maserati aus Athens schauen hingegen an sich herab. Und vertonen ihren ZZ-Top-Nabel und Manfred-Mann-Penis. Natürlich durch die vielschichtige Brechung des Prinzips Postrock. Schon klar.

“Pyramid Of The Sun” ist bereits bei Godlen Antenna/Broken Silence erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Autolux - Transit Transit

autoluxMit Autolux hat vermutlich niemand mehr gerechnet: 2004 erschien ihr Debüt „Future Perfect”, dessen stoischer Opener „Turnstile Blues” Stereolab und Sonic Youth so kongenial zusammendachte, dass der Rest der Platte dagegen leider ein wenig verblasste. „Transit Transit” schließt trotz der langen Pause nahtlos an den Vorgänger an. Krach und Repetition stehen weiterhin hoch im Kurs, Autolux haben vor allem Aktien in Krautrock, Shoegazing und vielleicht noch ein winziges Depot in Grunge. Das selbstbeherrschte, unglaublich präzise Drumming von Carla Azar hält die Songs zusammen - vermutlich ist das Schlagzeug sogar das prominenteste Instrument auf „Transit Transit”. Es muss ja nicht jeder Song solo auf der Akustikgitarre funktionieren. Als Trio mit fliegenden Fäusten klingen Autolux aber prächtig.

“Transit Transit” ist bereits bei ATP erschienen.

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Von Spar - Foreigner

von-sparDass es die Kölner Band Von Spar überhaupt noch gibt, zeugt von einem im Musikbetrieb rechtschaffen überraschenden Sieg. Der Sieg von Form über Inhalt. Von Spar galten mit den atemlosen Texten des noch atemloseren Thomas Mahmoud vor etlichen Jahren als neue Speerspitze des Post-Attac-Spontitums. “Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative” ätzte sich wie das Säureblut des angeschnittenen Aliens durch die Bordwände der großkoalitionären Ich-AG-BRD. Mahmoud verschwand in noch politischere, noch theatralischere Zusammenhänge, Von Spar verloren ihre Stimme und galten eine Zeit lang als echte Umsturz-Verlierer. Weil sie plötzlich nicht mehr redeten - doch mit im Nachhinein fast relaxter Zähigkeit evolutionierten sie einen Krautrock, der wortlos wieder diskursfähig wurde und dessen Meisterschaft nun “Foreigner” darstellt. Musik zum Kiffen und Erleben - jeder Satz, wie das klingt, wäre zu viel. Sprache ist Feind, das Stück ist alles. Der Ruch von Muckerei und Eskapismus bleibt, eins der besten Post-Kraut-Alben der Neuzeit allerdings auch.

“Foreigner” ist bereits bei Italice/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Lindstrøm & Prins Thomas - II

23054766Hans-Peter Lindstrøm pflegt einen sehr kreativen Umgang mit dem Format “Album”. Sein letztjähriges Solodebüt setzte sich zusammen aus drei epischen Stücken, von denen alleine der Titeltrack eine Spieldauer von einer knappen halben Stunde erreichte. Der Nachfolger des 2005 in Zusammenarbeit mit Prins Thomas eingespielten Sensationsalbums “I” besteht nun aus 99 Soundeinheiten, aus denen sich aber acht zusammenhängende Tracks herausschälen. Funktionale Discostomper sucht man auch auf dem Nachfolger vergeblich. Lindstrøm & Prins Thomas haben ein Album zusammenimprovisiert, das wieder einmal keine Grenzen kennen bzw. ziehen mag zwischen totalem Kitsch und dem, was DJ XY - nennen wir ihn Wilhelm (er heißt natürlich nicht in echt Wilhelm, sondern Helmut) - unter gutem Geschmack versteht. Neben Afrobeat- und Krautrockeinflüssen stehen Schlagerversatzstücke und Gitarrensoli; verspulte Synthieeffekte und Funkiness spielen hingegen kaum eine Rolle. Der Stilmix scheint diesmal etwas zu wild geraten. Das Resultat klingt leider eher nach Jamsession auf Sedativen als nach einem würdigen Nachfolger zum so großartigen Debüt. Schade.

“II” ist bereits bei Eskimo Rec./Rough Trade erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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Four Tet - Ringer

four-tet.jpgVier Tracks, gerademal 32 Minuten – und am Ende die Gewissheit, in der letzten halben Stunde etwas Neues, etwas sehr Wichtiges gehört zu haben. Weg von den durchweg großartigen Alben Kieran Hebdens aka Four Tet und ihren prototypischen jazzy Breaks, stattdessen geprägt von seiner vermehrten DJ-Tätigkeit in den letzten Jahren und einem technoiden Ansatz. Und natürlich der Zusammenarbeit mit dem legendären Jazz-Drummer Steve Reid. Hebden gelingt das Kunststück, den Track zum Song werden zu lassen und den Groove auf die breiten Flächen zu hieven. Ein Konglomerat aus Steve Reich, Krautrock und… Four Tet. Hebden verschiebt sich, erweitert sich in der Reduktion und schiebt der Minimalität Harmonie und Melodiösität unter. Klingt einfach, klingt nicht neu und ist im Ergebnis dennoch durchweg spannend und exemplarisches Anschauungsmaterial, um mit der Pinzette Fläche um Fläche abzutragen und jede für sich und ihren Zusammanhang auf „Ringer“ zu untersuchen und sich an ihr zu verlustieren. Ein Freudenhaus für Nerds, ein Fortbildungsseminar in eigener Sache. Oder einfach nur ein brillantes Stück Musik.

Four Tet - “Ringer” erscheint am 25.04. via Domino/Indigo

Zum Anschauen noch der Alltime-Favourite von Four Tet, das Video zu “She moves she” 

YouTube Preview Image

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