Beiträge zum Stichwort: Lassie Singers

[Album] Christiane Rösinger – Lieder ohne Leiden

Cover Roesinger

Sechs Jahre nach ihrem Debüt präsentiert uns Christiane Rösinger »Lieder ohne Leiden«, die vor allem eines sind: Lieder vom Leiden.

Nach den »Songs of L. And Hate« gab’s C. Rösinger in Buchform, in Hörbuchzusammenhängen und als rauchenden Geist der Flittchenbar. Nun also wieder Musik. »Lieder ohne Leiden«, die Leidenslieder sind. Verzweiflungstexte über das Jetzt und Hier, so lakonisch echt, dass sie über die pure Beschreibung hinaus gehen und als vertonte Zustandsanalyse einer melancholischen und musikalischen Seele – so die Deskription des eigenen Spiegelbildes – ganz tief rein gehen. Daran trägt auch Andreas Spechtl Schuld, der das Album instrumentiert, aufgenommen und produziert hat. Der warme – man wagt es kaum zu schreiben –, fröhliche Klang verschränkt sich so wunderbar mit den Texten, die wie gewohnt kein Gramm Wortfett mit sich herumtragen. Den Hut gelupft für den Gentrificationstomper »Eigentumswohnung« ebenso wie für die prekäre und wunderschöne Hymne »Lob der stumpfen Arbeit«; »Lieder ohne Leiden« ist eine halbe Stunde Geschichtsschreiberei der Gegenwart. Gut aufbewahren, wenn euch eure Enkel irgendwann mal fragen: »Was habt ihr damals eigentlich gemacht?«

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Konzert] Die Heiterkeit – Hafenklang (13.3.)

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Seit den Lassie Singers hat keine deutschsprachige Frauenband mehr so inbrünstig der Lakonie gefrönt wie Die Heiterkeit und ihre brummige Sängerin Stella Sommer. An der Theke der stets tüchtig vollgerauchten Bar “Mutter” entstanden, zog das Projekt der drei so charmant schlecht gelaunten Damen Kreise. “Herz aus Gold” war schon ein prima Schrammelwerk, die EP “Daddy’s Girl” noch besser und das zweite, jetzt erschienene Album “Monterey” ist ein meisterlicher Treffer mitten ins Herz. “Factory”, “Kalifornien”, “Wohin gehst du Cary Grant” und das erwähnte “Daddy’s Girl” sind dank ihren vielen ‘Achs’ und ‘Ohs’ mit der schulterzuckenden Beiläufigkeit der frühen Tocotronic ebenso gesegnet wie mit der oft kopierten und nahezu nie erreichten Luftigkeit Pavements. Hiermit ist bewiesen: Erhaben schlägt ungelenk. Küss mich geschwind!

Wann: Do, 13.3., 21 Uhr
Wo: Hafenklang
Wieviel: ab 11,70 Euro

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[Neue Bands fürs Jetzt] Die Heiterkeit

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Zur Hölle mit euch, dunkle Tage, endlich mal wieder was zu lachen! Ein Treffen mit der Hamburger Band Die Heiterkeit steht an. Doch der kokette Name trügt. Die drei Musikerinnen Stella, Stefanie und Rabea tragen Schwarz und setzen auf die Power des spröden Hits.

Die Heiterkeit lümmeln auf ihren Stühlen im Café Küçük Kanarya am Prenzlauer Berg zu Berlin, es wird öfter mal gegiggelt. Kann man das schon gelten lassen als namensgebenden Frohsinn? Möglicherweise, doch ganz so leicht sei es der jungen Band, deren erste Probe exakt auf den 01.01.2010 datiert, auch nicht gemacht. Also, was ist los mit diesem Bandnamen? Schließlich geben sich die Songs betont melancholisch, leicht verschlafen, lässig, und die Bildersprache führt immer wieder hin zu düsterem Kitsch. Alles gar nicht so lustig!

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»Och … Wir wollten einen eher allgemeinen Namen. Und Heiterkeit ist doch allgegenwärtig«, sagt Rabea, um sogleich wieder zu verstummen. Klar, allgegenwärtig – außer auf der Platte. Aber gut, die drei jungen Frauen und Pavement-Fans haben es eben nicht so mit der Erklärerei. Wieso auch, immerhin stellen sie mit ihrer noch frischen Karriere jenen Post-Adoleszenten-Traum nach, den man mit dem Ende der Hamburger Schule zur Jahrtausendwende längst als tot und begraben wähnte. Waren deutsche Bands das letzte Jahrzehnt über vornehmlich Unternehmer ihrer selbst und damit einem neoliberalen Selbstvermarktungs-Duktus unterworfen, knüpft die Heiterkeit wieder nonchalant an das Ideal des unpraktischen Müßiggängers in der Kunst an. Kunst um ihrer selbst willen, zur Schau gestellte Unperfektion. Statt des immensen Ehrgeizes, die eigenen Produkte unter die Leute hupen zu wollen, erstrahlen die drei im trotzigen Grundvertrauen, über die wichtigen Hornbrillen-Theken des Landes schon Gehör zu finden. Die Heiterkeit tun einfach so, als hätte es die Nuller und die Agenda 2010 nie gegeben, und machen hinreißend poetischen Pop für Langzeitstudierende und Hamburger-Schule-Survivor. Bei dieser Anomalie im Raum-Zeit-Gefüge unterstützt werden sie von der Exil-Wiener-Band Ja, Panik, auf deren Label Nein, Gelassenheit nun auch das Debüt »Herz aus Gold« erscheint.

Ebenfalls in der Freundesliste: die Boys von Die Türen, die stets gern gute Leute unterstützen, die gewissen inhaltlichen und ästhetischen Zumutungen der Gegenwart die Stirn bieten. Die Heiterkeit kann sich freuen: Alles anders, aber alles richtig gemacht – und schon vor der ersten Albumveröffentlichung hat sie die Aufmerksamkeit auf ihrer Seite. Und jetzt? Na, jetzt kann’s losgehen! Die Band nickt.

Die Heiterkeit »Herz aus Gold« (Staatsakt / Rough Trade / VÖ 24.08.)

Erstveröffentlichung des Artikels auf Intro.

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Christiane Rösinger – Songs Of L. And Hate

rosingerAh, nach dem Busenballett Bonaparte, bei dem endlich mal alle Indies Tabledance-Atmo schnuppern durften und fleißig verwackelte Tittenhandyfotos machten, nach diesem lukrativen Abgrund auf dem Berliner Label Staatsakt nun wieder mal zu was ganz anderem. Nun mal wieder zu wirklich aufwühlendem Pop und zu tollen Leuten und Ideen. Christiane Rösinger von Britta und einst Flittchen Records sowie den Lassie Singers hier nun also mal solo. Das Wort “Love” scheint dabei so verbrannt, dass es nur noch als Kürzel fungieren darf. “Hate” wird dagegen ausformuliert, genau wie Erschöpfung, Enttäuschung und die gern zu Unrecht geschmähte Bitterkeit. Ein Werk voll charmantem Nihilismus, das bewusst niederdrücken und den Atem nehmen will. Begleitet auf diesem Spaziergang durch das Panoptikum der Verletzungen wird sie von Andreas Spechtl (Ja, Panik). “Desillusion”, “Sinnlos”, “Verloren”, “Es ist so arg” heißen die Stücke. Am Ende geht sich alles nicht aus, und man ist trotzdem einen großen Schritt weiter. Das Untrost-Album des Jahrzehnts. See you at the bitter end klang nie schöner.

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“Songs Of L. And Hate” ist bereits bei Staatsakt/Indigo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Eine sehr schöne, überaus ausführliche Rezension zu dem Album gibt’s auch auf Lofideluxe von Martin Hiller. Zum Lesen hier entlang.

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