Beiträge zum Stichwort: Metal

Early Man - Death Potion

23061101Als größter Feind des Metal gilt gemeinhin die Ironie. Denn wenn man über Blind Guardian lacht, weil sie verkitschtere Themen anfassen als Harry Potter und Mittelaltermärkte zusammen, dann kann man doch einfach nicht mehr vernünftig abmoshen. Dennoch: Mit dem Comeback des Metal letztes Jahrzehnt hat auch seine Travestie Einzug gehalten. Metal ist längst nicht mehr bedrohlich, sondern streng genommen eben konservativ und komisch. Eine Zuschreibung, die natürlich kein Involvierter gern hört. Daher kamen auch Acts wie das Nerd-Duo Early Man ganz recht, da sie Metal ernst nahmen und ihm eine reizvolle Entsprechung des nächsten Jahrtausends zukommen ließen. Das neue Album nun ist allerdings eher nicht mehr reizvoll, sondern die pure Travestie: Thrash Metal wird adaptiert, man hört die Bedeutsamkeit von Kreator, Destruction oder auch Testament raus. Der Rest bleibt allerdings galoppierende Leerstelle. Eine Hommage, ein Gag, beides gleichzeitig? Sorry, zu indifferent – grabt euch wieder ein.

“Death Potion” ist bereits bei The End/Soulfood erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

Slayer - World Painted Blood

23057210Klar, das good old Keyword steht: “Blood”. Die ewig gewalttätige Apokalypse auch. Wie immer. Slayer, diese Katholiken und Republikaner, die eigentlich bloß versehentlich den absoluten Bürgerschreck kultivieren, haben mal wieder ihr bestes Werk seit “Reign In Blood” vorgelegt. Und wie immer stimmt das nur höchst bedingt. Slayer sind, was man ihnen wirklich anrechnen muss, trotz ihres Härtegrads auch im dritten Jahrzehnt nicht ausgewimpt. Slayer sind aber auch gerade in all dem Classic-Metal-Imperativ dieses Jahrzehnts eine ziemliche Coverband ihrer selbst geworden. Mitunter gibt’s auf “World Painted Blood” Sprechgesang, der an den legendären “Judgement Night”-Sampler der 90er erinnert, manchmal originell miauende Gitarren-Soli und schleppendere Mosh-Parts à la “South Of Heaven”. Unterm Strich bleibt aber letztlich doch nur eine weitere “Reign In Blood”-Travestie. Das ist so hart - vor allem auch, weil es festgetrocknet ist.

“World Painted Blood” erscheint heute bei Columbia/Sony.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

Mobserv - Hiroshima Bordell

Ah ja, … “Hiroshima Bordell”. Eine ukrainische NuMetalband in Leder mit komischen Fressen und Songtiteln wie “Scheidenbunker”. Der eine oder andere von uns hat zu Hause sicher schon für weit weniger den Schredder angeworfen.

Mitnichten gehört dieses Album in die Müllpresse, ja, nicht mal in deren Nähe, und die Band kommt auch nicht aus der Ukraine. Aber mal ganz von vorn: In dem gerade bei Piper erschienenen Buch “Zwölf Stunden sind kein Tag” (einigen vielleicht bekannt unter dem Titel “Praktikanten küssen besser”) von Boris Fust bemüht sich eine Klingeltonnamenerfindungsagentur, ihre Firmenbezeichnung Mobserv bei MySpace als Adresse zu gewinnen. Geht aber nicht, der Name www.myspace.com/mobserv ist schon weg, gehört derben Ukrainern. Wer das Buch liest und diese Behauptung über das Internet gegencheckt, freut sich einen Ast. Denn mit Liebe zum verpuzzelten Detail hat der Autor des Buchs jene Band nicht nur erfunden, sondern ihnen auch mit seinem berüchtigten Kuss des Todes Leben eingehaucht.

Mobserv sind also Teil eines Gesamtkunstwerks, und man kann nur staunen, mit welcher Konsequenz und Fülle Fust jenes so schnell auf die Beine stellen konnte. Das, also das fixe, genialische Arbeiten, ist zwar die Fust’sche Legende - gerade auch in seinem Job als “Senior Copywriter” bei Intro -; aber so umfassend gezündet, sieht man sich doch sehr beeindruckt.

Die blanke Musik indes dürfte dagegen für viele, die nicht halb wahnsinnig sind, sicher etwas gewöhnungsbedürftig sein. Aber mit konsensträchtigem Indie-Schönklang hat sich der Künstler, Scooter- und Klassikfreund, noch nie aufgehalten, genauso wenig wie mit einer unverstellten herzlichen Ansprache. Alles andere bedienen er und seine Band aber glänzend. Die Stücke erinnern oft an die Neunziger, an krude Acts wie Stalin, JBO, Dante’s View, der Gesang manchmal an Fisch von den Lokalmatadoren, dennoch ist Mobserv sicher nicht ein Kuriosum mit zehn Jahren Delay.

Die Rhythmik ist mitunter atemberaubend und höchst komplex, das konnten so einst vielleicht noch die Prog-Metaller von Mekong Delta. Die vielen “Witzigkeiten” wie “Meine Frau ist ein Stück Weltraumschrott” sind natürlich stets grenzwertig, andererseits aber natürlich eh nur Rolle. Boris Fust beherrscht sie selbst ja am besten. “Hiroshima Bordell”, das ist Musikwissenschaftler-Emo auf Moschus. Unterfordert wird man woanders. Glückwunsch!

Mit freundlicher Genehmigung von intro.de

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon 1 Kommentar