Beiträge zum Stichwort: Mike Patton

Mike Patton - Mondo Cane

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Manchmal darf man dankbar sein. Zum Beispiel, dass man in jenem unwahrscheinlichen Paralleluniversum aufgewachsen ist, in dem Mike Patton ein Italopop-Album aufgenommen hat – und nicht in dem, das mit einer Crossover-Platte von Bizarro-Al-Bano bedient ist. „Mondo Cane“ hat Ironie, ist aber kein Witz: Aus einer Beschäftigung mit dem italienischen Oldie-Rundfunk vor einigen Jahren rührt Pattons Liebe zu den Liedern seiner damaligen Wahlheimat. Stücke von Ennio Morricone, Bert Kaempfert und Fred Buscaglione kriegen den Respekt, der ihnen zusteht – und würde man das irgendwie in Größenordnungen bemessen wollen, dann ist ein vierzigköpfiges Orchester abzuzählen schon einmal ein guter Anfang. Bei aller Lust an abgründigem Quatsch, die man Mike Patton so gerne zugestünde, ist „Mondo Cane“ so unavantgardistisch wie kaum etwas, das er seit dem Ende von Faith No More auf Band sang, grunzte oder schrie. Einzig in „Urlo Negro“, einem Song der weitgehend vergessenen Beatkapelle The Blackmen, ist ein bisschen Gegenkultur zu spüren: Nach ein paar Zeilen Hardcore-Gebell geht es allerdings wieder in einen breit grinsenden Tanzmusik-Refrain. Patton weiß um das irritierende Moment, das eine konsequent durchgezogene Ehrerbietung an altbackene Populärmusik, zudem von seiner Person, haben muss, und macht es dem Hörer so einfach wie möglich: Natürlich ist das Ganze unfassbar cheesy, aber auch ebenso catchy, was als ultimative Stärke ausgespielt wird. Ein Schuft, der bei den tanzenden Trompeten und leichtfüßig in die Songs rutschenden Streichern sein Herz nicht hüpfen hört. Dazu singt einer der versiertesten Vokalisten zeitgenössischer Rockmusik in schönstem Belcanto oder raunt wie Celentano. Man mag genau diesen Mangel an Subversion verstörend finden. Unerwartet und neu und schön ist es doch, und demnach letztlich nichts für die Rotation in der Pizzabäckerei. Laut Sturgeons Gesetz – benannt nach dem Science-Fiction-Autoren Theodore Sturgeon – ist 90 Prozent von allem Scheiße. Was im Umkehrschluss heißt, dass 10 Prozent doch mindestens ziemlich okay sind. Man braucht nur jemanden, der sie findet.

“Mondo Cane” erscheint heute via Ipecac/Soulfood.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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The Qemists - Join The Q

cd_the_qemistsOkay, darauf hat die Welt gewartet: The Qemists, u.a. verantwortlich für den fabulösen Remix des Coldcut-Tracks “Everything under control”, bringen Ende Januar auf Ninja Tune ihr Debüt-Album heraus. “Join the Q” heißt das gute Stück und nach einmal durchblasen lassen muss man konstatieren, dass die Vorschusslorbeeren noch untertrieben waren. “This is the future of music” oder “2009’s Underground Dance Music Superstars” prahlt die Presseinfo, aber das kommt nicht wirklich an diesen dreckigen Bastard aus Drum&Bass und Rock heran. Mit einer Intensität wie The Prodigy (zu Hochzeiten) oder in den Club geprügelte Rage against the Machine feuern die Londoner alle verfügbaren Magazine leer und können dabei auf so prominente Unterstützung wie Mike Patton (bedient die Rock-Klientel mit “Lost Weekend”), Wiley (der Mann in Sachen HipHop&Grime) oder die Queen of Drum&Bass, Jenna G, zählen. Zum Anheizen die Tracks “Stompbox” (im heftigen Spor-Remix) und die Album-Version von “Lost Weekend”. (Ein schönes Interview plus einen Download-Mix gibt’s übrigens hier.)

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Mike Patton - A Perfect Place

patton.jpgÜber Mike Patton könnte ich bis zum Ende der Webseite schreiben. Seit ich ihn 1990 an der Decke der Bonner Biscuithalle hängend singen gehört habe, verfolge ich seine unzähligen Projekte - was schon ein Projekt für sich ist.

Gerade erst 40 geworden kann er auf ein vielfältiges, opulentes Opus verweisen: Während seiner Rockstardekade als Sänger von Faith No More gehörte sein Herz seiner ersten Band Mr. Bungle. Mr. Bungle bewiesen keine Scheu, ihren Hörern einiges abzufordern: So schlug schon ihr erstes Album wilde Haken, innerhalb einzelner Stücke ging die Achterbahnfahrt von Funk, Metal über Ska, Jazz und Cartoon-Musik. Diese “Zumutung” trug die deutliche Handschrift des Albumproduzenten, New Yorker Avantgarde-Jazzer und Komponist John Zorn.

Vom Saxofonisten Zorn, mit dem er auch in zahlreichen weiteren Projekten (Weird Little Boy, Hemophiliac, Moonchild …) zusammenarbeitete, scheint Patton inspiriert worden zu sein, seine Stimme einem Saxofon ähnlich auszubilden: In einem Moment sanft schmeichelnd und glasklar, im nächsten markerschütternd kreischend oder auf´s Lautmalerische reduziert. Patton´s Mission ist es, das Möglichkeitkeitsspektrum des menschlichen Stimmapparats auszureizen. So gelangt er z.B. auch dazu, die Monster des Blockbuster-Movies “I am Legend” zu synchronisieren. Eine Solo-Performance (YouTube) zeigt, wozu der Mann fähig ist. Gibt es einen anderen Sänger mit Rock-Background, dessen Wandlungsfähigkeit ein Chameleon derart blass aussehen ließe?

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Neben seinen bekannteren Bands Fantomas und Tomahawk zog er zuletzt mit seinem großartig poppigen Peeping Tom-Projekt größere Aufmerksamkeit auf sich, wohl auch Dank Kooperationen mit Rahzel, Massive Attack, Norah Jones, Bebel Gilberto u.a. (”Mojo” bei YouTube, Arte-Kurzbeitrag, komplettes Konzert bei bunch.tv).

Neben vielen weiteren Projekten betreibt er seit ´99 sein eigenes Label Ipecac. Dessen 100. Release ist nun eine Soloarbeit von Patton, der Soundtrack für den Kurzfilm “A Perfect Place”. Regisseur Derrick Scocchera, der für Coppola´s American Zoetrope-Studios arbeitet, hat hier einen Film Noir -inspirierten Plot umgesetzt, über den hier aber nichts verraten werden soll. Hier der Trailer:

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Wen bei der Kombination “Soundtrack” und “Patton” die Furcht vor freier Improvisation Zornscher Schule ergreift, kann beruhigt sein: Das Album gehört zu den eingängeren Pattons und besteht aus einigen Variationen des Hauptthemas (Vocalversion) und deckt verschiedenste Genres von Ragtime über Jazz bis Oper ab.

Als nächster Streich wartet auf seine Fans eine Ausarbeitung einer bisher eher randständigen Facette seines Schaffens: Das Projekt “Mondo Cane” spielt mit Orchesterbesetzung schmalzige Coverversionen italienischer Popsongs der 50er & 60er Jahre. Die Veröffentlichung von Album / DVD ist für den Sommer 2008 angekündigt. YouTube hat schon Bootleg-Videos von Konzerten des letzten Jahres. UPDATE: Hier ein Mitschnitt eines Konzerts vom Juni 2008 im Amsterdamer Paradiso von Fabchannel:

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