Beiträge zum Stichwort: Pop

Amy Winehouse – Rehab (Hot Chip Remix)

In prophetischer Manier nahm der Übersong von Amy ja bereits die kommenden zwei Jahre bis dato vorweg. Drogen, Schlägereien, Windeln, der unvermeidliche Doherty statt James Bond. So die Geschichte im Schnelldurchlauf. Die bebrillten Cleverles von Hot Chip haben sich des Themas angenommen und einen Remix gefertigt, der jetzt schon seit gefühlten 100 Wochen die Download-Charts von Tonspion bis Pitchforkmedia anführt: Neidlos: Gut. Sehr gut.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download

Foto: Universal Music

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Downloads, Musik, Tracks Kommentar-Icon Keine Kommentare

Rettet die Ware: Gustav

Subversion durch Affirmation! Die androgyne Tanzfläche! Der systemkritische Rave! Das alles waren mal Top-Strategien der Pop-Linken. In den 90ern. Die Postulierer von einst schreiben dieser Tage unter ihrem aktuellen Claim “Medienarbeiter” allerdings bloß noch Texte übers (ihr eigenes) Prekariat. Doch mit Gustavs Album “Verlass die Stadt” bekommen die alten Forderungen plötzlich Glamour und Brisanz zurück.

Gustav empfängt in einem Wiener Kaffeehaus nahe einer großen Einkaufsprachtstraße. Es ist später Vormittag, der Ober höflich und förmlich wie in einem Theaterstück von vor hundert Jahren. Als verrohter Autor wartet man ständig, dass diese Inszenierung kippt und die selbstverständlich vermutete Ironie hinter der servilen Perfektion sichtbar wird. Passiert aber nicht. Hier drinnen wird noch gemeint, was präsentiert wird. An sich kein schlechtes Omen für ein Interview …

Gustav hat eine junge Frau geschickt. In dem Fall sich selbst. Denn Gustav, so wäre Gustavs Name nur geworden, wäre sie ein Junge, da das aber nicht eintrat, sitzt nun Eva hier. Der Gustav wurde Bühnenname und nimmt bereits ihre Lust an der Geschlechterthematik und deren Erschütterung vorweg. Eva bestellt sich Eier im Glas. Für ungeübte Augen ein zweifelhaftes glibberiges Vergnügen, für Eva offenbar ein Genuss.

Sie steht am Tag des Gesprächs kurz vor Abschluss der Aufnahmen zu ihrer zweiten Platte, dem Nachfolger des growing Überraschungserfolgs “Rettet die Wale” von vor zwei Jahren. Darauf entdeckte man sehr vergleichsbefreiten Electro-Chanson, der sich im Titelstück der Appellhaftigkeit nicht schämte, nein, diese sogar zur eigentlichen Kunst machte. “Die neuen Texte wollte ich diesmal noch etwas düsterer haben, also zumindest sind sie es geworden. Das Album entstand ja auch über einen sehr langen Zeitraum, jetzt erst beim Zusammenstellen habe ich gemerkt, wie das als Ganzes wirkt.

Wenn man wollte, könnte man Eva hier weiter schön aufs Glatteis folgen. Seht her, so ist sie: die Sprunghafte, die Zufällige, mit einem Hang zum genialisch Absichtslosen. So ist es aber nämlich genau nicht! Gerade die Texte der neuen Platte sezieren hinter dem schwelgerisch-melancholischen Schönklang messerscharf. Die vordergründige Poesie lässt die Schnitte bloß weicher erscheinen. In Wahrheit geht’s hier um alles. Schon der erste Song “Abgesang” knüpft an zwei bekannte Posen des ausgehenden Diskurs-Pop an: die Kapitulation und die Hinwendung zur Natur. Toco und Blumo also. Nur ist es bei Gustav bemerkenswert unprätentiös in Szene gesetzt und gelangt zudem zu anderen Schlüssen: Die Resignation gegenüber dem monolithisch regressiven Status quo mündet ins Einstimmen in den Gesang der Vögel. Tschilp, tschilp. Wie kann ein Song, ach, ein Gesamtkunstwerk nur gleichzeitig so wunderschön und so morbide sein? “Verlass die Stadt” ist Fin de Siècle am Anfang eines neuen Jahrhunderts.

Im Gespräch nah an der Pressung des Albums weiß Gustav noch nicht, wie sie die Platte nennen wird. Ahnt es aber schon. “Es wird auf jeden Fall etwas sein, was anhält zu gehen. So was wie ‘Hau ab’ oder ‘Verlass die Stadt’. Mir ist wichtig, dass es eine Bewegung nach draußen formuliert. Wenn es ‘Verlass die Stadt’ wird, soll aber nicht gemeint sein, dass es auf dem Land besser ist – auf keinen Fall.”

So fühlt sich das auf Platte dann auch an: Es gibt zwar Wege, aber sicher keine Auswege. Denn das Land hat Eva auch schon gesehen – und macht immerhin mit ihm gemeinsame Sache bei dem Stück “Alles renkt sich wieder ein”. Ein ganzes Blasorchester, die Trachtenkapelle Dürnstein, reißt den ohnehin schon breiten Panaromablick der warmen Electronica noch weiter auf. Obwohl Gustav für die neue Platte von einigen Labels umworben wurde (Zuschlag erhielten Chicks On Speed Records), hätte sich dieser rustikal-orchestrale Traum ohne die österreichische Kulturförderung nicht realisieren lassen. Diese brachte die Welten zusammen. “Ein Grundmisstrauen ist dabei aber stets geblieben, von beiden Seiten“, beschreibt sie die zumindest künstlerisch erfolgreiche unheilige Allianz. Die skeptizistische Eva und die Trachtenfolkloristen. Kein Wunder, dass Letzteren in dem Projekt wohl einfach auch der Feelgood-Moment abging. Eröffnet der Text doch gleich nach den ersten glucksenden Tuba-Tönen: “Ich habe eine Sehnsucht nach der nächsten Katastrophe / Denn wenn wir gemeinsam leiden, fällt dieses Unbehagen ab.” Dann Unheilsahnung, Tränen, Trauermarsch und die Behauptung “alles renkt sich wieder ein”.

Doch die musikalische Kombination wäre zu schade, um nicht noch ein wenig weiter zu gehen. Auf dem diesjährigen Donau-Festival standen daher neben Eva nicht nur ihre zwei Mitschrauber, sondern auch jene Blasmusikanten. Und dann geht’s flugs auf Tour. Ein tightes Programm bei Evas ohnehin schon stets ausgelasteten Planer: Neben der Album-Fertigstellung gab es Anfang des Jahres diverse Aufführungen der Virginia-Woolf-angelehnten Genderfuck-Burleske “Orlanding The Dominant”. Eva komponierte dafür die Musik, die manchmal nach Gustav, mitunter auch nach schmierigen Disco-Shanties klingt. Warum auch nicht? Schließlich geht es um Sexiness außerhalb von Körpernormierung, um beschädigte Geschlechtergrenzen und überhaupt um “viva queer!”

All dieser Themen nimmt sich Eva mit ihrem Gustav auf weit subtilere Weise an – aber dennoch nicht minder nachhaltig. Zur persönlichen wie allgemeinen Apokalypse konnte man jedenfalls selten besser tanzen und träumen. “Verlass die Stadt” macht es möglich, und Eva tut weiterhin so, als wäre viel Zufall im Spiel. Mann, was für ein bescheidener Sack. Den muss man sich unbedingt warmhalten.

YouTube Preview Image
  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Interviews, Musik Kommentar-Icon 3 Kommentare

The National – A Skin, A Night (DVD) plus The Virginia EP

Wohl selten ist der Begriff „EP“ so unangemessen verniedlichend gebraucht worden, wie bei The Nationals neuestem Streich. Ihr Faible für Zwischentöne wurde ja schon bei der „All Cherry EP“ deutlich, doch die zwölf aktuellen Tracks zeigen noch deutlicher, dass hier eine Band gerade überquillt vor Ideen. Denn neben diversen Demos und Live-Aufnahmen („Fake Empire“ und „About Today“) knüpfen die neuen Songs ohne Qualitätsverlust an das opulente „Boxer“-Album des letzten Jahres an. Texte, die sich wohlig räkeln, Stücke, die somnambul Metallplatten auseinanderdrücken. Und das alles eigentlich nur als Beiwerk von „A Skin, A Night“, einer aus der Logik von üblichen Dokumentationen entfliehenden DVD, die The National vom französischen Regisseur Vincent Moon eingefangen zeigt. Im Werkprozess, auf der Bühne, euphorisiert, furchtbar alleine mit sich selbst. Kein Porträt, eher ein Kinofilm über eine Band, deren Schauspieler zufällig The National sind. Keine billigen Polaroids, stattdessen die zufällige Anwesenheit einer Kamera, wenn Momente stillstehen.

The National, A Skin, A Night DVD / The Virginia EP erscheint am 26.05. via Beggars

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon 1 Kommentar

Nouvelle Vague – Love will tear us apart (live)

Darf man das? Die Ian Curtis-Depression in zuckersüße Schnoddrigkeit tauchen? Nouvelle Vague haben es jedenfalls getan und im Gegensatz zu vielen wirklich verhunzten Interpretationen (Stichwort: “Eisbär”) gefällt mir die entrückte Ebene des Joy Division-Klassikers doch außerordentlich gut. Bitte schön.

YouTube Preview Image
  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare

Ja König Ja – Die Seilschaft der Verflixten

jakoenigja.jpgKollege Böhme räumt ihnen in seiner Radio-Show mehr Platz ein als sagenwirmal den Beatles, das Feuilleton hüpft vor Glück dreimal im Kreis und Tocotronic-Weltenbesinger Dirk von Lowtzow hat zu dem neuen Album der Musikgruppe Ja König Ja unter anderem folgendes zu sagen:

“Das erklärte Ziel der Gruppe, Seemannsgarn zu einem Tau zu knüpfen, das sich um alles windet und mit der gesamten Welt verbindet, ihr Geschick, alles in allen Dingen Enthaltene zu beschwören und den Schlüssel dazu gleich mitzuliefern, wird auf diesem neuen Album deutlicher als je zuvor. Die Einsamkeit und der ungeheuerliche Mut, mit dem auf „Ebba“ Unerhörtes ausgesprochen wurde, sind hier zu einer Verflixtheit geworden, die nichts mit der stumpfsinnigen Kumpanei gemein hat, die in der deutschen Rockmusik stets die größten Triumphe feiert. Hier spricht weiterhin eine durch und durch fremde Person, aber sie steigert sich zur Inszenierung einer wütenden Vielfalt, ekstatisch und grausam. Sie wächst über sich hinaus und zerreißt sich in 1000 Stücke, 1000 Stimmen. Ein Kollektiv entsteht, eine Seilschaft, das Mannigfaltige. Die Einsamkeit zerbricht. Die Schlacht kann beginnen!”

Als Hörprobe der Titeltrack des gleichnamigen Albums “Die Seilschaft der Verflixten”:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Downloads, Musik Kommentar-Icon 1 Kommentar

Black Moth Super Rainbow

black moth super rainbowSehr schön schwurbeliger Psychedelic-Pop-Electronic-Folk aus Pennsylvanien. Wenn man, wie derzeit, die ersten sonnigen Nachmittage des Jahres verleben darf, der ideale Sound zum runterkommen vom daily grind und abschalten von der 9-5-Mühle.

Hier der Track “Forever Heavy” vom Album “Dandelion Gum”:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download

8 weitere Songs zum Download

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Downloads, Musik, Tracks Kommentar-Icon Keine Kommentare

Jamie Lidell – Jim

jim.jpgBei Jamie Lidell kann man über die Qualität und die persönliche Verbindung zu seinen Alben unterschiedlicher Meinung sein, aber eines ist immer sicher: Er begreift sich in den ganz großen Zusammenhängen. Das „Super Collider“-Projekt mit Cristian Vogel war eines der gewagtesten und mitreißendsten Alben der letzten 20 Jahre, sein letztes Werk „Multiply“ aus dem Jahre 2005 eine Offenbarung. 2008 heißt es einfach nur „Jim“; Drei Buchstaben, aber eine ganze Welt dahinter. „Little Bit Of Feel Good“, die erste Single, sie weist den Weg. Jamie Lidell singt wie ein junger Gott und Stevie Wonder und Michael Jackson stehen ideell Pate. Gospel, Disco und Pop – Die drei übergroßen Schlagworte schlängeln, winden, räkeln sich um die verzückt-entrückte Stimme Lidells, dem in spielerischer Leichtigkeit der ganz große Wurf aus dem Ärmel fällt. Aufgenommen in Berlin, Paris und Los Angeles geht „Jim“ weiter, als es viele Jamie Lidell noch zugetraut hätten. Live immer, da ist er von manischer Präsenz umweht, dass es fast weh tut, aber auf Platte? Diese Intensität einzufangen, das ist der funkige Knackpunkt des Lidell.08 – Ein wunderbares Album, vom Größenwahn gezeichnet.

Jamie Lidell – “Jim” erscheint am 25.04.08 via Warp

YouTube Preview Image
  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon 2 Kommentare

Post von Michael Jackson

jackson maskeWieso betreibt man in seiner Freizeit eigentlich so ein Projekt wie munitionen.de? Eine der schönen Seiten des Internet ist ja, dass man in Kontakt mit allen möglichen Leuten kommt, manchmal sogar mit richtig berühmten! Wohl inspiriert durch diesen Artikel des geschätzten Kollegen Uwe Reinhard, schrieb uns der leibhaftige michaeljackson@michaeljackson.com (!!!!!) gerade:

was seit ihr für primitive looser

wie können sollche leute wie ihr ?????? die nichts drauf haben und es auch nie werden !!!!! sich es erlauben aus NEID so einen Artikel über M J auf der seite zu veröffentlichen.Lächerlich….. ihr werdet nie auch nur im geringsten eine stufe erlangen auf der eure meinung überhaupt gefragt ist

Wieso er über sich in der dritten Person schreibt, verstehen solche Leute wie wir leider ebenso wenig, wie die sich nicht nur semantisch, sondern auch orthografisch in Form akkumulierter Satzzeichen artikulierende Aufregung. Schließlich trägt der Artikel anläßlich des Thriller-Rereleases doch nur in pointierter Form ein paar allseits bekannte Fakten zum King of Pop zusammen.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Sonstiges Kommentar-Icon 3 Kommentare

Blumfeld – Eintragung ins Nichts

jochen.jpgHeute eigentlich zum ersten Mal seit dem Dahinscheiden, Weggehen und Alleinelassen von Blumfeld wieder einmal diese ganze Wucht der Songs auf mich wirken lassen. Und ein paar Zeilen rausgekramt, die ich vor einigen Jahren für ein leider nur kurze Zeit existentes “Online-Fanzine” (Herr Kröhl würde mir für diese Formulierung wohl eine reinhauen) namens “Babsies Diktatur” geschrieben habe. Es ging um das Album “Testament der Angst”, aus dem der weiter unten zu findende Song “Eintragung ins Nichts” stammt. Übrigens in einer sehr schönen Live-Version.

“Ich-Maschine” und “L`État Et Moi” waren die Alben für die Zweifler, “Old Nobody” jenes für die Liebenden. So weit, so vereinfacht. Und für wen ist bitte schön “Testament Der Angst”? Für alle? Yeah, für alle!
Nach der Ratio, der Wut, dem Analysieren der Zwangsläufigkeit des Systems und was das mit mir zu tun hat, kam die überraschende Wendung hin zu Prefab Sprout-esken Melodien und einem klaren Himmel namens “Emotion”, als “Liebe” gesehen/gefühlt und verstanden. Beim Wort genommen und zur Sprache gebracht. Plötzlich war aber auch Ablehnung in the house: “Nicht nur im Kerzenlicht suhlen, Herr Distelmeyer, das Böse benennen, aber schnell!” Macht Jochen D. auch wieder: Diktatur der Angepassten und Anders als glücklich sind so klar und deutlich, von einer solch prägnanten Wichtig- und Richtigkeit, dass ausnahmsweise kein Interpretationsspielraum den 1:1-Gehalt auf’s Meer hinausspült. In Opposition dazu: Wellen der Liebe und Weil es Liebe ist. Der in zwei Songs ausgesprochene Überbau des Albums called Liebe! Liebe! Liebe!, der mitzudenken ist. Dann erst ergeben die Sätze der Bitterkeit, des Scheiterns, des Aufgebens, der Wut, der Melancholie, des Zerwürfnisses mit sich selbst ehrlich Sinn. “Anders als glücklich. Ich melde Zweifel an.” Und: “Ich will die Wahrheit sagen.” Und die Wahrheit ist, dass die Traurigkeit eben nicht weggehen kann, wenn man sich den Mut zur Ehrlichkeit bewahrt. Die Kunst ist, eine Technik zu entwickeln. Die Technik, damit umzugehen, die sich in Stücken wie Wellen Der Liebe wieder findet. Womit dann das vordergründig offenherzigste und trivialste “Liebeslied” das kühlste, technischste von allen ist. Vielleicht, denn möglicherweise (hoffentlich!) auch nur der Ausdruck eines höheren Zustandes nach dem Loslassen. Wenn man seine Ängste wie in Testament Der Angst erst einmal zu Papier gebracht und herausgeschrieen hat, dann lösen sie sich unter Umständen auf. Das Herauschreien hat idealerweise auch den Effekt des Körperlichen, rückgekoppelt an eine gereinigte Klarheit. So bricht nach Testament Der Angst und Diktatur der Angepassten der wütende, stolze Gestus zusammen, um zusammengekauert und schwachen Körpers mit Der Wind wie auf einem Drogen-Comedown eine präzise, ich-erhellende Sprache zu finden. “Ich hab’ versucht, den Widerspruch zu leben. Ich hab’ versucht, nur ich selbst zu sein. Es hat nicht funktioniert, es ging daneben…” Meine Güte, Anklage und Resignation auch als Technik? Was unterscheidet denn dann Blumfeld von jenen, deren Namen ich hier nicht nennen will?
Zum Beispiel das Video zu Graue Wolken: Alles ist in Ordnung, alles ist die Hölle. Keine Worte, ab und an ein Lächeln. Familienidyll, Schule, Freunde und tagtäglicher Schmerz in deutschen Jugendzimmern. “Wo kommen all die grauen Wolken her. Es regnet und ich kann nicht mehr.” Eine Melodie so schön und Sätze so bitter. Bleibt nur noch die Hoffnung auf’s Älterwerden. Dennoch…
Älterwerden raubt die letzte Hoffnung, die Unzufriedenheit würde sich bei einer großen, wahren Liebe auflösen. Im Gegenteil: Sie gibt einem erst die Kraft, das Erkannte aus der Warte eines aufrechten Menschen zu benennen. Und sich zu stellen: “Ich weiß nicht warum ich lebe, nur dass ich am Leben bin. Arbeit, Fernsehen, Schlafen gehen, so macht das Leben keinen Sinn.” Die Fragen, die sich im alter jenseits des ungezügelt-unreflektierten jugendlichen Schwarz-Weiß-Denkens immer und immer wieder, und von mal zu mal drängender und auswegloser stellen.
Um Himmels Willen, was bleibt? “Ich will nicht in Eurer Logik leben, so als ob ich einverstanden wäre.” Anders gesagt: “Das soll für Dich sein. Du fängst das Licht ein. durch Dich weiß ich, was Liebe heißt. Auch wenn der Alltag uns stumm macht.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Downloads, Musik, Tracks Kommentar-Icon Keine Kommentare

Daedelus – Fair Weather Friends

Ach, schön. Das neue Video von Daedelus zur aktuellen Single “Fair Weather Friends”. Das Album mit dem höchst ansprechenden Titel “Love To Make Music To” erscheint im Juni bei – natürlich – Ninja Tune.

YouTube Preview Image
  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Musik, Musikvideo Kommentar-Icon 1 Kommentar