Beiträge zum Stichwort: Punk

The State Lottery – When The Night Comes

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Es erfreut einen ja immer wieder, eine Band zu entdecken, von der man bisher nichts wusste, noch nichts gelesen hat und bei deren Namensnennung alle Opinion Leader im Freundeskreis nur mit den Schultern zucken. Die Soulpunker von The State Lottery aus Detroit und New York waren in den vergangenen Monaten für mich eine der schönsten zufällig in die Hände gefallenen Diamanten. Die Band bietet ihre beiden bisher erschienenen Alben gratis zum Download an (Bezahlen darf und sollte man auf der Downloadseite dennoch gerne). “Cities We’re Not From” aus dem Jahr 2008 scheppert zwar schon mit Feuer im Arsch, die Soundqualität und Unausgegorenheit der Stücke machen es jetzt aber nicht zu einem Pflichtalbum. Das aktuelle “When The Night Comes” ist allerdings ein solches für all diejenigen, denen The Gaslight Anthem angenehm das Neo-Pop-Punk-Rock-Gefühl unter den Nietengurt ziehen lässt.

Zum Download:

“Cities, We’re Not From” (2008)
“When The Night Comes” (2010)

Via Soundcloud kann man sich “When The Night Comes” auch komplett anhören:

The State Lottery – When The Night Comes by If You Make It

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Ash – A-Z Vol.2

51cufvpzgfl_sl500_aa300_Die Kritiken zum ersten Teil der „A-Z-Reihe waren ebenso vernichtend wie die vergangenen Touren der drei mies besucht. Als „langweilige Britpoprockband“ schmähte sie Kollege Volkmann . Was will man auch von einem Mann erwarten, dem in seiner eskapistischen Flucht in Metal-Untiefen die Feelgood-Schönheit von Bands wie den Supernaturals oder den Gigolo Aunts nur verstörendes Gemahnen an die positive Kraft des Poprock sein kann. Weder Weltenschmerz noch Weltenumsturz rühren die 13 Songs von „A-Z Vol. 2“ an, sie sind schlichtweg berstende kleine Bastarde aus Punk, duften Gitarrensoli und hübschen Melodieideen. Wem das zu langweilig ist, der sollte übrigens auch gleich das neue Manic Street Preachers-Album in die Tonne werfen, denn jenen hat das Schicksal den gleichen Streich gespielt: Jeder Song isoliert betrachtet ist immer noch glänzend, in der Höhle des Gesamtwerkes ist’s nur eine Mini-Funzel. Es ist eben nicht mehr 1996, Tim. Schade für eine Band, die leider nur den Sound eines Jahres in Vollendung kann.

“A-Z Vol. 2″ ist bereits bei Atomic Heart Records/Al!ve erschienen.

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The Thermals – Personal Life

the-thermalsStimmt: The Thermals gab’s ja auch noch. Das Indie-Punk-Trio um Hutch Harris stand immer für den eher kurzweiligen Kick. Jede Platte bisher schien in ihrer agilen, weitestgehend innovationsfreien Spielart zugänglich, einnehmend, integer. Logisch: Die Band, die den Transfer von Platte auf Live-Gig großartig beherrscht, geht mit dem fünften Album den exakt gleichen Weg. Harris streut wieder Verve, Nachdenklichkeit, Aggressivität und Coolness über Power-Punk-Songs (wie „I Don’t Believe You“) oder abgehangene Midtempo-Dinger (wie „You Changed My Life“, „Not Like Any Other Feeling“). Das Ergebnis unterscheidet sich in nichts von Bisherigem und ist trotzdem so mit dem Zeitgeist assoziierbar, wie die Trauerklöße von Weezer es gerne noch wären. The Thermals sind auf dem besten Weg, die Ramones von Indie-Rock zu werden – jeder Song klingt nach The Thermals, kaum ein Hörer kann sich der Ansprache entziehen. Die Band ist auf dieser von Chris Walla schonungslos auf Live-Sound getrimmten Platte mal wieder zu gut. Zu gut sein kann man auch ohne Geheimnisse.

“Personal Life” ist bereits bei Killrockstars/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Rolo Tomassi – Cosmology

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Lieber Nutzer dieses Artikels, begleitet Sie seit vielen Jahren der Traum, sich einmal eine rostige Zange mit starkem Druck ins Ohr zu schieben, bis das heraus spritzenden Blut interessante Motive auf dem Wohnzimmerteppich formt? Jetzt haben Sie die einmalige Gelegenheit, diesem Drang in Form eines Tonträgers nachzugeben. Der Bandname Rolo Tomassi klingt zwar eher nach italienischem House-DJ, ist aber fünfköpfige Band aus Nottingham, die sich im Laufe der letzten beiden Jahre einen Ruf als mitreißende Live-Band erspielt hat. Screamo, Punkjazz, Mathcore, Experimentalrock – Whatever. Sängerin Eva Spence spuckt offenbar schon beim Warten auf den Bus Blut. Wohin mit dem Hass? Das fand offenbar Star-Produzent Diplo aus dem fernen L.A. so wunderschön, dass er gleich Hand an das neue Album der Rolo Tomassis werfen wollte. Gewünscht, getan. Hören kann man davon ehrlicherweise überhaupt nix, ist aber auch egal. Diese 40 Minuten Blutrausch brauchen keine reingesamplelten Schüsse wie „Paper Planes“ von M.I.A. – Herzschwache benötigen nur die Single „Kasia“, um Lebewohl zu sagen.

“Cosmology” erscheint am 21. Mai bei Hassle/Soulfood.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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M.I.A. – Born free

Die Provokation ist gelungen, YouTube verweigert sich dem Video zu M.I.A.s neuem Track “Born Free” von ihrem kommenden Album (Juni!). Der von einem Punk-Riff-Sample getragene Track macht keine Gefangenen. Muss das sein? Radikale Pose ist immer noch Pose.

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Herpes – Das kommt vom Küssen

tr177_herpes_cover_300dpi_shMan kann sich jetzt darüber streiten, ob die Nutzung von arg dämlichen Bandnamen dann nicht doch schon wieder cool sei. Geschenkt. Entscheidend ist ja schließlich aufm Platz. Und da bieten Herpes zehn Songs, die auf höchst honorige Weise auf dufte Vorbilder verweisen: Die Goldenen Zitronen, Devo und auch Fehlfarben, die ja ebenfalls ihr neues Album auf Tapete rausbringen. Nervös, geradezu hysterisch schlagen die vier Herren plus Dame die Brücke zwischen Synthie-Gewummer und astreinem Punk. Hatten wir das nicht schonmal? Japp, die Ähnlichkeiten zu „Das Herz war Nihilismus“ von Die Türen sind nicht von der Hand zu weisen. Die bekamen zwar reichlich Credits, der kommerzielle Erfolgszug fuhr aber ohne sie ab. Da liegt der Fall bei Herpes etwas anders: Eine Europa-Tournee und eine Einladung zum Londoner „Playground“-Festival, dem Hipster-Event schlechthin, stehen jedenfalls schon zu Buche. Und Songs wie „Very Berlin“ schaden im Ausland ja keineswegs, das kennt man, da geht man gerne mit. Und natürlich bei der organischen Wucht dieses Debüts, das catcy runtergeht wie aus einem Guss und mit „Verstimmt II“ einen veritablen Indiedisko-Hit bereit hält. Ihr Sloganizing beherrschen die fünf Herpesler ebenfalls perfekt – Es darf also losgehen.

“Das kommt vom Küssen” erscheint am 26. März bei Tapete.

Erstveröffentlichung desArtikels bei Intro.

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Doc Schoko – Schlecht drauf / gut drauf

23057579Doc Schoko ist ein beliebtes Kassengift aus Berlin. Vielleicht liegt es an dem originellen Punk-Pop-Mash-up zwischen S.Y.P.H., Kolossale Jugend, Shellac und Kotzbrocken, dass sich keine Szene wirklich zuständig fühlt und der Doc live wie bei den Verkaufszahlen eher überschaubare Erfolge einfährt. Macht heutzutage aber eigentlich eh nichts mehr, weil es doch auch weiter oben nichts mehr zu verteilen gibt – der Prekariats-Fatalismus der Texte profitiert sicher von den schlechten Rahmenbedingungen. Und auch die neue Nummer kann wieder viel geben, allein schon das stoisch skandierte “Schlecht dran / gut drauf” im Titelstück stellt einen der besten Punkmomente des ausgehenden Jahrzehnts dar. Also, wer eine gute Platte braucht, auf der nicht schon eine halbe Millionen “Freunde” draufsitzen, hier ist sie.

“Schlecht drauf / gut drauf” ist bereits bei Play Loud erschienen.

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Alle gegen Alle – A Tribute to Slime

slime_alle_gegen_alleDeutschpunk hat niemals wirklich Machtverhältnisse umgedreht – nur den Bier-, Badge- und Selbstgefälligkeits-Absatz gesteigert. Jetzt aber! Wenn nicht Slime, wer dann – wie wir Handballer immer singen. Vorangegangen war bei Sunny Bastards der Tribut zur Obersten Heeresleitung, OHL. Jener verhieß (bis auf zwei Ausnahmen) für weitere Ehrerbietungen allerdings nur humorfernes entbehrliches Geknüppel. Und davon, so ehrlich muss man sein, findet sich auch so einiges auf dieser Doppel-CD hier. Dankenswerterweise ist aber auch sonst noch einiges los. Viele der Stücke besitzen einen Twist, eine Idee, eine Brechung oder was es halt so braucht, um einem Cover seine Berechtigung zu verleihen (oder man macht was ganz Eigenes wie Die Rockformation Diskokugel und “Hey Lutz, wir fahren zu Slime”). Die beiden sehr unterschiedlichen Versionen des frühen Slime-Stücks “Disco” (von I Defy und in der Techno-Buckelpiste von The Band From A Future) kann man auf jeder Punkerparty auflegen – selbst wenn alle Punks schon weg sind. Bockt trotzdem voll hundert.
Oder natürlich die aus dem Schließmuskel-Umfeld kommende Travestie-Nummer von Herr Schwers, die “Deutschland muss sterben” erst mal zu “Another Stein For The Bullenschwein” macht und den Refrain dann noch auf die Melodie von Pink Floyds “Another Brick In The Wall” ablaufen lässt. Ebenfalls Knaller: Kumpelbasis (mit Ex-Vorkriegsjugend-Beteiligten) und dem Song “Albtraum”. Aber auch Die Toten Hosen geben dem expressionistischen Spätling “Viva La Muerte” tatsächlich ein Level-up. Muss man streng genommen echt haben diese Platte.
PS: Aber als Runterbringer zum Schluss noch das hier: Wer tatsächlich denkt, man feiere mit Slime nicht nur eine Band, sondern auch ein besseres Leben(sgefühl), das freier und emanzipatorischer gelebt wurde und wird, der soll sich das Zahlenspiel der Bands mal vor Augen führen. 54 Acts, damit ungefähr 200 Beteiligte. Davon sind, das Booklet bringt es an den Tag, acht Frauen. Sonst nur Typen. Nur Typen. Deutschpunk hat niemals wirklich Machtverhältnisse umgedreht. Nur den Bier-, Badge- und Selbstgefälligkeits-Absatz gesteigert.

“Alle gegen Alle” ist bereits bei Sunny Bastards/Broken Silence erschienen.

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Green Day – 21st Century Breakdown

green-day-21st-century-breakdown-coverDer Überraschungsmoment, wie es ihn noch bei „American Idiot“ (2004) gab, ist flöten: Green Day schreiben keine aus dem Bauch herauskommenden 1-2-3-Melodic Punkrock-Songs mehr, stattdessen ist „21st Century Breakdown“ ein knapp 70-minütiges Gesamtkunstwerk, das die Geschichte der Protagonisten Gloria und Christian am Rande der Gesellschaft in einer heruntergekommenen Industriestadt erzählt; eine Punkrockoper in drei Akten: „Heroes And Cons“, „Charlatans And Saints“ und „Horseshoes And Handgrenades“; Billie Joe Armstrongs, Mike Dirnts und Tré Cools erneute Sicht der Dinge zur Ära Bush und dem ganzen damit verbundenen Rattenschwanz. Ambitioniert, wenngleich man nicht darum herumkommt zu erwähnen, dass Green Day sich auf „21st Century Breakdown“ gelegentlich auch selbst am meisten im Weg stehen. Denn so sehr die Entwicklung des Trios aus Berkley hin zu richtig guten Songwritern mit Hang zu ausufernden Kompositionen auch erfreut, kommt das Album – im Gegensatz zu „American Idiot“ – doch nie so richtig in Gang und ersäuft regelrecht in seiner Genrevielfalt aus Punk, Rock, Glam, Pop und Prog. Bands wie die All-Star-Punks Black President oder die britischen Gallows wirken mit ihrer geradlinigen Wut auf Politik und Gesellschaft einfach authentischer und lassen Green Day eher wie Broadway-Systemkritiker erscheinen.

“21st Century Breakdown” ist bereits bei Reprise/Warner erschienen.

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Ebony Bones – Bone Of My Bones

51nvclgt51l_sl500_aa240_Innerhalb kürzester Zeit hat sich die 24-jährige Ebony Thomas im nicht gerade hypearmen Königreich als das perfekte Gesamtpaket etabliert, auf das Fans wie Kritiker offenbar nur gewartet haben. Die einstige Schauspielerin verbindet eine außergewöhnliche Stimme, magische Bühnenpräsenz und eine knallbunte Mischung aus HipHop, Electro und Soul mit einer energetischen Punk-Attitüde. Ohne Reibungsverluste hat die stets außergewöhnlich ge- und verkleidete Charismatikerin die Frische ihrer Live-Auftritte auf Album-Format gebündelt. Ein bisschen M.I.A., hier und da ein Punk-Zitat und dem anscheinend notwendigen Sinn für einprägsame Statements. „I am Cleopatra reincarnated, in search of KFC.“ Dabei hätte sie soviel amtliche Verpackung gar nicht nötig, schließlich haben Songs wie „The Muzik“ auch ohne die Hybris genügend Kraft, diesen Sommer zu erobern. Ebony Bones gräbt tief in den Gewässern der Musik-Geschichte und verbindet sie mit dem State of the Art. Haltbarkeitsdatum ungewiss, aber für den Moment ein Triumph der Freiheit. Spaßig, nicht knochentrocken. Trendforscher of the world unite and take over.

“Bone Of My Bones” erscheint am 26. Juni bei PIAS.

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