Rummelsnuff - Sender Karlshorst
6. März 2010Von heldenhafter Sowjetromantik über UFA-Seemannssehnsucht bis zu Pumper-Hymnen berserkert sich Rummelsnuff wieder durch die schwere See, die außer ihm in diesem Land niemand zu bezwingen weiß. Max Schmeling, Der Heizer, Gilbert Bécaud und irrerweise auch Barry Manilow (dessen „Mandy“ er so brutal-sehnsuchtsvoll schmettert, dass einem ganz anders wird) finden Platz in diesem Tonträger wie aus Stein gemeißelt. „ Wer sich leisten kann, das hier ernsthaft zu verpassen, der muss schon ein ziemlicher Spieler sein“, schrieb Linus Volkmann zu Rummelsnuffs Album „Halt durch!“ und daran hat sich beim pathosgeschwängerten Zweitwerk des Muskelbergs nichts geändert. EBM-Hymnen, die auch im feinstoffigen Netzhemd zu betanzen sind machen im Zusammenspiel mit der geradezu grotesk clownesken Überstilsierung der Proteinzufuhr jeden Versuch obsolet, daraus einen rechten Strick zu drehen. Was für Rammstein Riefenstahl ist, wird bei Rummelsnuff zu besagtem Manilow. Und ist auch ohne den leidlichen Kuriositätenfaktor eine überaus spannende Platte.
“Sender Karlshorst” erscheint am 14. Mai bei Out Of Line.
Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.
Alben, Musik
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