Beiträge zum Stichwort: Rock

[Album] Foals – Holy Fire

foalsholy fire bigAn Fakten ist nicht zu rütteln: Die Band Foals hat ein neues Album herausgebracht. Inhaltlich muss diese Feststellung aber hinterfragt werden. Ist das nicht eher die halbe Wahrheit, ist das wirklich neu, was wir da hören? Anlass, es so genau zu nehmen, haben die Engländer mit ihren zwei ersten Alben selbst provoziert. Das leichtfüßige und doch so akribisch durchdachte “Antidotes” gab einer Generation von ambitionierten Nachwuchsmusikern Hausaufgaben mit auf den Weg. “Total Life Forever” nahm den Faden vier Jahre später wieder auf, perfektionierte den Sound jedoch noch einmal, gab ihm mehr Facetten – führte ihn zu neuer Brillanz. Die Oxforder sind demnach selbst schuld, wenn man auf ihrem dritten Werk “Holy Fire” mit Großem rechnet, nach neuen Geistesblitzen lechzt. Und in Teilen befriedigen sie dieses Verlangen. Mit dem funkigen “My Number” etwa, dem für die Band schon fast zu fröhlichen Dancefloor-Filler. Oder dem eingängigen “Milk & Black Spiders” mit seinen Popqualitäten. Vor allem aber mit “Inhaler”, diesem merkwürdigsten aller bisher da gewesenen Foals-Songs, bei dem Sänger Yannis Philippakis gegen deftige Stoner-Rock-Gitarren anschreit, und “Bad Habit”, das für eine Weile gekonnt aus üblichen Foals-Mustern ausbüchst, um sich nach drei Minuten doch wieder nahtlos einzureihen. Auf der anderen Seite klingt auch vieles vertraut: perfekt konzipierter Indiepop mit zackigen Rhythmen und punktgenauen Gitarren. Und das darf auch so sein, denn dieser Foals-Sound ist ein Qualitätssiegel. Und wer sich so konsequent einen eigenen Stiefel geschaffen hat, darf ihn eben auch guten Gewissens tragen. Er sieht schließlich noch immer besser und individueller aus, als die meisten anderen.

“Holy Fire” ist bereits bei Warner erschienen.

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[Album] Selig – Magma

Breitbeinig stehen sie wieder da, die von den 90ern ausgespuckten Muckerrockermucker Selig. Yeah, und wie das losrockt: stumpf, kernig, mit gekonnt nebulösen Textschwurbeleien. Seitdem Jan Plewka vom Tourbus der Ton Steine Scherben angefahren wurde (Spekulation! Muss nicht stimmen!) hält er sich ja bekanntermaßen für Rio Reiser und kommt trotz hundertfacher Imitation auf keinen grünen Zweig. Tote können sich nicht wehren. Die hemdsärmelige Sprache verschwindet jedoch hinter dem Gottesbeweis eines jeden Deutschrockfans: der geilen Produktion. Steve Power, der „Rick Rubin von Europa“ und Mit-Produzent der „entscheidenden ersten fünf Robbie-Williams-Alben“ zeichnet dafür verantwortlich und war angeblich von „dieser outstanding, besonderen Band“ begeistert. Wer Selig zu nahe kommt, dessen Sprache kommt offensichtlich darin um. Wenn Plewka vom „Leben im Überflug“ knödelt, möchte man nicht in der Nähe sein, sollte diese fette Maschine voller Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Authentizität und kaltem Musikerschweiß jemals landen. Allen Ernstes formuliert die Band folgendes Credo: „Wenn du die Welt nicht verändern kannst, verändere dich selbst. Wenn du dich selbst nicht verändern kannst, verändere die Welt“. Das hätte Claudia Roth nicht schöner rocken können. Die war ja schließlich auch mal Managerin der Ton Steine Scherben. Vielleicht „geht“ da ja was? Rock’n’Roll will never dead.

“Magma” erscheint am 1. Februar bei Universal.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Album+Video] Divine Fits – A Thing Called Divine Fits

„I’ve been contemplating suicide, but it really doesn’t suit my style”, mäht Britt Daniel im Birthday-Party-Cover „Shivers”. Zu schick für den Strick. Divine Fits, die Supergroup des Spoon-Chefs mit Dan Boeckner, ehemals bei Handsome Furs und Wolf Parade, ist so unerhört lässig, dass selbst der Tod nur in Dimensionen von cool und uncool beurteilt wird. „A Thing Called Divine Fits” ist ein spartanisch arrangiertes, treibendes Rock’n'Roll-Album mit wohldosiertem Synthieeinsatz, bei dem die beiden Frontmänner ihre Einsätze fast peinlich genau aufteilen. Auf dem Debüt der Band, die ausdrücklich kein einmaliges Projekt sein will, finden sich nicht die besten Songs, die irgendeiner der beiden je geschrieben hätte, das uneitle Umfeld wirkt aber kreativ genug für künftige Klassiker.

“A Thing Called Divine Fits” ist bereits bei Anti/Indigo erschienen.

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[Album] Marillion – Sounds That Can’t Be Made

Tragisch, wie sehr die Progressive-Rock-Band Marillion vor 30 Jahren ihrer Zeit eigentlich voraus war, ohne dass sie jemals als cool galt. Klar: 2012 ist jeder Tolkien-Fan, liebt Mittelalter-Serien und verkleidet sich für Cosplay-Veranstaltungen. Damals aber galten Nerds unter Rockfans noch als Idioten. Heute, anlässlich des 13. (!) Studioalbums mit dem neuem, egaleren Sänger (der alte, Fish, trug wenigstens noch Bauch, Vokuhila und etliche Gläser Bier), sind ebenfalls erhebliche Zweifel angebracht, ob die Nachwelt die opulenten, eine Viertelstunde in die völlige Selbstauslöschung mäandernden Konservatoriums-Rocksongs jemals cool finden wird. Ich meine, wir reden hier immerhin über eine Band, die eines ihrer Studioalben »Marillion.com« genannt hat.

“Sounds That Can’t Be Made” ist bereits bei EarSounds/Edel erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Album] Green Day – ¡Uno!

Das, was Green Day in den Neunzigern extrem knackig machte, war ihre Verkürzung, die punkige Knappheit der Drei-Minuten-Hits auf »Dookie«, Rotz und Co. Was Green Day allerdings im letzten Jahrzehnt noch extrem erfolgreicher werden ließ, war der Griff zum Epischen, zum Bedeutsamen – sowohl bezogen auf die Musik als auch aufs Textliche. Ihr »American Idiot« verkörperte das »gute« (aber immer noch corporate) Amerika in den Jahren der Bush-Regression. Im Nebeneffekt wurden Green Day Platin-Stars statt tingelnde Punker um die 40. Und nun? Nun wirken die drei geschwätzig und unentschlossen, wenn sie mit drei Alben (kurz hintereinander veröffentlicht) auftrumpfen. Niemand hat ein Dreifach-Album voller Hits. Green Day auch nicht, sie wollen halt mal »was anbieten«. Doch der viele Rock’n’Roll und das Ausufernde sind einfach die Antithese zu dem, was man an Green Day mag. Kurz gesagt: Statt Pointiertheit gibt’s überproduziertes Geschwurbel jenseits von zwingend. ¡Leider!

“¡Uno!” ist bereits bei Reprise/Warner erschienen.

Erstveröffnetlichung des Artikels bei Intro.

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[Album] The Walkmen – Heaven

Hingerotzte, auf ausrangierten Kassettenrekordern aufgenommene Lo-Fi-Platten haben ihren Reiz, na klar. Der elegante, geradezu gediegene Gegenentwurf der Walkmen schockt aber nicht minder. „Heaven” ist – wie bereits seine Vorgänger – High-Fidelity-Kunst. Jedes Instrument sticht klar und laut aus dem Mix, fast hat man das Gefühl, mit im Raum zu stehen: stocksteif den Atem anhaltend um die Aufnahme nicht zu versauen. Dabei ist die New Yorker Band natürlich nicht nur was für audiophile Vinylfreaks. Das gleichsam an Post-Punk und Sechzigerjahre-Balladen geschulte Songwriting kann sehnsüchteln und fordern – und gehört zum stärksten Material, das Hamilton Leithauser mit seinen Mitstreitern überhaupt je aufgenommen hat. Wer The National ein bisschen über hat: Das ist die zweite große US-Rockband dieser Tage.

“Heaven” ist bereits bei Cooperative/Universal erschienen.

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[Album] H-Blockx – HBLX

Wer will den stillosen Crossover-Veteranen aus Münster dieses Album-Comeback verdenken? Wenn doch selbst die Guano Apes zuletzt mit einer objektiv furchtbaren Wiedergänger-Platte auf nicht weniger als Platz 1 der Charts gelandet sind. Vor einer Duplizität dieses grässlichen Ereignis’ bewahre uns allerdings der Pop-Gott. Schlimm genug: H-Blockx sind wieder da, waren angeblich nie weg. Diverse Besetzungswechsel in jedem Fall später kommt nun dieses indifferente Gitarren-Gulasch. Vermutlich soll das sein: moderner Rock mit Bläsern, bei dem auch mal gekifft werden darf. In echt ist es aber: sehr anstrengend und eine amtliche Neunziger-Hölle, die man längst schon überwunden glaubte. Da hilft auch nicht, dass Schlagzeuger Wilmking letztes Jahr sehr einflussreich als Produzent an Caspers »XOXO« mittat.

“HBLX” ist leider erschienen bei Ministry Of Sound/Warner.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Album+Video] Sharon Van Etten – Tramp

Die Nähe von Sharon Van Etten zum traurigen Rock von The National wird gerne betont, noch häufiger seit “Tramp” von deren Gitarrist Bryce Dessner produziert wurde. Tatsächlich könnte man sich einen vorwärts polternden Song wie “Serpents”, wo einem ehemaligen Liebhaber ordentlich eine mitgegeben wird, auch von Matt Berninger vorgetragen vorstellen – verbessern würde er ihn nicht. Für die Bestandsaufnahmen schadhafter Beziehungen hat Sharon van Etten zu einer unverwechselbaren Stimme gefunden: eine die sich anstrengen muss, aber letztlich immer als Sieger aus den Songs hervorgeht – so wurde man dieses Jahr noch nicht zum Zuhören gezwungen. Die etwas simplen Folkbeichten der vergangenen beiden Alben schwingen als Echos mit, “Tramp” hingegen ist Rockmusik. Es muss nichts Schlechtes sein, wenn die Welt einen abhärtet.

“Tramp” ist bereits bei Jagjaguwar/Cargo erschienen.

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[Album] Enter Shikari – A Flash Flood Of Colour

enter-shikari„Calm the fuck down!” heißt es plötzlich mitten in der Single-Auskopplung „Gandhi Mate, Gandhi” von Seiten der Bandkollegen, nachdem sich Rou Reynolds in eine Atari-Teenage-Riot-mäßige Schimpfkanonade hineingebrüllt hat. Der denkt ja gar nicht dran. Dann stürzt sich der Song nämlich erst richtig in die irre Mischung aus Kirmestechno, Screamo und Schweinerock, die Enter Shikaris Markenzeichen ist. Sonst traut sich ja niemand. Im Grunde ist die Verquickung ganz sinnvoll: Alles, was laut ist (und Eltern zu Tode nervt) in einen Topf geworfen. Über die Jahre haben die vier Freunde aus England allerdings ein bisschen was über Songwriting gelernt, was „A Flash Flood Of Colour” zum bislang besten Album der Band macht. Eine ordentliche Packung gibt’s trotzdem. Die Kopfnuss gibt es halt von jemandem, der was in der Birne hat.

„A Flash Flood Of Colour” ist bereits bei Ambush Reality/PIAS erschienen.

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[Video] Mastodon – Deathbound

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