Netzsperren - Was Ursula von der Maus lernen kann
1. Mai 2009Zweck dieses Beitrags ist es, Munition für Gespräche zu liefern, in denen man Nicht-Technikaffinen erklären muss, wo die elementaren Probleme der Netzsperren liegen. Der Clip startet gleich an der relevanten Stelle, bei Minute 3.03 und erklärt kinderleicht, was passiert, wenn man eine Webadresse im Browser eingibt.
Auf die “Sendung mit der Maus” zu verweisen, soll gar keine Beleidigung des Intellekts der werten Leserschaft darstellen. Die gegenwärtige Debatte um die Sperrung von Kinderpornoseiten kämpft mit dem Problem, dass “nur Internetfreaks” durchblicken, was die von der Bundesregierung verabschiedeten Sperren (nicht) bewirken. Vielen Außenstehenden fehlt der Anschluss an den Diskurs im Mikrokosmos. Kritiker schreiben viel, was ein in breiten Teilen der Bevölkerung nicht existierendes Technikverständnis voraussetzt.
Würde jemand ein ergänzendes Maus-Video drehen (dies ist ein Aufruf dazu), das zeigt, was die Sperre macht, ginge der Kommentar ungefähr so:
Was macht jetzt das Gesetz? Das Gesetz sagt, dass die Polizei dem Mann in der Auskunft eine Liste mit Adressen geben. Die muss der Mann in der Auskunft dann in einen besonderen Karteikasten aussortieren. Da steht dann “Sperrliste” drauf.
Wenn jetzt einer nach einer Adresse fragt, die in dem besonderen Karteikasten drin ist, dann gibt der Mann in der Auskunft keine Nummer heraus, sondern zeigt dem Frager nur ein Stoppschild. Damit kommt der dann nicht weiter.
Was kann der dann machen? Es ist wie beim Telefonieren: Wenn er die Nummer schon kennt, kann er trotzdem anrufen. Er muss den Mann in der Auskunft dann ja gar nicht mehr nach der Nummer fragen. Der besondere Karteikasten und das Stoppschild können ihm dann egal sein.
In der Manier könnte man auch noch gut erklären, wo das BKA nochmal ins Spiel kommt. Bei den weiteren Problemen, die sich aus der Funktionsweise des Web ergeben, wird allerdings die Personifizierung und die Telefonauskunft-Analogie nicht mehr greifen.
Dennoch: Hätte die Mehrheit der Deutschen tatsächlich verstanden, was in diesem Beitrag vor einigen Jahren schon im öffentlich-rechtlichen Kinderprogramm vermittelt wurde, müssten sie sich sehr wundern, was die Regierung heute für einen uneffizienten Mechanismus installiert. Und entsprechende Fragen stellen. Tut sie aber nicht.
Denn das Web ist in einer kurzen Zeit zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Infrastruktur geworden, der in seiner Funktionsweise nicht weiter hinterfragt wird. Hat jemand seither kein explizites Interesse an der Materie entwickelt und auch nicht das Glück gehabt, in diesem Zeitraum eine die entsprechende Medienkompetenz vermittelnde Bildungsinstitution zu durchlaufen, wird er nicht verstehen, wieso die Sperre die ineffizienteste aller Lösungen zum Problem der Kinderpornografie ist (nicht dass es bei der jüngeren Generation ein breites Verständnis gäbe - es gibt aber bei der älteren Generation scheinbar ein ausgeprägt geringes).
Für alles Weitere sei unter den vielen lesenswerten Aufgeregtheiten in Web und Blogosphöre z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, sowie der Linksammlung hier, nochmal besonders auf den sachlichen Artikel aus der c’t verwiesen.
“So blöd können ‘die da oben’ doch gar nicht sein.” Genau.
Politik, Rohrkrepierer
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