Beiträge zum Stichwort: SPD

Munitionen-Presseklub

So, mal schön bisschen was zum Schmökern am Wochenende:

1. Ein grauenhaftes Interview bei sueddeutsche.de mit Jochen Distelmeyer. Eine Idee, die grandios “scheitert” und der Interviewer dennoch nicht davon ablassen kann, sie immer und immer wieder aufs Tablett zu bringen.

2. Kaum sieht Ulf Poschardt die Felle für Schwarz-Gelb scheinbar davonschwimmen, wird er pampig. “Aber: Sie, die im Job und im Leben Verantwortung übernehmen, verwechseln diese Geschmacksurteile nicht mit der politischen Richtungsentscheidung dieser Wahl. Gemüts- und Distinktionswähler haben weniger zu verlieren: Sie können in ihren zu überlebensgroßen Spiellandschaften angewachsenen Szenevierteln die Regression zum Kuscheltier vollenden. Wer wirklich etwas zu verlieren hat, kann nicht anders als mit der Erststimme Union und mit der Zweitstimme FDP zu wählen ­– und wenn Sky Dumont Außenminister wird.” Den ganzen Wahnsinn gibt’s auf welt.de nachzulesen.

3. Merkel-Biograph und “Politologe” Gerd Langguth darf im Spiegel noch einmal Kampagnen-Journalismus vom Feinsten vom Stapel lassen. Sein “Plädoyer für die Entzauberung der Linkspartei” ist selbst für SPON-Verhältnisse ein starkes Stück, denn unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Betrachtung darf sich hier ein ehemaliger RCDS-Vorsitzender und Bundestagsabgeordneter der CDU (ohne dass diese Informationen dem Leser mitgegeben werden) am politischen Gegner abarbeiten.

4. No, we can’t. Interessante Inneneinsicht des Online-Wahlkampfs der SPD. Und wie sie ihn verloren hat. Auf freitag.de erzählt ein Insider.

5. Und noch die fast untergegangene Dreistigkeit schlechthin der letzten Tage: Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn wechselt laut Managermagazin in die Wirtschaft. Und zwar nicht irgendwohin, sondern zu Morgan Stanley, der Bank, die den Börsengang der Bahn maßgeblich begleiten sollte.

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Hochachtung, Dieter Gorny!

Da zerbrezelt es die von Jahr zu Jahr schlechter werdende Musikmesse “Popkomm” endgültig und wer ist Ihrer Meinung nach an der Absage der ursprünglich vom 16. bis 18. September geplanten Veranstaltung ausschließlich Schuld?

„Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen“

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Aber keine Angst: Ursula, die Sozen und das BKA werden schon dafür sorgen, dass Ihr VIVA-gestähltes Musikerherz bald wieder höher schlagen wird. Und dann auch wieder ein Melting Pot der musikalischen Irrelevanz namens Popkomm stattfindet.

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Welches Instrument spielt er denn?

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Lichtgestalt der SPD

tsg01Das Motiv ist wirklich ernst gemeint.

Die direkte Anspielung hat man wohl in so kleiner Schrift gesetzt, weil´s ihnen selbst peinlich ist.

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Thilo Sarazzin (The Party formerly known as SPD)!

In Ihrer Eigenschaft als Berliner Finanzsenator dürfen Sie ja zu sehr vielen Themen gefragt und ungefragt etwas kundtun. Ein Privileg, dem Sie gerne nachkommen und sich ob Ihres groben Naturells auch gerne als “Querdenker” feiern lassen dürfen. Provinzlern wie uns haben Sie auf die Frage des Magazins “Cicero”, was denn “Ihr persönlicher Mindestlohn sei”, mal wieder gezeigt, dass in der Reichshauptstadt mit anderen Bandagen gekämpft wird bzw. auf welchem Niveau sich dort der Politikbetrieb entlangschaukelt:

“Für fünf Euro würde ich jederzeit arbeiten gehen.”

Sarazzin, tun Sie’s doch einfach. Geben Sie ihre 46 Nebentätigkeiten (Stand: Juni 2008) auf und machen sich frei. Irgendwo in Mitteldeutschland wartet ein ganz ganz großes Spargelfeld auf Sie.

Foto: www.berlin.de

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Volker Pispers - Munition statt Wohngeld

Denkt man an politisches Kabarett in Zeiten von allgegenwärtigem Comedyklamauk drängt sich ein Vergleich zu Fast Food und Haute Cuisine auf. Diese Einschätzung muss man gleich relativieren, betrachtet man den stets Monate im voraus ausverkauften Tourplan von Volker Pispers. Der scharfzüngigste deutsche Politkabarettist ist überraschend populär und nur Dank Ebay konnte ich am 3.05. den im Kölner Theater am Tanzbrunnen gut zweieinhalb Stunden live erleben.

Der mit Preisen überhäufte Düsseldorfer (”Bei uns gibt es Viertel, da leben mehr Cardiologen als Menschen mit Herz.”) ist regelmäßig bei den Öffentlich-Rechtlichen zu sehen, erst kürzlich erhielt er seine eigenen 90 Minuten auf 3sat. Über seine Homepage kann man Bücher, CDs und DVDs ordern, Appetithäppchen findet man bei YouTube.

Der Kampf der Systeme ist entschieden und der Kapitalismus hat weltweit den Sieg davon getragen.

Schade, dass kein Mensch gewonnen hat. Aber Sieg bleibt Sieg. Und den feiern wir jetzt.

Das heißt, wir würden den Sieg gerne feiern, wenn wir wüssten, wo der Sieg hin ist.

Bisher steht ja nur fest, dass der Kapitalismus ihn davon getragen hat.

Wahrscheinlich hat er ihn in Sicherheit gebracht. Nach Luxemburg oder auf ein Schweizer Nummernkonto.

Volker Pispers “Volkerkunde”, 1994

Von jemandem, der so die Welt erklärt, darf man kein billiges Verlachen einzelner Politfiguren oder altersmildes Parteibuchkabarett wie das des späten Dieter Hildebrandt erwarten: Bissig, ätzend und scharfzüngig überzieht Pispers die herrschenden Verhältnissen mit Fundamentalkritik und unterzieht sein Publikum einer Akupunktur mit spitzen Pointen.

Er möchte Meinungen bilden, statt nur Stimmung zu machen, seine Texte sind hintergründig und mitunter lehrreich: Er erklärt das Gesundheitssystem, die Lohnnebenkosten (in Anspielung auf die Kanzlerin garniert: “Ob Netto oder Brutto, das nehmen wir nicht so genau. Sagen wir einfach bretto. Oder nutto ist auch schön!”) oder den Abbau des Rentensystems hin zu einer kapitalgedeckten Altersvorsorge: “Da haben Sie Verwaltungspauschalen von 15-20%. Und noch 2% Inflation obendrauf. Was das bis zur Rente an Kaufkraftverlust bedeutet, können ja die meisten Deutschen gar nicht mehr ausrechnen. Was meinen Sie was in diesem Land los wäre, wenn mehr Menschen begreifen würde, was hier los ist?”.

Die aktuelle Schönwetterlage deutet er zum Gebrechen um, wenn er mit verzogener Miene fragt: “Haben Sie auch so Aufschwung?”. Einige seiner besten Momente hat er, wenn er Sprache seziert und den Zynismus von Begriffen wie der “gefühlten Inflation” entlarvt: “Das heisst ganz einfach: Wenn Sie als mündiger Bürger die Inflation vermeiden wollen, müssen sie nur die richtigen Produkte kaufen. Flachbildfernseher sind z.B. billiger geworden. Was müssen Sie auch immer Butter kaufen? Schmieren Sie sich doch mal nen Drucker aufs Brot!”.

Er scheut sich nicht, Radikales zu artikulieren und schlägt z.B. zu den “Wohnungsbaugesellschaften und Erbengemeinschaften, die sich unsere Innenstädte untereinander aufteilen” vor, Munitionen statt Wohngeld zu verteilen, um die Verhandlungsbasis mit den Vermietern zu stärken.

Bei Pispers gut aufgehoben ist, wer über die Sozialdemokraten enttäuscht ist, weil sie lieber Politik gegen ihre Wähler machen, ist, statt die linken Mehrheiten in Bundes- oder Landesparlamenten zu nutzen, um ihr propagiertes politisches Programm umzusetzen. Keine der Parteien nimmt er aus: “Ich halte das Führungspersonal der SPD zu blöd um ein Loch in den Schnee zu pissen. Und bevor Sie nach den Grünen fragen: Die finden ja noch nicht mal mehr den Schnee.” Die Grünen hält er für nicht mehr als “FDPler mit Verstand und Gewissen”.

Wen nach der letzten Wahl, nach der ja nur die große Koalition vom Vermittlungsausschuss ins Kabinett gewandert ist, eine Besserung erwartet hat, fragt er: “Wie sind Sie eigentlich drauf? Was machen Sie, wenn Ihnen einer ne Pistole auf die Brust setzt und fragt: Beck oder Merkel? Da können Sie doch eigentlich nur noch sagen ‘Drück ab’, oder?”

Zur Regierungspolitik arbeitet er sich u.a. am Primat des Wachstums bzw. Arbeitsplätze-Arguments in allen Fragen ab, so z.B. zum Klimawandel. Ein Zitat von Glos “Wollen Sie, dass wir ein Volk von Kleinwagenfahrern werden?” überzieht er in: “Der Erfinder der Endlösung ist doch kein Kleinwagenfahrer”, was ein reflexartiges Raunen im Publikum auslöst, bis sich die Erkenntnis breit macht, dass er damit durchaus treffend auf die solchen Äußerungen unterliegende Grandeur anspielt, der Deutsche habe das Recht, mit Limousinen über den Planeten zu brettern, bis der letzte Tropfen Öl verbraucht sei.

Nachdem er einigen Maßnahmen zur Verkehrspolitik erläutert hat, schiebt er nach: “Ja, jetzt klatschen Sie. Aber wenn man sowas dann macht, seh ich sie schon im Supermarkt stehen und maulen: ‘Was sind denn die Erdbeeren an Weihnachten wieder so teuer?’”.

Er weiß genau, dass die Reihen vor ihm nicht mit makellosen Bessermenschen gefüllt sind. “Heben Sie Ihre Eintrittskarten gut auf: Nachdem der Kapitalismus zusammengebrochen ist … Sie lachen, wenn ich diesen Satz sage, aber Christian Klar kriegt für sowas Haftverschärfung … dann können Sie Ihre Kabarettkarten hervorkramen und damit belegen: ‘Ich war Widerstandskämpfer. Ich habe laut gelacht, wenn meine Regierung verspottet wurde.’” Oder um es mit Matthias Beltz zu sagen: “Geh ins Kabarett, du Lump, damit du nicht versinkst in Selbstbeweihräucherung und ziellosen Anklagen gegen die anderen, die immer schuld sind.”

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Oswald Metzger!

oswaldmetzger.jpgWas war das für ein Schock, als dieses Video bei Youtube auftauchte. Sie, nackt, und fünf Prostituierte, die Ihnen in Nazi-Uniformen die Peitsche und… Halt, falscher Film! Bei Ihnen war es ja die gelenke Geschmeidigkeit, nach ihrem einstigen Parteiaustritt bei der SPD zu den Grünen zu wechseln und jetzt, teils frustriert, teils beleidigt, den Grünen den Rücken zuzukehren und bei der CDU anzuheuern. Der sichere 2009er Listenplatz mag das entscheidende Argument für die Schwarzen und gegen die Partei der fortgeschrittenen Steuerhinterzieher, das Westerwellsche’ Spaßprojekt “FDP”, gewesen sein, aber eigentlich interessiert’s dann doch keine Sau. Apropos Sau: Wissen Sie, Metzger, wie Ihr Nachrücker in Reihen der Grünen für das von Ihnen verwaist zurückgelassene Landtagsmandat heißt? Eugen SCHLACHTER! Super!

Foto: Homepage Oswald Metzger

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Dagmar Metzger (irgendwie SPD)!

dagmar-metzger.jpgSie sind laut BILD “die ehrlichste Politikerin Deutschlands”. Das ist nicht selbstverständlich für eine Politikerin der hessischen SPD, die ja schließlich für die Abwahl Roland Kochs, gegen Studiengebühren und vielerlei mehr linker Folklore im Wahlkampf gefochten hat. Leider haben die hessischen Wähler mit ihrer Stimmabgabe ein derartiges Durcheinander angerichtet, dass Sie als Neu-Parlamentarierin erstmal in Urlaub gefahren sind und deshalb leider an der entscheidenden Fraktionssitzung nicht teilnehmen konnte, in der sich an der Frage gerieben wurde, ob man die angestrebten Ziele mit der Wahl Andrea Ypsilantis zur Ministerpräsidentin durch die Stimmen von SPD, Grünen und der Linken erreicht. Dies geschah nicht im stillen Kämmerlein, sondern wurde von einem gewaltigen Rauschen im Blätterwald begleitet. Das Rauschen war anscheinend aber nicht gewaltig genug, um sie dazu zu bringen, ihre Bedenken an einem solchen Vorhaben, Frau Ypsilanti zu Gehör zu bringen. Als sie - frisch gestärkt - aus dem Urlaub zurück kamen, war die Sache eigentlich unter Dach und Fach. Wenn, ja wenn, da nicht das plötzlich auftretende Gewissen Ihrer Person für massive Schwankungen gesorgt hätte. Auf gar keinen Fall könnten Sie Frau Ypsilanti mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen. Was eigentlich ja auch niemand von Ihnen gefordert hat, denn Sie sollten ja nur Ihre eigene Spitzenkandidatin wählen. Mit Ihrer Stimme. Aus “biographischen Gründen” sei Ihnen dies unmöglich, erklärten Sie. Eine “Gewissensfrage”, keine Frage. Ganz gewiss.

Frau Metzger, mal ganz im Ernst: Die SPD regiert in Berlin, ihrer ehemaligen Heimat, seit Jahren in einem Bündnis mit der Linken. Haben Sie das nicht mitbekommen? Oder war Ihnen das egal? Wie würden Sie eigentlich abstimmen, wenn im Hessischen Landtag Herr Koch UND Frau Ypsilanti zur Wahl anträten? Oder wollten Sie einfach mal nur wieder darauf hinweisen, dass sich in Hessen die krawalligste Parteien-Struktur mit den tumbesten und lügnerischsten Spitzenpolitikern tummelt? Sollte letzteres der Fall sein - Hut ab!

Foto: SPD Darmstadt

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