Beiträge zum Stichwort: Stars

[Album] Stars – The North

Der Gegensatz von übertriebener Theatralik und brutaler Bodenständigkeit ist ein Trick, den die Kanadier beherrschen wie niemand zweites, sie können mit übervollem Herzen Prätentiöses zwitschern und in der nächsten Zeile fluchen wie ein Bierkutscher. „The North” hüpft zwischen Indie- und Elektropop und den Stimmen von Torquil Campbell und Amy Millan, die den pathetischen Überschwang der Musik mit zum Teil trockenem Humor konterkarieren. Besonders gelungen ist Amy Millans ominöser Synthietrack „Progress” oder das an New Order erinnernde „Hold On When You Get Love And Let Go When You Give It” mit seinem irrlichternden Bass und der schönen Zeile „Take the weakest thing in you and beat the bastards with it”. Schwächlinge der Welt, tut euch zusammen und übernehmt!

“The North” erscheint am 19. Oktober bei Unter Schafen/Alive.

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Stars – The Five Ghosts

starsEs ist keine freundliche Welt, in der Amy Millan und Torquil Campbell, die beiden Köpfe von Stars, leben. Alles ist eintönig und ziemlich blöd. Die Liebe ist kein Schlachtfeld, sondern ein Bombenkrater. Und wirklich besser scheint es nicht zu werden: Der selbstzerfleischende Witz von Songs wie „Your Ex-Lover Is Dead” oder die Blödelei eines verliebten Fahrstuhls in „Elevator Love Letter” sind den Stars heutzutage eher fremd. Der Tod klopft laut und vernehmlich an auf Songs wie „I Died So I Could Haunt You” oder „Dead Hearts”. Nach dem etwas zerfahren wirkenden letzten Album „In Our Bedrooms After The War”, wirkt „The Five Ghosts” einheitlicher, auch wenn das heißt: ganzheitlich bedrückend. Selbst der Diskostampfer „We Don’t Want Your Body” wirkt antihedonistisch und lebensmüde. Stars’ Geschichten sind monochrom und bitter – aber dennoch schön: Zwar ist alles in grau getaucht, aber eben nicht wie in hingeworfenen Bleistiftzeichnungen, sondern in aufwändigen Schraffuren und Radierungen. Wie es in der ausgezeichneten Doctor-Who-Folge „Blink” heißt: „What’s good about being sad?” – „It’s happy for deep people.”

“The Five Ghosts” ist bereits bei Soft Revolution/Alive erschienen.

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Broken Social Scene – Forgiveness Rock Record

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Sich selbst zur Marke zu machen kann sich lediglich eine Band leisten, die immensen Spielraum lässt, was unter ihrem Namen vorstellbar ist: Die Soloalben von Kevin Drew und Brendan Canning trugen wie selbstverständlich den Vorsatz „Broken Social Scene presents…” – eine freundliche Kommune von Gegensätzen, wie es auch die aktuelle Platte des kanadischen Künstlerkollektivs erneut in sich ist. Fünf Jahre nach dem letzten „richtigen” Broken Social Scene-Album hat sich das Personal ein wenig gesundgeschrumpft, die Ambitionen sind nicht kleiner geworden. Wummernder Synthiepop, Blue-Eyed Soul und übersteuerte Indierocksymphonien stehen dicht an dicht, prominente Gäste wie Leslie Feist, Amy Millan von den Stars und Emily Haines von Metric einander auf den Füßen. Ein Musik gewordenes Wimmelbild, bunt und wunderschön.

“Forgiveness Rock Record” ist bereits bei City Slang/Universal erschienen.

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Mixtapes & Cellmates – Rox

41javvlazel_ss500_Braucht die Welt noch eine Band, die nach Shout Out Louds und den Stars klingt? Selbstverständlich, wenn sie so wunderbar überschwängliche Pop-Hymnen wie Mixtapes & Cellmates aus dem Ärmel schüttelt. Dass die Fünf aus Schweden kommen hört man auch mit verbundenen Ohren heraus. Stichwort: Melodieverständnis. Dabei waren die vergangenen Jahre bei weitem nicht so harmonisch wie sich „Rox“ anhört. Solo-Projekte, Einstiege bei anderen Bands und gar Abtauchphasen in die Stockholmer Techno-Szene werden kolportiert. Nein, diese suchenden Künstler. Beats bleiben trotzdem draußen, dafür ist mittlerweile ein Drummer an Bord. Und Gott sei Dank hat die bandfremde Selbstverwirklichung nicht zu Frickelavancen geführt. Stattdessen: Ein Album in fünf Tagen aufgenommen, live in den Gröndal Studios. Dort wo The Hives die Saiten beackern, rotzen Mixtapes & Cellmates irgendwo zwischen Spacemaid, The Postal Service und Post-Punk zehn bravouröse Songs auf 35 Minuten. Dufte, melancholisch, Fäuste hoch. Braucht die Welt noch mehr Bands, die nach Mixtapes & Cellmates klingen? Diese Frage sollte man den Shout Out Louds und den Stars stellen.

“Rox” erscheint am 23. April bei Tangled Up!.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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