Beiträge zum Stichwort: The Killers

[Album] Big Talk - Big Talk

big-talkRonnie Vannucci hat das Trommeln bei The Killers nicht mehr genügt. Zu viele Ideen seien unvollendet, ließ er kolportieren. Da muss man doch was machen. Zum Beispiel ein Soloalbum. Big Talk ist der Name dafür, als Band, als Albumtitel. Und Vannucci weiß, wie hart der erste Satz treffen muss: „It’s not too early for whiskey.“ Okay, zugegeben ein harter Punch zu einem Song, der die James-Dean-Bradfield-Gitarre quengeln lässt und schmutzige 80s-Rock-Fantasien bedient. Ein absurder Umstand, der einen im Laufe dieses Albums noch häufiger ins Grübeln bringt. Macht der das absichtlich? Seine Lieblingskünstler seien doch Tom Waits und die Talking Heads, Tom Petty And The Heartbreakers. Einzig die astreine Perfektion bei dem, was er da tut, mag dem gerecht werden. Musikalisch wurzelt „Big Talk“ im feuchten Boden, auf dem unzählige Teenager-Komödien gedreht wurden und irgendeiner eben den Job übernehmen muss, die Cabriofahrt Richtung Sommerferien mit einem überdrehten Stück Musik zu untermalen. Vannucci ist dieser Mann. Ach, und The Beatles kann er auch: „The Next One Living“. Neben „No Whiskey“ ein irgendwie deplatzierter Eckensteher auf einer Party, die rummst und wackelt und Bierdosenstechen zur olympischen Disziplin erhebt. Alles dufte, alles clever, alles mitreißend. Alles schrecklich egal.

“Big Talk” erscheint am 15. Juli bei Epitaph/Indigo.

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Cold War Kids - Mine Is Yours

cold-war-kidsDie Cold War Kids aus Kalifornien sind gelinde gesagt eine sehr wandlungsfähige Band. 2006 als Net-Hype in die Wahrnehmung der konzentrierten Nerd-Cliquen katapultiert, sind jene Novelty-Vorschüsse natürlich längst aufgebraucht. Da muss man sich was einfallen lassen, will man weiterhin als Indie-Act seine Kreise ziehen. Die Cold War Kids wollen mit “Mine Is Yours” nun auf jeden Fall mal richtig wissen, was möglich ist. Oder, kann ja auch sein, entdeckten zufällig ihre Lust an der ganz großen Leinwand und das The-Killers-Gen in sich selbst. Vorbei sind so die Tage und Songs, in denen man patchworkig auftrat und auch mal Enden ins Leere laufen ließ. Songs wie “Royal Blue” entdecken lustvoll das Fanfarenhafte, und bei Stücken wie “Finally Begin” oder “Out Of The Wilderness” ist man als Hörer fast ein bisschen pikiert ob des so schamlosen Pop-Kitschs. Genau, für Kitsch muss man wirklich eine Schwäche haben, sonst wendet man sich letztlich mit Grausen von der Neuerfindung der vier verschmitzten Typen ab. Hat man eine solche aber, findet man hier ein Stück weit Offenbarung.

“Mine Is Yours” erscheint am 28. Februar bei Coop/Universal.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Brandon Flowers - Flamingo

23061349Mit der Einschätzung der letzten Killers-Platte lag ich ja unlängst noch falsch: Wähnte die Styler aus Las Vegas bereits auf dem Sinkflug, obwohl “Day & Age” die Band letztlich viel mehr unverrückbar im kontemporären Pop-Olymp verankerte. Dennoch kann ich ohne jeden Zweifel sagen, dass die Solo-Ambition von Sänger Brandon Flowers ihn nicht in jenem Orbit des Erfolgs wird halten können. “Flamingo” muss als erster Dämpfer der Killers-Champions-League-Geschichte gelesen werden. Denn Flowers ist kein charismatischer Typ, kein wirklich konkurrenzfähiger Crooner - und dennoch setzt er nicht auf den Killers-Zoom, sondern auf ernst zu nehmendes Songwriting. Und genau: Ernst zu nehmend ist an dieser Stelle nur ein Euphemismus für prätentiös, erwachsen und unbegeisternd. Okay, seine Stimme besitzt fraglos hohen Wiedererkennungswert, aber die Stücke versacken im präsidialen Mittelfeld und erinnern an das Soloalbum von Don Johnson (”Miami Vice”). Nicht wirklich auf Hit gebürstet, aber auch nicht wirklich mutig. Irgendwo dazwischen bloß. Zwei Handvoll Songs zwischen den Sofakissen, während Formatradio für Berufstätige läuft. Reicht nicht.

“Flamingo” ist bereits bei Island/Universal erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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The Killers - Day & Age

the-killersMySpace könnte die Zahl bei den Profil-Aufrufen auch etwas schöner unterteilen, gerade bei den Viel-Besuchten. Na gut, muss man die Stellen eben selbst zu einer Zahl zusammendenken. “19981668″ meint also fast 20 Millionen. Sehr viele Staaten dieser Welt haben demnach weniger Einwohner als The Killers Visits. Aber das bringt auch genau zu dem Punkt: Warum gelten diese vier Typen denn überhaupt als so geil? Ich sage es Ihnen: Weil sie in allerkürzester Zeit die Entfernung von der Erde zur Sonne zurückgelegt haben. Diese Karriere ist wirklich Las Vegas. Dem catchy Debüt einer smart coolen Ohrwurm-Band folgte mit dem zweiten Album bereits die Metamorphose zum abgehangenen, divaesken, genialen Mega-Act, für die andere Gruppen zwanzig Jahre brauchen.

Die zweite Platte war das Rock-Monster im Anton-Corbijn-Look, das Album, das U2 immer noch mal hätten machen wollen - aus humanistischen Gründen aber nie mehr so lebens- und todesverachtend klingen konnten. Die Killers konnten es. Ihre Kunst brannte ja scheinbar auch in der Hochpotenz von Hundejahren. Daher ist jetzt allerdings auch erst mal das Feuer aus. “Day & Age” stellt keinen Meilenstein mehr dar, wohin hätte man auch noch gesollt? Der Pomp-Gestus im Sound ist beibehalten, hat aber irgendwie den Größenwahn eingetauscht in Handwerk. Und wie schrecklich ist das denn? Die erste Single ergänzt die Arschloch-Haltung der Band mit ein bisschen Travestie und leichtem Augenzwinkern. Von den grotesken Fellklamotten eines Bandmitgliedes ganz zu schweigen. Und klar, Humor könnte ja auch ein Ausweg sein - bedeutet bei den Killers allerdings erst mal, dass man zurückrudert, sich ironisiert. Dabei überzeugte aber bis dato der heilige Ernst, mit dem sich die Band selbst und ihre Musik in regelrechte Rockstar-Allmachtsfantasien halluzinierte. Darauf muss man hier nun verzichten. Mist!

Mit freundlicher Genehmigung von intro.de

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