Beiträge zum Stichwort: Travis

Fran Healy – Wreckorder

23061453Das Cover ziert eine Maxell-Kassette. Ähnlich puritanisch und anachronistisch startete vor über zehn Jahren die Karriere von Fran Healys Band Travis – mit der Single „All I Wanna Do Is Rock“. Dort damals abgebildet: ein Retro-Drumkit. Von dem Wunsch nach Rock hat sich Fran 2010 allerdings sehr weit entfernt. Wie nach den eher schwächeren letzten Travis-Veröffentlichungen zu erwarten war, präsentiert sich sein Solodebüt balladesk, elegisch, ja, mitunter hoffungslos dudelig. Healy, der ohnehin im letzten Jahrzehnt als Charts-Bandleader in Hundejahren gealtert zu sein schien, trägt mittlerweile Hut, graues Haar, grauen Bart. Sein Talent für die kleine Melodie und die markant zarte Stimme ist ihm geblieben. Und macht „Wreckorder“ zu einem – schon wieder dieses Wort – hoffnungslos uncoolen, aber nicht weniger netten Kleinod aus moderatem Pop-Country. Neko Case singt ein Duett, und Sir Paul McCartney spielt auf einem Stück die Gitarre. Hebt an, das Glas Rotwein am Kamin – hier kommt der gediegene Spaß für Pop-Senioren.

“Wreckorder” ist bereits bei Ryko/Warner erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Teenage Fanclub – Shadows

41ht1dg6hl_sl500_aa300_Von einem Teenage Fanclub-Album zu erwarten, es würde mit Innovationen, zeitgemäßen Einflüssen oder genrefremdem Spielereiein aufzuwarten, wäre vermessen und ein deutliches Zeichen, die Herangehensweise der Schotten zu verkennen. Sie wollen doch nur spielen. Zwar immer das Gleiche, aber wenn es so melodienträchtig ist, warum nicht? Gemeinsam mit den US-Kollegen von Guided By Voices konkurrieren sie seit zwei Jahrzehnten um die Auszeichnung „die Beatles des kleinen Mannes“ und importieren auch sonst alles, was in Sachen poppiger Gitarrenmusik Laune macht: Byrds, Beach Boys, Travis. Weshalb Teenage Fanclub nie den ganz großen Durchbruch geschafft haben, fragt man sich auch nach „Shadows“: Ein Dutzend zuckersüßer Songs mit so viel Melodieverständnis, dass sie dafür einen Lehrstuhl erhalten müssten. Keine Brüche, kein Wehklagen, nur die perfektionierte Unterhaltung ohne Skandalhascherei. Diese tonnengroßen Songs scheinen ihnen wie Nichts aus den Boxen zu fallen. Für Rüpeleien bitte woanders anstellen, Teenage Fanclub sind einfach nette Männer mit noch sympathischerem Liedgut.

“Shadows” erscheint am 8. Juni bei Merge Records.

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Glasvegas – Glasvegas

glasvegasDer mundartliche Bezug im leidlich originellen Wortspiel des Bandamens hat immerhin seine Berechtigung: „Glaswegian” ist der in Glasgow gesprochene Dialekt, und während Bands wie Travis oder Teenage Fanclub sich – wenn auch nur in ihren Songs – des heimischen Zungenschlags enthalten, umarmen Glasvegas ihre schottische Herkunft. Ihr Debüt profitiert darum von einem gewissen Exotenbonus, wenn die Musik auch nur Altbekanntes mit Augenmaß zusammenrührt. Die nicht auf dem Album enthaltene B-Seite „Be My Baby” wirkte in dieser Hinsicht wie ein Offenbarungseid: Die Wall Of Sound des Ronettes-Klassiker wird mit Jesus-&-Mary-Chain-Gitarren nachgespielt – womit man bereits zwei der Haupteinflüsse identifiziert hätte. Dabei sind flehende Liebessongs ansonsten nicht das Metier der Band: Die Singles „Geraldine” und „Daddy’s Gone” sind in Popsongs gepresste Sozialdramen, die lyrisch schlicht, aber tief empfunden sind. Die großen Ambitionen sind deutlich herauszuhören, und auch hierzulande scheint der erste Hype des Jahres beschlossene Sache zu sein. Die zweite Assoziation des Bandnamens, die mit Glamour und Neonreklame, mag heute noch bitter und sarkastisch sein. Aber wer weiß? Nach ein paar Jahren und Wagenladungen verkaufter CDs könnten Glitterfummel und U2-Komplex warten. Auch wenn die Musik aus dem Keller kommt, Stadien kriegt man damit problemlos beschallt.

“Glasvegas” ist am 30. Januar bei Columbia/Sony erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von “Hamburg Pur“.

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