Beiträge zum Stichwort: Tv On The Radio

[Album] TV On The Radio – Nine Types Of Light

31zyytzoyl_sl500_aa300_Während Bass und Schlagzeug noch die treibenden Kräfte bei den vergangenen Alben waren, zieht bei „Nine Types Of Light“ die Rockgitarre die Fäden. Ein Sound wie durch das Unterholz geschlagen, an den Büschen zerkratzt, faule Früchte des Waldes gegessen, um auf einer menschenleeren und doch hell beleuchteten Autobahn herauszukommen und zu feiern. Rauf auf den Pick-up, während Tunde Adebimpe seine Stimme gen Himmel schraubt. Lover’s Rock, von der Tür bis in die letzten Winkel. Atmosphärisch beklemmend dicht hangeln sich die Songs zähnefletschend vom Post-Punk-Bonsai zur balladesken Eiche, an der sich Kritiker ohne Sinn für das reine Schöne reiben können, bis es ihnen blutig aus dem Buckel spritzt. Catchy Alleinstellungsmerkmal: Egal wohin die Reise mit TV On The Radio geht, nie gewinnt die Aggressivität oder ihr fast prahlerisch vor sich hergetragenes Können die Oberhand. Alles im Dazwischen, alles alles. Nur dieses mal episch und verliebt. Hier schlagen Herzen. Höher. Nur das von Gerard Smith nicht mehr. Es ist eine Schande.

“Nine Types Of Light” ist bereits bei Interscope erschienen.

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Massive Attack – Heligoland

massive-attackDas Comeback-Album von Massive Attack eröffnet Tunde Adebimpe von TV On The Radio, der den dunklen Loop ‘n’ Roll seiner Band vorsichtshalber mitgebracht hat. Der verträgt sich gut mit dem groovelastigen Minimalismus der einstigen TripHop-Posterboys, die auf „Heligoland” so viele alte Bekannte und neue Gesichter um sich geschart haben, dass die Platte mehr nach Producer-Album als nach einer Band klingt. Dumpf-rauchiger Downbeat findet sich kaum, Robert „3D” Del Naja verleiht den Tracks ein crispes Hi-Fi-Gerüst, durch das knisternde Samples nur selten schleichen, wie Geister der Vergangenheit. Am Mikro gastieren neben den üblichen Verdächtigen Horace Andy und Martina Topley-Bird außerdem Guy Garvey von Elbow, Hope Sandoval und Damon Albarn. Soviel Starpower hätte es gar nicht bedurft, um sich Gehör zu verschaffen.

“Heligoland” erscheint am 5. Februar bei EMI.

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TV On The Radio – Dear Science

tvSprechen wir´s doch mal offen aus: 2008 ist ein unglaublich guter Musikjahrgang. Vielleicht der beste seit 1991. Sehr gute bis herausragende Platten von Jamie Lidell, Portishead, The Notwist, MGMT, GZA, Bon Iver, Mogwai oder The Streets usw. usf. pflastern den Weg des geschmackvollen Populärkulturanhängers wie weiland Leichen den von Klaus Kinskis Il grande silencio. Und traditionell entscheidet sich oft in den Monaten September und Oktober, wer denn nun in den so unnötigen wie beliebten Jahresendpolls vorne liegen wird.

Dieser Herbst ist gerade mal ein paar mickrige Tage alt, und schon schimmert ein sicherer Favorit stolz in der schwächer werdenden Sonne. Er heißt „Dear Science“ und ist (das Lo-Fi Debüt „OK Calculator“ nicht mitgerechnet) das dritte Album der New Yorker Coolness-Päpste TV On The Radio.

Grundsätzlich kann man eine Band, die sich aggressiv jeder Schubladisierungstendenz widersetzt, und deren Sänger darüber hinaus Tunde Adebimpe heißt, ja schon mal nicht komplett Scheiße finden. Ihr Ruf als legendäre Liveband (ich selbst habe sie auf fast schon peinliche Weise bisher immer verpasst) eilt ihnen sowieso voraus. Und außerdem waren TVOTR schon auf ihren früheren Veröffentlichungen immer für (mindestens) einen Wahnsinnssong gut (Staring At The Sun, I Was A Lover, Wolf Like Me). Dass bereits ihre letzte, „Return To Cookie Mountain“ (2006), ein Welterfolg und sowohl für David Bowie als auch die meisten Popschreiberlinge und ihre Mütter eine Offenbarung war, darf an dieser Stelle zwar nicht verschwiegen werden, mir selbst war der hibbelige Breitwandideenoverkill aber auf Albumlänge noch schlicht zu anstrengend. Also irgendwie eher etwas zum Angeben als zum wirklich Lieben.

Den kreativen Überfluss gibt es auch auf „Dear Science“ noch, auch hier entfalten sich die verschiedenen Ebenen manchmal erst beim wiedreholten Hören, aber diesmal ist das Ganze durchgehend sanft verpackt in melancholische Sexiness und unwiderstehlichen Groove. Wir haben es hier mit einer echten Soulplatte zu tun. Glänzender poliert und feingliedriger als auf „Desperate Youth, Blood Thirsty Babes“ (2004) und „Return To Cookie Mountain“, vereint David Siteks Produktion elegant New Wave-Flächen, Garagenrock, Doo Wop, glücklich machende Soul-Harmonien und Hunderte weiterer Einflüsse zu einem ganz eigenen Sound, der ab und zu an die großen Zeiten ambitionierter (und bekloppter) Weltmusikpopper wie den Talking Heads oder Coati Mundi erinnert, aber dennoch moderner kaum klingen könnte.

Die Eröffnung mit Halfway Home ist nachgerade eine Wucht, vereinigt sie doch lässig alle bisherigen Stärken von TVOTR (irgendwie Sonic Youth, irgendwie elektronisch, irgendwie Soul, irgendwie Gospel) in fünfeinhalb Minuten. Dancing Choose ist irre, aber geil, und Golden Age (die Single) macht dann sowieso alles richtig, denn hier klingen TVOTR wie Prince zu „Lovesexy“-Zeiten (aber im Unterschied zu etwa Plantlife nicht wie teils in Ehrfurcht erstarrte Epigonen). Und mit Family Tree, Love Dog, DLZ und Lover´s Day wird das Niveau bequem bis zum Ende gehalten.

„Dear Science“ ist für TV On The Radio der entscheidende Schritt von „Ganz gute Platten, muss man aber live gesehen haben“ zu „Großer Pop für (mindestens) die Ewigkeit“ und setzt einem Jahr, in dem die Hits nur so vom Fließband purzeln, auf berauschende Weise die Krone auf.

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