DJ Cheeba – The Reels of Solid Steel
12. September 2009Seit das Digitale in die DJ-Kultur eingezogen hat, käuen Gadget-Nerds ja gerne den Marketing-Sermon über die “neuen Möglichkeiten” wieder. Effektivität & Bequemlichkeit bringen die Maschinchen zweifellos – manch einem hat nur das Rauchverbot die erhoffte Zurücklehnung verleidet – echte Qualitätssteigerungen sind jedoch dünn gesäht.
Ausnahmen, die der Remixkultur den technisch hürdengeminderten Spagat des Audiovisuellen aufzwingen, sind schon seit den frühern 1990ern im Ninja Tune-Umfeld angesiedelt. Coldcut & Hexstatic sind Legenden, die im Eigenbau Software entwickelten, um ihre Vorstellungen live zu realisieren.
Neuestes Exempel dieser Riege: DJ Cheebas “The Reels of Solid Steel” nutzt das mit Video-Plugin gepimpte Scratch Live nebst zwei Plattenspielern, um digitalen Ton & Bild mit klassisch-analogen Mix-, Juggle-, und Scratch-Methoden zusammen zu bringen. An mehreren Stellen darf (z.B. Minute 16) darf man dem Meister auf die Finger schauen und anerkennen, dass Digital DJing auch mehr sein darf, als ein paar MP3s aneinander automatisieren zu lassen. Doch auch wenn der Mix das Potenzial einer der meist genutzten DJ-Softwarepakete vorführt: “Auf Knopfdruck” geht hier nix. Über 1 Jahr hat DJ Cheeba den Mix entwickelt und bei Liveauftritten verfeinert. Über einem HipHop-Fundament spielt er sich frei durch alle Genres, die sich nicht rechtzeitig im Dateibaum versteckt haben. Auge und Humordrüse werden mit überraschenden Remix- und Mashup-Stunts aus Musikvideos und skurillem Filmmaterial stimuliert.
Absolut sehenswerte, wenn auch nicht revolutionäre Leistung in einer bislang leider von Wenigen beackerten Disziplin, deren Dramaturgie man anmerkt, dass sie für die öffentliche Aufführung angelegt wurde (vulgo: Wohl dem der Interwebgerät an TV und Hifi anschliesst und sich eine Stunde einklinkt).
Film & Video, Musik, Musikvideo
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